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Lost Planet 2

Monster Hunters in Space?

Es ist zugegebenermaßen nicht der eleganteste Einstieg, aber hey, wo, wenn nicht hier? Einer muss es ja mal sagen:

Liebe Spieleentwickler,

Schluss damit! Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr. Vom sogenannten „Startbildschirm“ bis ins Hauptmenü verlangen Spiele wie Lost Planet 2 fünf Klicks für sinnbefreite Aufgaben, für die man mit reinstem Gewissen auch einen Trinkvogel über den Controller stellen könnte.

Nach dem Betätigen der Start-Taste (Klick) soll ich den Hinweis, dass ich kein Speichermedium definiert habe, bestätigen. Nun gut. Klick. Als nächstes muss ich ein Speichermedium wählen. Ich habe nur die HDD. Erinnerungen an „Sophies Entscheidung“ werden wach. Klick. Anschließend der Hinweis, dass es ein Auto-Save-Feature gibt und man doch bitte nicht im laufenden Spielbetrieb die Festplatte entfernen soll. Ich verspreche, mich zu beherrschen. Klick. Das Fünferpack an vollkommen gameplaybefreiter Tastendrückerei vervollständigt schließlich der nette Hinweis, dass der Ladevorgang auf dem gewählten Speichermedium erfolgreich war. Unglaubliche Szenen im Wohnzimmer. Die Menschen liegen sich in den Armen. KLICK!

Leute – und ich meine nicht nur dich, liebes Capcom – lasst euch endlich eine UI-Lösung einfallen, die eure Fans nicht nach jedem Start aufs Neue mit vermeidbaren Menüs vom Spielen abhält. Ich weiß, dass ihr es könnt!

Hugs and Kisses,

Alex

Kommen wir nun zum eigentlichen Spiel. Und hier muss ich einen weiteren Quasi-Disclaimer vorweg schicken: Wenn ihr den ersten Teil der hübschen Einzelspieler-Kampagne wegen geschätzt habt und euch fragt, wie die Geschichte des Planeten EDN III wohl weitergeht, ist Lost Planet 2 eher nichts für euch. Das Sequel ist eine reine Mehrspieler-Angelegenheit, deren zentraler Modus eine umfangreiche kooperative Kampagne für einen vierköpfigen Spielertrupp bildet. Ihr könnt es auch alleine spielen, nur ist das nicht der Sinn der Sache. Vielmehr trifft sich hier Left 4 Dead auf ziemlich genau halbem Wege mit Monster Hunter. In der Theorie ein Traum für gesellige Spieler, die sich neben toll inszenierter Action auch eine wenigstens den Hauch von Personalisierungsoptionen wünschen. Und in seinen besten Momenten ist es das auch. Probleme in Schlüsselbereichen halten den verlorenen Planeten aber davon ab, zum neuen Mekka für Koop-Pilger zu werden.

Lost Planet 2 - Gameplay-Video

Trotz seines Fokus auf die Mehrspieleraspekte bietet die Kampagne des Third-Person-Shooters natürlich dennoch eine Story. Die wird aber so wirr und stückhaft erzählt, dass sie euch noch vor der Mitte der zweiten der sechs langen Kampagnen verliert. Pro Kampagne wechselt ihr nämlich munter zwischen den verschiedenen Fraktionen vermummter Krieger. Wer wer ist, wer was sagt und ob die aktuelle Dialogzeile nicht gerade doch aus dem Funkgerät kommt, ist oft nur zu erahnen. Also passt man schon sehr bald nicht mehr wirklich auf. Wichtig ist nur: EDN III hat sich verändert. Zehn Jahre sind seit dem ersten Teil über den Planeten hinweg gefegt und haben das Antlitz der Welt verändert. Soll heißen: Der Spieler ist nicht länger nur in einer nicht enden wollenden Eiswüste unterwegs.

Mittlerweile geht es durch den Dschungel, die Wüste, durch Unterwasseranlagen und Industriekomplexe. Unterwegs aktiviert ihr, wie schon im Vorgänger, Datenpunkte (die als Spawnpunkte und Radaranlagen dienen), sichert und beschützt (seltener) gewisse Anlagen und schaltet auf dem Weg alles menschliche oder monströse aus, das sich eurer Sache in den Weg stellt. Das geschieht mit einer breiten Auswahl von Waffen, Granaten und nicht zuletzt den Virtual Suits genannten Mechas, die in verschiedenen Größen und Ausführungen auf den Schlachtfeldern platziert sind. Vom schweren Körperpanzer bis zu laufenden Festungen mit drei Sitzen ist alles dabei, sogar in die Lüfte erhebt ihr euch dank der Osprey-Helikopter in einigen Abschnitten.

Die Möglichkeit, die VS-Waffen auch zu entfernen und von Hand – dann aber nur aus stationärer Position – abzufeuern oder einfach nur zu einem potenteren Mech zu schleppen und sie dort zu montieren, verleiht den Schlachten eine nette taktische Komponente und liefert eine Prise Unvorhersehbarkeit. Eine feindliche Stellung, gegen die ihr zuvor lange vergeblich angerannt seid, ist mit einem Mal deutlich einfacher zu schaffen, wenn ihr den alten VS einsetzt, der scheinbar in Trümmern in einer Ecke lag. Aktiviert und repariert ihn, was, wie auch das Hochfahren von Datenpunkten oder Schaltern, zu mehreren schneller geht als alleine, und stattet ihn dann mit dem zusätzlichen Raketenwerfer aus, den ihr in einem der umliegenden Bunker gefunden habt. Bingo.

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