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Mario Kart Wii

Das nächste Partyspiel

Beginnen wir dieses Review auf eine ungewöhnliche Art und Weise: Räumen wir mit ein paar Fehlinformationen auf, die in den letzten Wochen die Runde machten! Snaking? Nein. Ganze Cups im Multiplayer fahren? Ja. Stunts nur mit dem Lenkrad möglich? Nein. KI-Fahrer im Offline-Multiplayer? Ja. Gummiband-Effekt? Nein.

Im Ernst, ich kann mich an kaum ein Spiel erinnern, über das im Vorfeld soviel Blödsinn verbreitet wurde wie über dieses. Vielleicht ist Nintendo selbst nicht ganz unschuldig daran, weil der Release fast ein bisschen plötzlich und überraschend kam - aber das macht den ganzen Quatsch natürlich nicht richtiger.

Eines war allerdings leider kein Quatsch: Mario Kart Wii wirkt in vielerlei Hinsicht auf einen neuen Typ Spieler zugeschnitten und zum ersten Mal stört mich das wirklich. Um das zu erklären, sollte ich vielleicht kurz ausholen.

Ich bin einer der zwei Spieler weltweit, denen Mario Kart: Double Dash!! auf dem GameCube verdammt gut gefallen hat. Ich halte es für den bislang besten Teil der Reihe, nicht zuletzt dank seiner interessanten Neuerungen, die dem etwas angestaubten Spielprinzip einen modernen Anstrich verliehen. Gut drei Jahre lang gab es für mich kaum ein anderes Multiplayer-Spiel, fast kein Tag verging, an dem ich nicht ein paar Runden damit gedreht hätte.

Zwischendurch kam Mario Kart DS, nahm im Grunde all jene Neuerungen wieder zurück und siedelte sich spielerisch irgendwo zwischen der SNES- und der N64-Ausgabe an. Aus Sicht vieler Spieler die richtige Entscheidung, für mich ein gewaltiger Rückschritt. Und wenn Mario Kart DS einen Schritt zurück ging, dann geht Mario Kart Wii zwei Schritte zurück. Mindestens.

1

Bowser auf einem der neuen Bikes.

Mein größtes Problem mit dem Titel ist, dass ich ihn gar nicht mehr so recht als Arcade-Rennspiel bezeichnen mag.

Es ist mehr ein Glücksspiel, ein Partyspiel mit Rennelementen, die es aber gut zu verstecken versteht. Manch einer mag nun sagen, so sei Mario Kart doch schon immer gewesen, aber das stimmt nicht. Man konnte Strecken auswendig lernen, perfekt beherrschen, auf den Millimeter genau fahren und so noch ein paar Zehntel rausquetschen, um eine neue Bestzeit aufzustellen. Auf Wii hingegen herrscht vor allem eines: Chaos. Und Nintendo scheint sogar bewusst nahezu jedes Feature entfernt zu haben, das ein gewisses Können des Spielers erfordert. Beispiele? Bitte schön!

Das Driften. Zwei Varianten stehen dieses Mal zur Auswahl; eine so genannte Automatik, eine manuelle. Erstere nimmt Euch die komplette Arbeit ab, indem die Fahrzeuge von alleine um Kurven schlittern, wenn Ihr entsprechend stark einlenkt. Letztere dagegen lässt Euch, wie der Name schon sagt, per Hand driften und belohnt Euch dafür mit einem Geschwindigkeitsboost - der nun aber ebenfalls automatisch aktiviert wird, sofern Ihr lange genug die Drifttaste drückt.

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Sehr schick: Die neuen Umgebungen.

Das aus den Vorgängern bekannte Gegenlenken ist überflüssig geworden, die Expertentechnik zählt zum Standard-Repertoire eines jeden Fahrers. Ja, aus dem Gegenlenken resultierte auch das anfangs angesprochene Snaking, das sich damit zum Glück verabschiedet hat. Aber ich bin mir sicher, Nintendo hätte auch eine Lösung finden können, die Technik auf Kurven zu beschränken.

Nächster Punkt, die Items. Statt Mittel zum Zweck, nun quasi der Zweck selbst. Soll heißen: Sie sind viel zu stark und viel zu wichtig. Sie verkürzen nicht mehr einfach nur den Abstand zum Vordermann, wie es ursprünglich mal gedacht war, oder lassen Euch einen Gegner vor Eurer Nase endlich überholen.

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