Justice League Heroes

Erst Tiefflieger, dann Super-Helden

Eigentlich mag ich ja mittlerweile die Kostumträger aus dem Hause Marvel lieber. Und bis auf wenige rühmliche Ausnahmen sind Comic-Versoftungen im Normallfall der größte Rotz. Trotzdem hat mich dieser Test sehr gereizt. Immerhin bewiesen die Entwickler von den Snowblind Studios schon mit dem launigen Hack´n´Slay Baldur´s Gate: Dark Alliance ihr Können. Den Titel erwähne ich übrigens bewusst, denn in Sachen Engine und grundsätzliches Gameplay gibt es viele Ähnlichkeiten zum neuen Werk des Teams.

Thematisch sind die Unterschiede natürlich größer. Schließlich steht hier der glorreiche Heldenverbund Justice League von DC im Mittelpunkt. Und der ist durchaus prominent besetzt: Zu den sieben Mitgliedern gehören beispielsweise der mächtige Mann aus Stahl - Superman, der lebende Turbo Flash, die Prinzessin mit dem Lasso (Wonder Woman) und der zwar unspektakulär bestückte, aber überaus beliebte Batman (im Spiel vertont von Ron Perlman). Eingebettet in eine Story von Dwayne McDuffie muss sich die Gang zahlreichen kleinen und großen Gegnern, sowie im großen Finale einem ominösen Superschurken stellen, der (wie könnte es anders sein?) finstere Pläne verfolgt.

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Netter Hingucker – die Effekte und das Kostüm der Queen of Magic.

Ihr stürzt Euch entweder mit einem menschlichen Partner oder als Solist in den Kampf. Allerdings sind die Scharmützel immer ein „Fall für Zwei“. Bestreitet Ihr Justice League Heroes alleine, übernimmt die CPU den zweiten Charakter, was mal gut, mal weniger gut funktioniert. In den Fights zeigt sich Euer Partner durchaus geschickt. Andererseits scheint er gelegentlich unter Wegfindungsproblemen zu leiden, killt sich in kniffligen Abschnitten selbst (so passiert bei einer mobilen Feuerwand) oder drischt munter auf tote Gegenstände ein. Übrigens: Ihr könnt jederzeit zwischen den Protagonisten wechseln, und in der Welt der Helden ist selbst der Tod kein größeres Problem. Kommt ein Kollege im Kampf oder wegen eigener Dummheit um, lauft oder fliegt Ihr einfach zum letzten Checkpoint zurück und erweckt ihn dort wieder zum Leben.

Zu Beginn des Spiels habt Ihr keinen Einfluss auf die Auswahl Eures "dynamischen Duos". In späteren Levels dürft Ihr jedoch frei wählen, wer Euch durch den nächsten Abschnitt begleiten soll. Los geht alles mit Superman und Batman, die in Metropolis den Amoklauf einiger Militärroboter stoppen müssen. Neben normalen Schlägen und Kombos, greift Ihr auf die jeweiligen Spezialfähigkeiten der beiden Helden zurück. Beispielsweise röstet der Stählerne die Blechbüchsen mit seinem Hitzestrahl, macht sie mit einem Superpunch dem Erdboden gleich oder bringt sie mit eisigem Odem unter die passende Betriebstemperatur. Batman hingegen setzt eher auf seine Martial-Arts-Künste, nutzt Gadgets, wie den legendären Batarang und ruft seine ganz besonderen Freunde, die Fledermäuse, zur Unterstützung herbei.

Während die blechernen Gesellen und die Rettung diverser Zivilisten keine allzu große Hürde darstellen, stoßt Ihr im Labortrakt auf regen Widerstand. Rege im Sinne des Wortes, denn die Metallspinne heizt Euch nicht nur mit ihrem Feueratem mächtig ein, sondern bewegt sich überaus flink und wendig. Zudem müsst Ihr an bestimmten Stellen diverse Codes unter Zeitdruck eingeben, um in den nächsten Abschnitt zu gelangen. Leider eine mäßig spannende Aufgabe, die wohl mehr Abwechslung in das Geschehen bringen soll. Wesentlich packender sind da schon die verschiedenen Bosskämpfe. In diesem Sektor wartet etwa ein Showdown mit Brainiac (oder doch nur einem seiner Doubles?) auf das Gespann.

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Aquaman ist einer der Bonus-Charaktere.

Kurz darauf steht ein Rollentausch an und es geht mit dem Martian Manhunter J´onn J´onzz und der "leckeren" Queen of Magic Zatanna weiter. Allerdings mit etwas Unmut, denn obwohl sich der Schauplatz ändert, ist es wieder der gewohnte Einheitsbrei – allerlei Blechkameraden plätten und Menschen in Sicherheit bringen. Zum Glück legt sich diese Wiederholungsanfälligkeit schnell und man trifft wenig später auf neue (End-)Gegner, wie die Queen Bee, die in einer schicken, riesigen Wabe haust. In den folgenden Episoden sichern sich die Teams Green Lantern/Flash, Wonder Woman/Zatanna und Superman/Manhunter einen Teil der Action, bevor dann endlich individuell zusammengestellte Teams die Heldenbühne betreten.

Ab diesem Punkt zieht die Qualität in fast jedem Punkt dramatisch an. Die grafische Güte (der Weltraumabschnitt ist ein Traum!) und der Aufbau der Levels gewinnen an Klasse, die Ereignisse überschlagen sich förmlich und man kann das Pad kaum noch aus der Hand legen, weil man unbedingt wissen will, wie es weiter geht. Insgesamt hat Justice League Heroes trotzdem viel zu viel Leerlauf: Die Standardgegner sind öde, die seltenen Rätsel lassen Anspruch vermissen und es läuft es fast immer darauf hinaus, einfach nur vom Anfang eines Levels zum Ende zu kommen, um dort den jeweiligen Obermotz zu besiegen. Immerhin können die Charaktere aufgelevelt werden, und feine Extras warten auf ihren Erwerb. Wer im Spiel eifrig bestimmte Symbole aufsammelt, darf alternative Kostüme und zusätzliche Helden (Aquaman, Hawkgirl etc.) kaufen.

Speziell Anhänger der Vorlage werden viel Freude mit Justice League Heroes haben. Die Story würde sich auch in einem Comic der Serie gut machen, wobei diese erst mäßig anfängt und dann später richtig abhebt. Nicht zu vergessen die diversen Extras, die jedes Fanherz höher schlagen lassen. Otto-Normalspieler hingegen wird nicht ganz so begeistert sein. Die verschiedenen Superkräfte sorgen zwar für Abwechslung, doch im Prinzip ist das Gameplay zu eindimensional, sind die meisten Levels zu unspektakulär aufgebaut. Mehr Kreativität bei den Standardgegnern hätte zudem nicht geschadet, und die "Code unter Zeitdruck eingeben"-Aufgaben wirken aufgesetzt. Technisch gibt es dafür wenig zu kritteln. Zwar ist die Engine angestaubt und stellt das Geschehen nicht immer flüssig dar, aber in einigen Abschnitten entfaltet sie ihr ganzes Potential und verwöhnt mit allerlei schicken Effekten. Musikalische Untermalung und (englische) Sprachausgabe lassen sich zudem bis auf den lahmen Superman-Sprecher, sowie die nervige Wiederholungsanfälligkeit der Standardsamples hören. Somit ist Justice League Heroes ein leckerer Heldeneintopf, dem nur etwas die Würze fehlt, um durchgängig zu munden.

7 / 10

Die Helden der Justice League warten bereits im Laden auf Euch – für Gameboy Advanced, Playstation 2, PSP, Nintendo DS und Xbox.

Unsere Wertungsphilosophie Justice League Heroes Marco Marzinkowski Erst Tiefflieger, dann Super-Helden 2006-11-30T13:05:00+01:00 7 10

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