Canis Canem Edit

Wer nicht zuschlägt, ist selber schuld!

An meinem ersten Schultag hab ich eine Zuckertüte bekommen. Sie war bis zum Rand mit Süßigkeiten und allerhand nützlichem Schulkram gefüllt. Nichts Aufregendes also. Jimmy Hopkins hat an seinem ersten Schultag auch etwas bekommen, nämlich eine Tüte Juckpulver, eine Steinschleuder und ein blaues Auge. Okay, ich war sechs und nicht 15, wie Jimmy. Und ich hatte auch das Glück, nicht auf einer Schule wie der Bullworth Academy gelandet zu sein. Aber ich war ja auch ein halbwegs normaler Schüler. Zumindest glaube ich das.

Rollentausch

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Graffiti-Schmierereien gehören noch zu den eher kleinen Lausbuben-Streichen.

Um es kurz zu machen: Das grundlegende Spielprinzip von Canis Canem Edit ist mehr oder minder mit dem der Grand Theft Auto-Games identisch. In der Rolle des Schul-Rowdies Jimmy Hopkins müsst Ihr Lehrern und Schülern kleine, wie auch große Gefälligkeiten erweisen. Dabei genießt Ihr absolute Handlungs- und Bewegungsfreiheit. Und das ist auch gut so. Soll Jimmy das Schuljahr überleben – das ist das Ziel des Action-Adventures – muss man nämlich gut zu Fuß sein und eine gewisse Kreativität und Skrupellosigkeit mitbringen. "Erledigt die Aufgabe": Das hört sich zugegeben nicht sonderlich spannend an, wer aber die GTA-Serie kennt, der weiß, dass die Story-Missionen verdammt abwechslungsreich sind und nur einen kleinen Teil des gesamten Spiels ausmachen. Auf der Bullworth, sowie in der angrenzenden Kleinstadt New Coventry gibt es nicht nur unheimlich viel zu entdecken, sondern auch unheimlich viel auszuhecken.

Grand Theft Bicycle

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In der Bücherei hat sich eine Mäusefamilie eingenistet. Was sie vergessen haben: Wer keine Miete zahlt, muss raus!

Ist Canis Canem Edit nun einfach ein weiterer GTA-Klon? Nein, sicherlich nicht. Das grundlegende Spielprinzip ist ja nicht alles. Der Spassfaktor steht hier im Vordergrund. Außerdem besitzt das Action-Adventure einen ganz eigenen Charakter. Rockstar hat nicht einfach Mafiosi gegen Schulhofschläger, Autos gegen Fahrräder und "Stehle die Drogen" gegen "Stehle die Süßigkeiten"-Missionen ausgetauscht. Die Charaktere und Aufträge sind auf das Setting abgestimmt. Dafür haben die Entwickler ganz tief in der Stereotypen-Schublade gewühlt. Auf dem Internat tummeln sich halbstarke Schulhofschläger, neunmalkluge Oberstreber, unterbelichtete Sportskanonen, schmierige Rocker und noch schmierigere Snobs.

Die Lehrerschaft ist aber auch nicht ohne. Sie lieben es ihre Schüler bloß zu stellen. Manche haben auch ein kleines Alkoholproblem oder schnüffeln gerne mal an dem Höschen einer Schülerin. Und genau da kommt Jimmy ins Spiel: Er ist es, der für den Sportlehrer Mr. Burton die Slips aus dem Mädchenschlafsaal stiehlt. Er ist es, der die Schnapsflaschen des Englischlehrers Mr. Galloway versteckt. Er ist es, der für die potthässliche Köchin Edna Parfüm, Schokolade und Beruhigungsmittel besorgt, damit ihr Date mit dem kahlköpfigen Dr. Watts problemlos über die Bühne geht.

Natural Born Rotzlöffel

Natürlich ist sich Jimmy auch nicht zu schade, wenn es darum geht, böse Streiche zu spielen und anderen Schülern einen Denkzettel zu verpassen. Da wäre beispielsweise die Sache mit der Hundkacke in der brennenden Papiertüte vor der Tür des Lehrerzimmers. Oder dieser Chinaböller im Jungenklo. Und dieser dicke Streber, den Jimmy in den schmalen Schulspind gesperrt hat. Diese Aktionen mögen sich nach kindischen Albereien anhören, vielleicht sind sie auch ein wenig fies. Aber trotzdem – oder gerade deswegen – macht es verdammt viel Spaß, seine Mitschüler mit Stinkbomben, Backpfeifen und dergleichen zu terrorisieren.

Die Missionen und Missetaten machen nicht nur Laune, sie werden auch belohnt. Zum einen gibt’s für jede erledigte Aufgabe ein paar Dollar, zum anderen wird Jimmy von seinen Mitschülern Respekt entgegengebracht – auch Hass und Angst sind eine Form von Respekt. Ab und an erhält man auch ein spezielles Goodie, wie etwa ein Skateboard oder die Flaschenraketen-Kanone der Nerds. Mit dieser seltsamen Kreuzung aus Silikonspritze, Pistole und Feuerwerkskörper schießt Ihr Silvesterraketen auf Eure Gegner – eine wahrlich zündende Erfindung.

Auge um Auge

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Rasen mähen und Schnee schippen sind besonders häufig aufgebrummte Strafarbeiten.

Das GTA-Spielprinzip dient zwar als Basis, wurde jedoch nicht 1:1 übernommen. Rockstar Vancouver hat das Gameplay-Schema mit einigen neuen Elementen aufgepeppt. So ist der Tagesablauf auf der Bullworth geregelt: Um 8:00 Uhr klingelt der Wecker, der erste Unterrichtsblock beginnt um 9:30 Uhr, der zweite um 14:30 Uhr. Davor, während der Mittagspause und danach hat man Zeit, sich um die Missionen zu kümmern – theoretisch. Es ist nämlich auch drin, die Lehrveranstaltungen zu schwänzen und sein eigenes Ding zu drehen.

Allerdings darf sich Hopkins dabei nicht von den Präfekten erwischen lassen. Die schleifen Euch wieder zurück ins Klassenzimmer oder zu Direktor Crabblesnitch. Dort gibt’s dann entweder eine Verwarnung oder eine Strafarbeit. Gerade wenn jüngere Schüler und Mädchen Opfer von körperlicher Gewalt werden, kennt die Obrigkeit der Bullworth kein Pardon. Ansonsten ist man bei Streiche und Prügeleien auf dem Internat nicht so streng – sie gehören quasi zum Schulalltag.

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