New Super Mario Bros. Wii

Die Rückkehr des Hüpfkönigs

Zeitgenössische Videospiele können sich nicht einfach nur mit Dingen wie „guter Spielbarkeit“ oder einer „tollen Spielidee“ begnügen. Nein, sie müssen mehr bieten, viel mehr. Sie müssen eine Handlung erzählen, die mitreißt, aufwühlt und vielleicht sogar zum Nachdenken anregt. Sie sollen sich in ihrer Aufmachung kaum mehr von aktueller (Action-)Kinokost unterscheiden. Außerdem muss natürlich neben dem 100% überzeugenden, durchdachten und vor allem inhaltlich befriedigenden Solo-Erlebnis auch ein motivierender Online-Modus geboten werden, damit sie nicht nach den ersten Durchspielen gleich im Schrank oder, schlimmer noch, beim Gebrauchthändler landen.

Uncharted, Call of Duty und Co. sind die Paradebeispiele dieser Generation von Rundum-Entertainment mit Mehrwert und freuen sich nicht ganz grundlos über fulminante Verkaufszahlen und astronomisch hohe Wertungen. Wie kommt es also, dass ich jedes dieser XXL+-Abenteuer spontan vergesse und links liegen lasse, nur weil ein Spieleheld aus den frühen 80er Jahren mit seinem neuen Abenteuer lockt, das weder eine nennenswerte Story noch irgendeine Art von Dramaturgie und Botschaft bietet? Das so gar nichts mit dem Bruckheimer’schen Actionkino zu tun hat? Das ja nicht einmal den Sprung ins Internet geschafft hat?

Ganz einfach – weil der Held Mario heißt. Und weil Mario trotz Kart, Sport und RPG-Ausflügen immer noch in Hüpf-Hochform ist.

Gemeinsam mit Nervtöter Bowser Jr. haben die ungleich cooleren Koopa-Kids wieder einmal Prinzessin Toadstool entführt, zu allem Überfluss auch noch an ihrem Geburtstag. Gut, dass sich unter den Geschenken ihrer Hoheit nützliche neue Items wie der Propeller-Anzug, die Eisblume und das Pinguin-Kostüm befanden. Mit ersterem schraubt ihr euch hoch in die Lüfte und könnt euren Fall ähnlich wie früher per Waschbärschwanz oder Cape abbremsen.

New Super Mario Bros. – Trailer

Die Eisblume hilft, um Gegner tief zu kühlen und als begehbare Blöcke zu verwenden. Und das Pinguin-Kostüm unterstützt euch unter Wasser und beim Schliddern über vereiste, rutschige Flächen. Natürlich sind das nicht die einzigen Neuerungen. Andere Elemente werden ohne große Vorwarnung in den Levels selbst eingeführt. Auf einmal wirft Mario Fässer wie Alt-Rivale Donkey Kong und so manches Level besucht ihr noch einmal, um einen gefangenen Toad zu befreien.

Grafisch orientiert sich der neue Mario mit seinem 2,5D-Look am DS-Vorgänger, von Recycling kann hier aber keine Rede sein, sämtliche Figuren und Hintergründe wurden selbstverständlich neu gezeichnet oder modelliert. Der Look ist dabei bewusst sauber und übersichtlich gehalten. Gegen einen Grafikkracher wie Sonys LittleBigPlanet macht Mario damit natürlich keinen Stich – aber das hat er auch nicht nötig. So liebevoll und charmant das Sackboy-Abenteuer auch gemacht ist, so viel Potenzial die Editoren und die Community dort bieten, beim essenziellsten Kriterium von allen, der reinen Spielbarkeit, behauptet Mario auch weiterhin souverän die Spitzenposition im Genre.

Vor allem räumt Nintendo nun ein für allemal mit einem lästigen, hartnäckigen Klischee auf: 2D-Spiele sind kein Relikt längst vergangener Zeiten, sie sind keine Avantgarde-Titel, die nur von künstlerisch veranlagten Videospiel-Snobs mit Baskenmütze über Download-Portale degoutiert werden. Und sie sind vor allem auf keinen Fall eine minderwertige Form von Videospiel. Auch wenn die Grafik sehr einfach anmutet, wird schon nach kurzer Spielzeit klar, welchen Aufwand Nintendo hier betrieben hat. Die Levels sind perfekt entworfen, die Gegner absolut exakt positioniert und jede Herausforderung, jedes Geheimnis kann mit dem nötigen Grips und vor allem dem entsprechenden Fingerspitzengefühl gemeistert und gelöst werden. Diese spielerische Brillanz erreicht man nur durch endloses Feintuning, Monate-, wenn nicht jahrelange Betatests und natürlich gnadenlos talentierte Entwickler, die es verstehen, souverän auf dem feinen Grat zwischen Lust und Frust zu balancieren.

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