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Petition gegen Spieleverbot: Wie geht's weiter? Interview

Xbox 360 PC PSP DS PlayStation 3 Wii
Interview von Harald Fränkel

17 August, 2009

Seite 1 von 3. Seite 2 ->

Wir befinden uns im Jahre 2009 nach Christus. Ganz Deutschland scheint von schlecht informierten Menschen besetzt. Ganz Deutschland? Nein! Etliche unbeugsame Spieler hören nicht auf, Aufklärungsarbeit und Widerstand zu leisten und sich zum Beispiel des geforderten Verbots von Actiontiteln zu erwehren.

Einer der besonders engagierten Liebhaber digitaler Unterhaltung heißt Peter Schleußer. Der 38-jährige Baumaschinentechniker hat die Onlinepetition „Gegen ein Verbot von Action-Computerspielen“ eingereicht. Schnell war die Hürde von 50.000 Mitzeichnern erreicht, deshalb muss sich der Petitionsausschuss des Bundestags mit dem Thema befassen. Ein erster Teilerfolg?

Im Exklusiv-Interview mit Eurogamer.de erzählt Schleußer von seiner Rede, die er demnächst vor dem Gremium der deutschen Regierung hält, dass er dafür extra ein Rethorik-Training absolvieren möchte und warum er als Nekromant zwar Tausende von virtuellen Gegnern tötet, deshalb aber noch lange nicht den Sinn für die Realität verliert.

Eurogamer: Sich mit der Regierung anzulegen, daran haben wohl nur Masochisten Spaß. Glückwunsch zu dieser Neigung. Wie bist du auf die Idee gekommen, die Petition zu starten?

Peter Schleußer: Ich habe sieben Jahre in Österreich gelebt. Als Computerspieler fällt dir schnell auf, dass dort einiges anders läuft als in Deutschland. Selbst bei uns indizierte Spiele kannst du als Erwachsener im Medienfachmarkt kaufen. Die Betonung liegt auf Erwachsener.

'Petition gegen Spieleverbot: Wie geht's weiter?' Screenshot 1

Könnte sich auch vorstellen, eine Partei zu gründen: Peter Schleußer, Initiator der Petition gegen das Verbot von Action-Spielen.

Ich habe oft mitbekommen, wie penibel die Verkäuferinnen auf Altersfreigaben achten. Wer sein Alter nicht nachweisen kann, bekommt das Spiel nicht. Da wird in Österreich streng drauf geachtet, wie beim Verkauf von Zigaretten und Alkohol. Eine Zensur bei der Erwachsenenunterhaltung findet nicht statt, in der Schweiz übrigens auch nicht. Als Deutscher im Ausland verfolgt man natürlich, was in der Heimat passiert. Die Diskussion um ein Verbot hab ich noch belächelt. Jetzt arbeite und lebe ich wieder in meiner Heimat und bin davon betroffen. Ich gehe dagegen an, weil ich aus Erfahrung weiß, dass es auch anders geht.

Eurogamer: Die Petition macht ja nun viel Arbeit, allein wegen der Interviews, die du ständig geben musstest. Bist du Beamter, sitzt du im Knast oder wie kannst dir so viel Zeit nehmen?

Peter Schleußer: Die Firma, in der ich arbeite, bietet auch einen 24-Stunden-Notdienst, geregelte Arbeitszeit kannst du da vergessen. Du siehst also, mir liegt einfach sehr viel an dem Thema.

Eurogamer: Du hast nur durch Zufall erfahren, dass die Petition tatsächlich online ist?

Peter Schleußer: Wenn du eine Petition einreichst, kann es drei Wochen und länger dauern, ehe sie online geht. Irgendwann schaust du nicht mehr jeden Tag nach. Du bekommst auch keine E-Mail, sondern einen Brief mit der Post. Meine Petition war schon fünf Tage online, als das Schreiben bei mir im Briefkasten lag. Ein Journalist von Golem.de hatte mich vorher mit einer Interviewanfrage informiert, da hatte die schon rund 30.000 Mitzeichner.

Eurogamer: Die Diskussion rund um das Thema Action-Spiele, ist das nur ein Generationskonflikt, geschürt von älteren Politikern?

Peter Schleußer: Man muss sehen, dass wir vor einem Generationskonflikt stehen, wie es ihn vorher noch nie gegeben hat. Ein Innenminister, der nach einem Amoklauf das erste mal einen fotorealistischen Ego-Shooter sieht, ist natürlich sehr erstaunt, wie echt alles aussieht. Ein 16-Jähriger hingegen weiß, dass das nur ein virtueller Raum, eine Simulation, schlicht und einfach ein Spiel ist. Unsere Jugend hat eine sehr gute Medienkompetenz, die trauen so schnell keinem Bild und keinem Video. Ich mache mir mehr Sorgen um die naive und staubige Medienkompetenz unserer Politiker.

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Kommentare: 1-18 von 18

Autor
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NinthShakazuma
17/08/09 @ 10:28
#1
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Schönes Interview. Wird nur keiner der angesprochenen lesen.

BTW: bundestag.de hatte letzte Woche einen Relaunch und dementsprechend ist das Bild von epetition.bundestag.de veraltet
Kain201
17/08/09 @ 10:29
#2
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Schönes Interview, bin mal gespannt wie das ausgeht.

Allerdings frage ich mich ob ein anders zusammengesetzter Bundestag wirklich besser ist für das Petitionsanliegen.
Edited 1 times, most recently on 17/08/09 @ 16:19
Longbow
17/08/09 @ 10:31
#3
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LAN-Party im Bundestag: Kanzlerin siegt mit zwei Headshots über Innenminister!
Die Antwort ist gut. :D
Edited 2 times, most recently on 17/08/09 @ 10:32
inthehouse
17/08/09 @ 11:20
#4
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N1
irkm
17/08/09 @ 11:41
#5
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Was mich wundert ist, dass nicht erwähnt wird, dass es schon eine Partei gibt die unter anderem auch gegen Zensur in
Computerspielen ist. Nämlich die Piratenpartei.

z.B hier im Wahlwerbestpot.
Kadaj
17/08/09 @ 12:19
#6
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lol n1
BathiBoi
17/08/09 @ 12:42
#7
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N1? blick ich net
Kristian staff
17/08/09 @ 12:44
#8
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n1 = nice
BathiBoi
17/08/09 @ 13:07
#9
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aaaha thx
TattooZett
17/08/09 @ 13:37
#10
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Sehr gutes Interview...hoffentlich bewirkt er etwas, wenn er im nächsten Jahr vor den Petitionsausschuss tritt. Wäre wünschenswert, damit wir nicht irgendwann alle kriminelle sind, weil wir Crysis 4 spielen...
Lorrn
17/08/09 @ 15:23
#11
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werd auf jedenfall mein X drunter setzen. die poltiiker gehen zZ voll ab, so viele wahlkampflügen ;) wie wollen die das jemals einhalten ?
noxe101
17/08/09 @ 16:16
#12
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Sehr schönes Interview, wirklich sehr schön!
Mich würd ja mal interessieren, wieviel Rückhalt eine Partei, die sich für die "Generation Computer" (oder so) stark macht, in der Bevölkerung haben würde.
--shady--
17/08/09 @ 16:52
#13
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peter schleußer FTW!!!...btw:*LAN-Party im Bundestag: Kanzlerin siegt mit zwei Headshots über Innenminister!*..lol..der war echt gut:-D
hulksta
17/08/09 @ 18:07
#14
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Ist auf jeden Fall ne tolle Sache das so viele sich an der Petition beteiligt haben.
Ich hoffe nur das diese mehr bringt, als die Petition gegen die Sperrung von Internetseiten.
Einfach über hunderttausend Menschen die dort mit gezeichnet haben hinwegzusehen, war schon sehr bedenklich.
Kann mir dadurch kaum vorstellen, das z.B. die Damen und Herren der CDU ihre ignorante Haltung Actionspiele gegenüber einfach aufgeben und sich mehr mit dem Thema befassen.
Die Hauptsache ist aber das wir uns zur Wehr gesetzt haben.
weigandwood
17/08/09 @ 19:37
#15
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sehr interessantes aber auch sehr amüsantes interview.. finde das schlusszitat: auch genial.. hoffentlich geht für uns gamer alles gut aus
Braincrack
17/08/09 @ 22:27
#16
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Jo sehr gutes Interview.

Das Sprechen bei der Regierung wird für ihn aber schwer, ich meine....Wie soll er ihnen die letzten 20 Jahre Fortschritt in 10 Minuten erklären, inkl. dem Wort "Fortschritt" ? :P
Neruk
17/08/09 @ 22:34
#17
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Vielen Dank für die Petition und die damit verbundene Arbeit die du dir damit machst! Ich weis das zu schätzen und denke das tun viele Leute aus unserer Generation
Mfg Neruk
skinless
18/08/09 @ 15:03
#18
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super interview!

Kommentare: 1-18 von 18

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