Medal of Honor Airborne

Absprung geschafft!

Nicht schon wieder! Nicht schon wieder ein Ego-Shooter, der uns in die Wogen des Zweiten Weltkrieges wirft und nicht schon wieder Medal of Honor. Erstens kann ich das Thema nicht mehr sehen und zweitens ist die Serie wohl das beste Beispiel für ein ausgelutschtes Franchise, das seine Fans durch gepflegte Langeweile quält. Immer die gleichen Szenarien, immer das gleiche innovationsarme Geballer und immer das gleiche schlauchartige Leveldesign, das jedes Gefühl spielerischer Freiheit schon im Keim erstickt.

Mittlerweile hat die Serie acht Jahre auf dem Buckel, doch der Respekt vor dem Alter hat seine Grenzen – es kann sich schließlich nicht jeder auf seinen Lorbeeren ausruhen. Auf der PlayStation absolut famos, zuckte die ehemalige Vorzeige-Serie mit dem Frontline-Teil für die nächste Konsolengeneration ein letztes Mal auf, um mit den Nachfolgern anschließend dank erzkonservativem Gameplay in der spielerischen Belanglosigkeit zu versinken. Die Fließbandproduktion zeigte Spuren. Doch jetzt soll alles anders werden, verspricht man reumütig. Ja, sicher, das hört man des Öfteren und fast nie ist ein Wort Wahres dran. Doch manchmal, wenn auch äußerst selten, wird wirklich alles anders. Na ja, vielleicht nicht alles, aber einiges.

Schließlich ist der zweite Weltkrieg leider ein etwas unflexibles Szenario. Wohl auch der Grund, warum wir immer und immer wieder in der Normandie landen oder Pearl Habour verteidigen. Doch Medal of Honour Airborne setzt auf bisher eher unverbrauchte und doch berühmte Kriegsschauplätze in Frankreich, Italien, Holland und Germanien.

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Frischer Wind im Ego-Shooter-Genre: Dank Absprung mit dem Fallschirm!

Die Schlacht um die hart umkämpfte Brücke von Nimwegen oder der Angriff auf eine Panzerfabrik in Essen wirken richtig erfrischend. Jedenfalls solange, bis die Schlacht dann doch wieder in der Normandie ausgetragen wird – diesmal allerdings aus Sicht der Artillerie. Soweit also nur bedingt Neuigkeiten von der Ego-Shooter-Front! Mangels Alternativen quasi!

Allerdings beginnt jeder der insgesamt sechs geschichtsträchtigen Einsätze nicht wie bei der Konkurrenz Marke Call of Duty oder Brothers in Arms auf dem Boden der Tatsachen, sondern in luftiger Höhe, an Board einer klapprigen C-47. Den Kameraden der 82. Airborne Division steht die Angst ins Gesicht geschrieben. Der Wahnsinn blitzt in ihren geweiteten Pupillen, die Kameraden schreien sich Mut zu, bevor es heißt: „Klar machen zum Absprung“ und sich die Fallschirmjäger furchtlos in die Tiefe stürzen. Operation Husky hat begonnen - die Landung der Alliierten auf Sizilien und der Anfang des berühmten Italien-Feldzuges.

Die tagsüber strahlende Schönheit der Insel ist in ein tiefschwarzes Gewand getaucht. Im Schutze der Dunkelheit feuern die Flugabwehrraketen ihre Stakkato-artigen Salven in den Himmel, unterstützend von gleißend hellen Scheinwerfern, die nach feindlichen Bombern suchen. Eine Überdosis Adrenalin pumpt sich durch meine Adern, das Herz schlägt bis zum Hals. Nerven bewahren! Der Fallschirm öffnet sich. Jetzt ist die Chance da, die Lage aus der Luft sondieren. Krauts sind als unscheinbare kleine Punkte am Boden auszumachen und werden langsam größer. Immer bedrohlicher! Der Hall tödlicher Gewehrsalven schallt durch das mediterrane Dorf Adanti. Ich muss mich für einen Landeplatz entscheiden.

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Talentierte Scharfschützen haben auf der Brücke in Nimwegen klare Vorteile.

Grüner Rauch markiert sicheres Terrain. Oder doch besser die Landung auf einem der Hausdächer, Gefahr laufend, sich dadurch zur Zielscheibe zu machen. Oder schwebe ich lautlos hinter den feindlichen Linien hinab und falle den Deutschen in den Rücken? Die nervenaufreibende Inszenierung und der spannungsgeladene Auftakt jeder Mission ist doppeltes Mittel zum Zweck, zur Schaffung einer beklemmenden Atmosphäre und zum Aufbrechen des linearen Leveldesigns, das an den Vorgängern heftig kritisiert wurde.

Dank des Fallschirms ist eine Landung nahezu überall möglich. Später gibt es für das Auffinden und Landen in speziellen Absprungzonen sogar spezielle Flügelauszeichnen und erhöht die Langzeitmotivation. Je nach Landung, die man übrigens gern mal verpatzt, entwickelt sich die Schlacht am Boden recht unterschiedlich und erfordert eine differenzierte Taktik. Taktik? Ein absolutes Novum in der Medal of Honor-Serie. Dabei haben wir uns ein offenes Schlachtfeld und alternative Angriffsrouten schon immer gewünscht und Airborne lässt diesen Traum “fast“ wahr werden, je nach Szenario.

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