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MotoGP 07

Wer bremst, gewinnt

Die roten Lichter erlöschen. Um mich herum heulen gut zwanzig Motoren auf. Das Publikum kreischt. Und zehn Sekunden später würde, hätte ich keinen Helm auf, mein Haar elegant im 200-km/h-Fahrtwind wehen. Klare Sache: Heute bin ich mal Motorrad-Rennfahrer und ganz nebenbei gerade im Begriff, den großen Preis von Italien zu gewinnen – vorausgesetzt natürlich, in den folgenden fünf Minuten leiste ich mir keine Fehler. Denn die können mich nicht nur ganz schnell meine Führungsposition kosten, sondern im schlimmsten Fall das Rennen vorzeitig für mich beenden. Disziplin, Kontrolle und Perfektion werden abverlangt, wenn man das branchenübliche 250-PS-Geschoss unter dem Hintern hat. Wer sich darüber nicht im Klaren ist und die Voraussetzungen nicht mitbringt, hat – so hart es auch klingt – auf der Piste nichts verloren.

1

Regen ist nass.

Allerdings soll sich davon niemand abschrecken lassen. Dass die blutigsten aller Anfänger hin und wieder den sprichwörtlichen Boden unter den Füßen verlieren, ist bei einem solch simulationslastigen Spiel wie MotoGP schlicht und einfach ein ungeschriebenes Gesetz. Wer noch keine Erfahrungen mit der populärsten aller Motorrad-Rennspiel-Serien gemacht hat, wird in den ersten Runden vermutlich die Hälfte der Zeit auf dem Schotter, dem Rasen oder in der Luft verbringen. Bis sich einige Fortschritte sichtbar machen, können gut und gerne mehrere schweißtreibende Tage, wenn nicht gar Wochen vergehen. Und erst dann erschließt sich dem geduldigen Spieler die gesamte Faszination des Motorsports.

Ziel ist die Perfektion. Den optimalen Bremspunkt zu finden, die perfekte Kurve zu nehmen, das ideale Feingefühl für die eigene Maschine zu bekommen, die beste Rundenzeit zu fahren – all das wird den leidenschaftlichen Motorrad-Piloten unglaublich motivieren.

2

Noch mehr Rennatmosphäre garantiert die Ego-Ansicht.

Wer die lange, schwierige (und vermutlich für den einen oder anderen auch recht frustrierende) Einstiegsphase erst einmal überwunden hat, der darf jegliche Vorzüge des vollwertigen Motorradfahrer-Daseins nach Lust und Laune auskosten – angefangen vom Designen und Aufmotzen des eigenen Bikes, über freie Wochenendtouren bis hin zur Teilnahme an der MotoGP-Weltmeisterschaft.

Dabei darf nicht nur auf sämtlichen originalen Rennstrecken (inklusive dem neu hinzugekommenen Misano-Parcours) mächtig Gummi gegeben werden, sondern auch auf den inoffiziellen Extreme-Kursen, von denen einige erst nach und nach freigeschalten werden müssen.

Hier fallen dann auch die größten Veränderungen zum Vorgänger auf. In puncto Streckendesign hat sich nämlich einiges getan. Asphalt-Texturen wirken realistischer als noch in MotoGP 06; Umgebungsobjekte, wie über der Piste kreisende Flugzeuge und Hubschrauber, lebendiger.

Die bildhübschen Hintergründe und die superben Wettereffekte tun ihr Übriges. Für mehr Rennatmosphäre sorgen zudem die begeisterten Zuschauer, von denen jeder einzelne – unabhängig voneinander – seinem eigenen Favoriten zujubelt. Tragt Ihr beispielsweise eine britische Flagge auf Eurem Helm, brechen Begeisterungsstürme der englischen Fans los, sobald Ihr an den Tribünen vorbeiheizt. Brillant!

MotoGP 07 ist überaus simulationslastig und parallel dazu unglaublich schwer. Das rasante, feinfühlige Gameplay wird Euch einiges abverlangen und spätestens auf dem dritten Schwierigkeitsgrad häufig zum Controller-in-die-Ecke-schmeißen verführen. Der Simulationsgrad ist je nach Vorliebe regulierbar und sorgt bei Bedarf für eine höhere beziehungsweise niedrigere Toleranzschwelle der Crashs.

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