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Tomb Raider: Anniversary

Klassiker im modernen Dress

So etwas gab es so vorher noch nie. Als Toby Gard 1994 Lara Croft virtuelles Leben einhauchte, hätte er wohl nicht mit einem solchen Rummel gerechnet, den seine forsche Archäologin auslöste. Zwei Jahre später bestritt die in vielerlei Hinsicht gut bestückte Dame ihr erstes Abenteuer und verwandelte sich quasi über Nacht zum Shooting Star der Videospielbranche. Die weibliche Heldin zierte Magazincover und stand im Mittelpunkt vieler Artikel. Für entsprechende Zwecke engagierte Models waren auf Messen zu sehen, stellten Produkte vor oder machten einfach nur Werbung für das Spiel.

Zweifelsfrei erfolgreiche Bemühungen, wie sich mittlerweile herausgestellt hat. Lara war in aller Munde und der erste Teil ihrer Erlebnisse erfreute sich großer Popularität. Die nach mehr verlangenden Fans wurden in den folgenden vier Jahren durch ebenso viele Fortsetzungen bedient. Für den nächsten Teil, The Angel of Darkness, ließ man sich aber anschließend ganze vier Jahre Zeit, denn bereits bei den Vorgängern war ein leichter qualitativer Abwärtstrend auszumachen.

The Angel of Darkness sollte deshalb der Serie wieder einen Schub nach vorne verpassen, jedoch erreichte Core Design das genaue Gegenteil. Höchst durchschnittliche Wertungen sorgten dafür, dass irgendwie alle erstmal genug von einer Lara hatten, die sich spielerisch immer mehr von ihrem ursprünglichen Abenteuer entfernte. Dieses fast schon desaströse Ergebnis veranlasste auch den Publisher zum Handeln. Eidos entzog Core Design die Verantwortung für sein erfolgreiches Zugpferd und reichte sie an Crystal Dynamics weiter. Das Team aus San Francisco hatte sich im Vorfeld bereits durch Spiele wie Legacy of Kain und Pandemonium einen guten Ruf erarbeitet.

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Den Wet-T-Shirt-Contest hat Lara schon gewonnen.

Eben jene Entscheidung erwies sich drei Jahre später als gut durchdacht. Dank Tomb Raider: Legend gelang Lara ein furioses und von Lobeshymnen begleitetes Comeback. Da erscheint eine gebührende Feier des zehnjährigen Jubiläum nur logisch. Nach einigen Monaten Verspätung (Tomb Raider erschien am 31. Oktober 1996) steht nun mit Anniversary das passende Remake in den Läden. Und was soll man sagen? Es ist ein verdammt Gutes!

In Sachen Story hat Tomb Raider: Anniversary die wenigsten Änderungen auf Lager. Lara wird von einer Konzerncheffin beauftragt, das Artefakt Scion aufzuspüren. Dessen Teile sind rund um den Globus – unter anderem in Griechenland, Peru sowie Ägypten – verstreut und stehen im Zusammenhang mit der sagenumwobenen versunkenen Stadt Atlantis. Klingt für Lara nach Routine, allerdings ist ihre Auftraggeberin nicht ganz so freundlich gesinnt, wie es zunächst den Anschein erweckt. Sie schickt nämlich ihre eigenen Handlanger los, damit diese sämtliche Teile des Artefakts in ihren Besitz bringen. Es versteht sich von selbst, dass dies Lady Croft gewaltig gegen den Strich geht. Vor allem im Hinblick auf die unglaubliche Macht des Scions, die sich erst nach Kombination aller Einzelstücke entfaltet, erscheint Lara ein Eingriff ihrerseits bitter nötig.

Aus alt mach neu

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Bei dem Mundgeruch würde jeder so schnell wie möglich rennen.

Tomb Raider: Anniversary ist jedoch alles andere als eine 1:1 Umsetzung des Originals. Crystal Dynamics nahm zwar die damals verwendeten Schauplätze, Grundrisse und Rätsellastigkeit als Vorbild, aber letztendlich bemerkt man gleich in den ersten Minuten einen deutlichen Fortschritt. Erfreulicherweise orientiert sich Anniversary zudem eher weniger in Richtung Action. Genau gesagt: Statt Schießereien stehen wieder wilde Kletterpartien in schwindelerregenden Höhen, fordernde Denkaufgaben und knifflige Geschicklichkeitstests im Vordergrund des Spielerlebnisses. In der durchaus vertrauten Umgebung gibt es also selbst nach 10 Jahren allerlei Neues zu entdecken. Umfassende Rätsel erfordern den ständigen Einsatz Eurer grauen Zellen – so etwas schaffte schon länger kein Actiontitel mehr. In dem Zusammenhang sei noch die fehlende freie Speicherfunktion bemängelt. Euren Fortschritt sichert das Spiel allerdings an großzügig verteilten Kontrollpunkten. Der eine oder andere davon hätte noch etwas besser platziert werden können, aber die klare Mehrheit erwartet Euch in äußerst fairen Abständen.

Das Design der Knobeleien und sämtliche Bewegungen von Lara sind eher an Legend angelehnt. Im Vergleich dazu hat sie jedoch einige weitere Manöver hinzugelernt. Unsere liebste Archäologin kann nun etwa auf Pfählen balancieren und per Greifhaken nicht mehr nur durch die Gegend schwingen, sondern neuerdings sogar an Wänden entlang laufen. Voraussetzung dafür sind logischerweise spezielle Objekte, an denen sich das gute Stück befestigen lässt. Aus dem Repertoire entfernt wurden hingegen das Fernglas (gab Tipps zu Rätseln) sowie Laras Taschenlampe aus dem Vorgänger.

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