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Wii Sports

Ein sportliches Vergnügen

Wii Sports liegt kostenlos jedem Wii bei. Eigentlich ein Grund, das Spiel nicht zu testen - schließlich bekommt's ja sowieso jeder, der sich die Konsole kauft. Wozu also die Mühe machen, einen Artikel darüber zu schreiben? Nun, wie wäre es mit: Weil es verdammt viel Spaß macht? Wii Sports ist nämlich vielleicht das perfekte Spiel, um die Vorzüge von Wii gegenüber seinen Konkurrenten zu demonstrieren. Und das, obwohl es ein paar kleine Macken hat. Wir gehen die fünf Disziplinen eine nach der anderen durch.

Baseball

baseball

Ihr kennt die Regeln nicht und findet Baseball im Grunde ziemlich langweilig? Macht nichts: Bei Wii Sports macht es sogar Menschen Spaß, die diese Sportart sonst verabscheuen - und Ihr braucht Euch nicht einmal darum zu kümmern, was auf dem Feld so vor sich geht. Nintendo hat Baseball hier nämlich auf seine beiden simpelsten Elemente zurückgeschraubt: Werfen und Schlagen.

Sprich: Ein Spieler schlüpft in die Rolle des Pitchers mit dem Ball in der Hand, der andere (oder die KI, wenn Ihr alleine vor der Konsole steht) verkörpert den Batter, der mit seinem Schläger den Ball ins Feld schlagen muss. Trifft er, rennt das gegnerische Team dem Ball hinterher, während der Batter von Base zu Base läuft - beides passiert vollkommen automatisch. Hört sich sehr simpel an, erlaubt gleichzeitig aber die volle Konzentration auf besagtes Schlagen und Werfen.

Und das funktioniert ganz ausgezeichnet: Die Wiimote registriert als Schläger wirklich jede noch so kleine Bewegung ohne spürbare Verzögerung, beim Werfen sind Variationen wie schnelle oder angeschnittene Bälle erlaubt. Kurz gesagt: Baseball fühlt sich verdammt echt an. Bis hin zum Muskelkater in der Schulter, wenn man es mal übertrieben hat.

8/10

Bowling

bowling

Auch Bowling zählt in unseren Gefilden nicht unbedingt zu den populärsten Sportarten, zumindest gekegelt hat aber wahrscheinlich fast jeder schon einmal. Bei Bowling gibt's halt zehn statt neun Kegeln, die Bahn ist überall gleich breit, die Kugeln haben Löcher und gezählt wird ein wenig anders. Aber was spielt das schon für eine Rolle? Kugel greifen, nach vorne schleudern; ist ja nicht wirklich schwierig.

Wii Sports setzt Bowling nahezu perfekt um: Während Euer virtuelles Alter Ego Anlauf nimmt, vollführt Ihr mit der Wiimote eine Wurfbewegung wie bei einer echten Bowlingpartie. Das Spiel registriert sogar, ob Ihr die Kugel sanft über die Bahn rollt - oder sie aus halber Höhe wegwerft. Objektive Beobachtungen verraten mir, dass diese Technik besonders bei Frauen äußerst beliebt ist. Sehr realitätsnah also. Profis können der Kugel durch Drehen der Wiimote außerdem Effet verleihen, was sich nach kurzer Eingewöhnungszeit ebenfalls äußerst natürlich anfühlt.

Bei Bowling bleibt eigentlich kein Wunsch offen.

9/10

Boxen

In der Theorie scheint Boxen wie für den Wii gemacht: Ihr nehmt den Nunchuk in die linke, die Wiimote in die rechte Hand und beide verschmelzen dann gewissermaßen mit Euch. Bewegt Ihr den linken Arm nach vorne, schlägt Euer Charakter eine linke Gerade, haltet Ihr die Hände vor das Gesicht, deckt Ihr Euren Kopf, und so weiter und so fort. Auch Schlagvarianten wie Aufwärtshaken sind möglich, indem Ihr den Controller von unten nach oben bewegt. Genauso könnt Ihr Angriffen ausweichen, wenn Ihr Euch zur Seite neigt.

Leider läuft das Ganze in der Praxis alles andere als glatt: Manchmal erkennt das Spiel Eure Schläge nicht richtig, hin und wieder scheint der Gegner auch durch die Deckung hindurch Treffer landen zu können - und überhaupt lässt sich mit blindem Herumgefuchtel meistens mehr erreichen, als mit etwas, das an Taktik erinnern könnte.

Boxen ist daher mit Abstand das Schlechteste, was Wii Sports zu bieten hat. Die Schuld daran ist allerdings nicht bei der Konsole zu suchen, sondern eher bei der schlampigen Programmierung. Box-Fans sollten auf eine Umsetzung von Fight Night hoffen.

3/10

Golf

golf

Die größte Überraschung von Wii Sports ist ganz eindeutig Golf, das wie Baseball und Boxen der Realität schon sehr nahe kommt. Ihr stellt Euch dabei seitlich zum Fernseher und schwingt Eure Wiimote wie einen Golfschläger: Ausholen, schlagen und ordentlich durchschwingen, nicht zu vergessen. Hauptaugenmerk liegt - anders als bei Baseball - nicht auf dem richtigen Timing, sondern auf Eurem Geschwindigkeitsgefühl. Wenn Ihr zu langsam schlagt, fliegt der Ball nicht weit genug. Wenn Ihr zu kräftig schlagt, verzieht Ihr und der Ball landet im Gebüsch.

Bevor Ihr tatsächlich Euren Schlag wagt, dürft Ihr risikolos Probe schlagen, um das richtige Gefühl für die Distanz zu bekommen. Etwas schwieriger gestaltet sich das Putten auf dem Grün, wenn Feingefühl gefragt ist. Bei kleineren Entfernungen hat das Programm anscheinend leichte Probleme. Nach zwei, drei Runden habt Ihr Euch daran aber gewöhnt.

Schade ist deshalb lediglich, dass es gerade einmal neun Löcher gibt; drei pro Schwierigkeitsstufe. Experten mögen außerdem die ähnlich begrenzte Schlägerauswahl monieren, was aber kaum ins Gewicht fällt.

8/10

Tennis

tennis

Dafür, dass Tennis die Paradedisziplin von Wii Sports sein sollte, sind die ersten Spielminuten ziemlich enttäuschend - vor allem, dass es keine Einzelspiele gibt, ist unglücklich. Warum nur Doppels möglich sind, erschließt sich mir jedenfalls nicht. Auch die Steuerung ist „nur" okay, aber keinesfalls brillant. Zwar erkennt das Spiel, ob Ihr einen Ball flach oder als Lob spielen wollt, wenn Ihr von unten oder von oben schlagt. Doch ausgerechnet die Richtung könnt Ihr so nicht bestimmen; ganz egal, wie Ihr die Wiimote als Schlägerersatz auch dreht und wendet. Abhängig ist die Richtung ausschließlich von dem Zeitpunkt, zu dem Ihr den Ball trefft. Sehr irritierend.

Schade ist außerdem, dass die Spieler von alleine laufen und es nicht einmal verschiedene Bodenbeläge gibt: Ihr dürft nur auf Gras spielen und zwar nicht einmal ganze Sätze. Best of One, Best of Three und Best of Five stehen zur Auswahl. Das ist schon arg wenig.

Spaß macht Tennis dennoch, wenn man sich erst einmal damit abgefunden hat, dass die Steuerung zwar funktioniert - aber gerade das so wichtige Vorgeben der Schlagrichtung nicht direkt beeinflusst werden kann.

6/10

Was es sonst noch gibt

Selbstverständlich könnt Ihr nicht nur alleine gegen die KI oder mit bis zu drei menschlichen Gegnern spielen, sondern auch Trainingseinheiten absolvieren. Für jede Sportart gibt es drei verschiedene Herausforderungen, in denen Ihr Euch Medaillen als Belohnungen erarbeitet. Beim Golf beispielsweise müsst Ihr eine weit entfernte Punktescheibe präzise mit dem Ball treffen, beim Boxen wiederum möglichst viele Sandsäcke in einer vorgegeben Zeit zerschlagen.

Wie bei Brain Age auf dem Nintendo DS dürft Ihr des weiteren täglich Eure Fitness auf die Probe stellen. Anhand dreier aus dem Training bekannten Übungen ermittelt das Spiel dann Euer Fitnessalter, was zu Beginn recht deprimierend sein kann. Von 68 Jahren am ersten Tag bin ich mittlerweile immerhin bei akzeptablen 27 angekommen.

Grafisch ist Wii Sports, nun ja, zweckmäßig. Das liegt insbesondere daran, dass Ihr alles mit Euren selbst erstellten Miis spielt, die nicht gerade einen Augenweide sind. Aber ganz ehrlich: Beim Spielen habt Ihr ohnehin Besseres zu tun, als auf Euren Charakter oder die Umgebung zu achten. Als richtig cool stellt sich übrigens der Lautsprecher in der Wiimote heraus, der Euch ein akustisches Feedback gibt, wenn Ihr etwa einen Ball getroffen habt. Das trägt unterbewusst sehr viel zur Atmosphäre bei.

Noch ein letztes Wort zur Steuerung: Ich bin beim Schreiben des Tests davon ausgegangen, dass man vor der Konsole steht und die Bewegungen wirklich so ausführt, wie es das Spiel will. Tatsächlich ist es ebenso möglich, bequem auf dem Sofa zu sitzen und nur leicht mit dem Handgelenk zu wackeln. Das Ergebnis ist ähnlich, der Spaßfaktor hält sich aber in Grenzen.

Wii Sports eine Zahl aufzudrücken, ist gar nicht so leicht. Auf der einen Seite lässt der Umfang der einzelnen Sportarten doch arg zu wünschen übrig. Auf der anderen Seite liegt es der Konsole eben „kostenlos" bei und soll gar nicht viel mehr als eine Tech-Demo sein. Das Wichtigste aber ist: Es macht Lust auf mehr. Ich jedenfalls kann es jetzt kaum erwarten, Mario Tennis, Mario Golf, Mario Baseball - oder vergleichbare Titel - für Wii zu bekommen. Bis dahin verkürzt Wii Sports die Wartezeit doch sehr angenehm.

8 / 10

Wii Sports Fabian Walden Ein sportliches Vergnügen 2006-12-11T15:34:00+01:00 8 10
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