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Metroid Prime Trilogy

Versöhnungsbrief an Samus

Liebe Samus Aran,

ich weiß, dass ich mich in den letzten Jahren nur wenig um dich gekümmert habe. Du musst aber verstehen, dass ich mit deiner neuen Art einfach nie so wirklich klar kam. Weißt du noch, damals? Wir beide alleine und in 2D? Es war eine schöne Zeit. Ich gebe offen zu, dass es Liebe auf den dritten Blick war, denn bei deinen ersten beiden Versuchen war ich blind und habe sie nur am Rande wahrgenommen. Doch 1994, als du plötzlich „super“ wurdest, bin ich deinem Charme sofort verfallen. Du warst das, was heute Tina Fey für mich ist: Hübsch, witzig, charmant, agil, selbstbewusst und entschlossen.

Ich erinnere mich noch gut an unser erstes Date. Als ich in deine Augen sah, da wusste ich sofort: Wir beide sind füreinander geschaffen. Es ist einer dieser Momente, der im Kopf ein Ereignis auslöst, dir klar macht, dass da eine außergewöhnliche Verbindung besteht. Man darf so etwas nicht ignorieren, schon gar nicht dabei zögern. Und das haben wir auch nicht. Hand in Hand begleitete ich dich. Zunächst etwas erschrocken, denn du wusstest, wie man jemanden wie mich vorsichtig werden lässt.

Es war düster, die Welt schien verlassen. Du wirktest angespannt, wusstest nicht so recht, was passiert ist. Gerade als du mich einer merkwürdigen Lebensform vorstellen wolltest, griff dich ein Wesen aus der Urzeit an. Fasziniert von der Statur dieses Drachen gelang uns dennoch die Flucht. „Das wird keine leichte Reise. Bist du dir auch ganz sicher?“ fragtest du mich. Ich überlegte erst gar nicht und umklammerte deine Schulter, als sich dein Raumschiff in Bewegung setzte. Auch wenn man dein Gesicht nur schwer durch das Visier deines Helms sehen konnte, so vernahm ich doch ein erleichtertes Lächeln.

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Die Steuerung der ersten beiden Teile wurde selbstverständlich an die Wiimote angepasst.

Was hinterher die Leute als Super Metroid kennenlernten, war unser ganz persönlicher Augenblick. Ein Moment, der niemals hätte enden dürfen. Doch du verließt mich, ohne ein Sterbenswörtchen zu sagen. Samus, du hattest mich alleine gelassen. Alleine in einer Welt, in der Personen wie der Master Chief sich mit mir anfreunden wollten. Er trug zwar auch eine Rüstung, aber er war eben nicht du. Und außerdem... nun ja... er war ein Kerl.

Es war im November 2002, als du plötzlich vor meiner Tür standest. Du kamst direkt aus den USA, wolltest mich sehen. Du hast mir nie erklärt, wieso du ohne etwas zu sagen abgehauen bist. Du warst einfach da – und ich sollte dich erneut so lieben wie früher. Aber es ging nicht. Ehrlich gesagt kann ich noch immer nicht erklären, weshalb ich dir damals nicht nach Talon IV folgen konnte. Trotz der Kulisse, deines sexy Verstands sowie deiner charmanten Art wirkte alles so angsteinflößend anders. Du warst plötzlich 3D. Ich sollte das sehen, was du sahst. Irgendetwas in meinem Kopf blockierte diese Befriedigung, dieses Erlebnis, das in den Aufzeichnungen unter dem Namen Metroid Prime geführt wird. Damals habe ich dich links liegen lassen und mich wie ein Idiot benommen. Dafür möchte ich mich entschuldigen.

Samus, es tut mir leid, dass wir die letzten Jahre nicht miteinander verbracht haben. Eine gute Kollegin meinerseits gab mir auf Wunsch das, was Historiker die Metroid Prime Trilogy nennen. Man kann sie nur auf der Nintendo Wii abspielen, einem weißen Gerät, dessen Eingabemöglichkeit auf einer Fernbedienung beruht.

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Die sich stetig füllende Datenbank erinnert fast schon an eine Enzyklopädie.

Hast du von diesem Gerät schon mal was gehört? Hier in Europa hat man die Trilogie leider nur in einen Pappschuber gepackt. In den USA, so sagt man, spendierten sie deinen Abenteuern hingegen ein Metal Case. Das wirkt gleich viel edler. Immerhin liegt neben den Aufzeichnungen auf nur einer DVD ein kleines Heftchen bei, das Unwissenden alles über deine Eskapaden erzählt. Lesen sollte man das aber vielleicht erst, wenn man durch die Trilogie durch ist, ansonsten wird bereits alles vorweg genommen.

Deine drei letzten Abenteuer, bestehend aus Metroid Prime, Metroid Prime 2: Echoes und Metroid Prime 3: Corruption, lassen sich allesamt aus einem recht hübsch gestalteten Hauptmenü anwählen. Auch dieser von vier Leuten simultan nutzbarer Kampfsimulator, den du immer zum Üben verwendet hast, wurde integriert. Nett, oder? Bedauerlicherweise entfällt so die tolle Menümusik und der organische Hintergrund, den ich so sehr mochte.

Die Idee hinter der Trilogie liegt nahe: Leuten wie mir, oder Leuten, die dich noch gar nicht kennen, drei deiner Abenteuer näher bringen. Man sagt den Entwicklern dieser Aufzeichnungen nach, dass es eine Art Liebeserklärung an dich sein soll. Ehrlich gesagt fühle ich mich dabei ein wenig unwohl, so waren es doch wir beide, die etwas verspürten, was man durchaus Liebe nennen darf.

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