Metal Gear Solid: Rising

Sauberer Schnitt

Es gibt Leute, die halten mir vor, dass ich die Metal-Gear-Serie nie ganz für voll und die Story nie so richtig ernst nahm. Wisst ihr was? Das Letztere ist absolut richtig. Ich liebe die Reihe, viele ihrer Figuren und die Spielmechaniken. Sie gehört zum Besten, was einem auf einer Konsole passieren kann und wer die nie spielte, hat was verpasst. Das alles und sogar noch ein wenig mehr gestehe ich Metal Gear Solid unumwunden zu. Was ich aber wirklich nie ernst nehmen konnte, ist die Handlung an sich.

Das soll nicht bedeuten, dass ich sie schlecht fand. Sie funktioniert für mich wie ein Anime-Action-Flick. Roll with it, nimm es locker und denk bloß nicht drüber nach. Beim ersten Solid war sogar noch ein mehr wenig drin, der dritte Teil und Peace Walker kamen einem seriösen Ansatz am nächsten, aber Teil 2 und 4 mit ihren undurchsichtigen, paranoiden Verschwörungstheorien inklusive Friedensgenöle und Waffenfetisch bis zum Anschlag waren zu viel des Guten. Wer das wirklich für bare Münze nimmt und verbittert verteidigt, dass das ja alles so richtig tiefgründig sei, sucht auch nach Lebensinhalten in der Matrix. Spätestens bei Cyborg-Raiden, einem vorher schon kritischen und eher überflüssigen Charakter, war Schluss mit ernst. Egal wie sehr sich Teil 4 bemühte, nach Cyborg-Raiden ging bei mir nicht mehr viel…

Entsprechend groß war meine Freude, als ich hörte, dass Raiden der Held von Metal Gear Solid: Rising wird. Noch dazu, da nun klar ist, dass dieses Spin-off inhaltlich kaum mehr wird als ein fehlendes Bindeglied in der Transformation von Emo-Raiden zu Cyborg-Raiden. Was ich schon immer wissen wollte... Dramaturgisch wirft es natürlich noch eine ganz andere Frage auf. Wie auch in Metal Gear Solid: Peace Walker spielt alles in einer Welt, deren vorläufiges Ende von MGS4 definiert wurde. Wir wissen, was aus Raiden wird.

Er hält sicher bis dahin durch und die Zukunft aller anderen relevanten Charaktere der Reihe ist auch weitestgehend festgelegt. Sind Kojima und sein Rising-Team (Shigenobu Matsuyama – Producer – Silent Scope / Mineshi Kimura – Director – alle MGS mit steigendem Anteil an ihnen / Etsu Tamari – Writer – Time Hollow, MGS4) als Erzähler gut genug, neue Figuren aus dem Ärmel zu schütteln, für die wir uns ein Spiel lang interessieren und die danach nie wieder auftauchen? Oder nutzt man nur bekannte Gesichter und spinnt eine Story, über die sie später nie wieder reden?

Metal Gear Solid: Rising - E3-Tailer

Ich wünschte, ich könnte diese Fragen beantworten, aber natürlich hielt man bei Konami noch den Deckel auf dem Geschichten-Topf. Fürs Erste begnügen wir uns mit dem Wissen, dass es zwischen 2 und 4 liegt. Und Raiden ein Super-Ninja ist, der den leisen Tod von oben bringt. Bewaffnet mit einem Schwert und einer Gameplay-Philosophie. Diese nennt sich Zan Datsu und lässt sich lose mit „Schneiden und Nehmen“, aber auch „Schneide alles“ übersetzen. Genau das macht Raiden auch. Er sliced seinen Gegner in der Mitte durch und reißt irgendetwas aus ihm heraus. Waffen, Munition, Energie oder Informationen.

Wir können also davon ausgehen, dass große Teile der Gegner ebenfalls Cyborgs oder Roboter sein werden, denn wer einen Menschen durchhackt, kann eine Menge mit nach Hause nehmen, aber keine Informationen, die dieser hatte. Menschen hat die Gegenseite auch zu bieten und in bester Metal-Gear-Tradition wird es belohnt, wenn man versucht, diese nur zu betäuben oder zu umgehen.

Raiden geht mit seinem Schwert so geschickt um, dass sogar nicht-tödliche, gezielte Attacken aus dem Freischnitt-Modus – meine inoffizielle, nicht besonders elegante Bezeichnung – heraus möglich sein werden. Es scheint sich dabei um eine Art Zeitlupe zu handeln, in der eine transparente Fläche und Linien den Schnitt anzeigen. Ihr könnt hier entscheiden, ob es ein tödlicher werden soll, ob Beine oder Torso angegriffen werden oder ob ihr sogar der Super-Slicer, das mehrfache Zerhackstückeln des Ziels, angestrebt werden soll. Ihr könnt einen Gegner hochkicken und seine Gliedmaßen einzeln schneiden, die Zeitlupe verlassen und beobachten, wie die Reste zu Boden rieseln. Ich bin froh, dass Raiden sein Schicksal akzeptierte und die Transformation zum Anime-Helden abgeschlossen hat.

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