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Reanimiert

Als Resident Evil 5 vor ein paar Monaten veröffentlicht wurde, war einer der Hauptkritikpunkte derer, die Capcoms Afrika-Abenteuer nicht so wirklich toll fanden, dass Teil 5 überhaupt kein richtiges Resident Evil mehr sei. Nun, dieser Kritikpunkt wird sicherlich der letzte sein, mit dem sich dieses gerade erschienene Remake herumschlagen muss. Denn immerhin handelt es sich dabei um ein ebenso aufwendige wie gelungene Wiederaufbereitung des PSone-Urvaters der Reihe von 1996!

Erinnern wir uns doch einmal zurück... war es nicht ein magischer Moment, zum ersten Mal vorsichtig die detaillierten Räume und Flure des aufwändig vorgerenderten Herrenhauses zu erkunden? Und haben wir uns nicht alle vor Schreck fast in die Hosen gemacht, als zum ersten Mal die Zombie-Hunde durch die Fenster gesprungen sind? Und wer erinnert sich nicht an die erste Begegnung mit einem der gefürchteten Hunter? Ja, Resident Evil war eines der Spiele, die die damals noch junge PSone definierten, ein Titel, der deutlich machte, dass Videospiele nicht mehr länger nur als zuckerig-buntes Amüsement für den Nachwuchs wahrgenommen werden wollen. Ganz klar – wer 1996 gemeinsam mit Chris Redfield und Jill Valentine die üblen Machenschaften des Umbrella-Konzerns aufdeckte, der hat bis heute nur die schönsten Erinnerungen an den Klassiker.

Und daher stellt es natürlich eine ganz besondere Herausforderung dar, ein gelungenes Remake eines so wichtigen Titels zu basteln. Die Spieler verlangen von den Designern nicht mehr und nicht weniger, als dass sie in die Köpfe der Fans schauen und das Remake so programmieren, wie es in der mittlerweile natürlich stark verklärten Erinnerung der Fans aussieht. Klar, die Räume und Gänge des PSone-Originals sind bei genauer Betrachtung nicht sonderlich detailliert, die Polygonfiguren sind krude und steif. Aber in der kollektiven Erinnerung der Fans ist Resident Evil nach wie vor eines der atmosphärischsten und intensivsten Spielerlebnisse, die man je hatte.

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Die Kombination aus Polygonfiguren und Renderhintergründen sorgt für zeitlos schöne Figuren und Szenarien.

Also ist Sorgfalt angesagt. Veränderungen müssen behutsam und unaufdringlich erfolgen. An den damals eher peinlichen Dialogen muss gefeilt werden. Die Steuerung sollte verbessert werden, muss aber in den Grundzügen erhalten sein. Klassische Schockeffekte müssen um der Tradition willen beibehalten werden, gleichzeitig darf man dem Spieler aber nicht das Gefühl geben, alles schon zu kennen und sich auf sicherem Terrain zu befinden. Kurzum: So ein Remake ist eine extrem schwierige und oft genug auch undankbare Aufgabe. Aber wenn die Entwickler tatsächlich ein gutes Händchen beweisen, dann kann etwas ganz großes dabei herauskommen – und genau das war bei Resident Evil der Fall.

Das Remake-Horror-Haus ist groß, düster und gruselig. Draußen toben Blitze, die Bäume werfen ominöse Schatten auf das Mobiliar. Die Musik hält sich unheilvoll und bedeutungsschwanger im Hintergrund. Und immer wenn ihr denkt, ihr wisst Bescheid, wie es weitergeht, dann dreht euch einer der Designer eine lange Nase und platziert die Gegner an den unerwartetsten Stellen, baut ein neues Puzzle ein oder verändert einfach den Weg durch das Haus.

Egal ob ihr Veteran oder Resi-Neuling seid, für eine ordentliche Herausforderung ist das Spiel immer gut. Und die nimmt der Fan auch gerne an, konnte er noch nie zuvor durch ein so schönes Renderhaus laufen und sah seine Helden aus längst vergangenen PSone-Tagen nie zuvor so detailliert vor sich. Ein kleines Problem gibt es aber doch: All das, was ihr bisher gelesen habt, dreht sich um das Resident-Evil-Remake, das Capcom 2002 erstmals für den Nintendo Gamecube veröffentlicht hat. Und das ist mittlerweile gute sieben Jahre her...

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