Rock Revolution

Rock'N'Renn!

Früher war Rock´n´Roll Rebellion, große Show und gute Musik. Heute ist es Rock´n´Roll, wenn Ihr auf der Party Euer Bier über die Anlage auskippt, dann vor die Füße des Gastgebers vomiert, die Arme hochreißt, „ROCK´N´ROLL!!“ ruft und die Performance mit einem simulierten Koma abrundet. Mit anderen Worten: Eine Ausrede für so richtig schlechtes Danebenbenehmen. Und in diesem Sinne ist Rock Revolution echtes Rock´n´Roll. Und ich meine das wirklich in keinem guten Sinne.

Dabei kommt das doch von Konami. Die haben vor zehn Jahren das Genre praktisch erfunden. Sie bastelten Guitar Freaks und Drum Mania. Für ihre Zeit und als erste überhaupt waren die großartig. Schon danach verließ die Japaner allerdings der Geschäftssinn. Statt die Revolution in die Welt zu tragen, beschloss man in irgendeinem fehlgeleiteten Marketingmeeting, dass die Welt nicht bereit sei. Nun, der Rest ist Geschichte, Harmonix – dort damals für Beatmania und DDR zuständig – wechselte Land und Lager und veranstaltete eine echte Revolution. Und wenn wir schon beim Wort Revolution sind: Wer zu spät kommt, den bestraft die Konkurrenz.

Rock Revolution wirkt schon den ersten Blick wie ein Relikt vergangener Tage. Ein uninspiriertes, dröges Menü präsentiert Euch in keiner Weise den überhypten Psychedelic-Overkill der Heroes und Bands, sondern einfach nur das, was es ist: Ein langweiliges Menü. Das Konzept zieht sich durch alle Bereiche.

Rock Revolution - Trailer

Es gibt eine Charaktererschaffung, sie geht aber kaum über Guitar Hero 2 hinaus. Ein Publikum steht vor der Bühne und es besteht aus tausend lobotomisierten Zombies, die unisono den Arm schwenken. Ein paar Typen stehen auf der Bühne und sie scheinen sich das erste Mal vor fünf Minuten getroffen zu haben, so viel Bandchemie gibt es da.

Nun, Grafik ist nicht alles, hier ist sowieso der Sound wichtig - und da passt ebenfalls gar nichts. Nein, stimmt nicht. Die Songauswahl glänzt bei 40 Tracks zwar nicht mit Quantität, die Qualität rockt aber vor dem Herrn. Ein so kompaktes, wohlausgesuchtes und rundes Ensemble echter Songgrößen gibt es nur selten. Hier lernt Ihr keine neuen Bands kennen, in denen der kleine Bruder des Programmierers nach seinem Talent sucht, hier werden Anthems geboten. Still of the Night, The End of Heartache, All the small Things!, Spirit of Radio, Last Resort, We’re not gonna take it!. Selbst wenn man persönlich vielleicht nicht alles mag, muss man zugeben, dass ein echtes Rock-Best-of aufläuft.

Schade, dass das keine große Rolle spielt, wenn dieses Set von Schülerbands interpretiert wird. Während man bei EA und Activision darum wettstreitet, wer die besten Sachen mit möglichst vielen Originaltracks anbietet, wer die heißesten Exklusiv-Features mit Metallica, Def Leppard und Co auffährt, wird bei Rock Revolution nicht einmal der Name der echten Band genannt. Das hätte wohl auch Geld gekostet.

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Drummen, bis der Arzt kommt. Geht schnell bei 7 Notenlinien und den Rock Revolution-Drums.

Es wäre nicht ganz so wild, wenn man nur gelegentlich über nicht auf den Punkt sitzende Performances schmunzeln würde. So aber drückt sich jeder Song mit dem gleichen Ergebnis ins Ohr: Nämlich als ein eher mäßiges und alles andere als wirklich authentisches Cover eines ehemals guten Songs.

So ähnlich sieht es auch mit der Spielmechanik als Ganzes aus. Ein schlechtes Cover großer Vorbilder. Wir sind es seit nunmehr fast einem halben Jahrzehnt gewohnt, dass die Noten aus der Tiefe auf uns zulaufen, und es hat sich bewährt. Ich nehme an, dass beide großen Entwicklungsteams mit anderen Gedanken und Anordnungen experimentierten, dann bei Neversoft und Harmonix zu dem Schluss kamen, dass es so doch am besten sei. Oft genug sollte man es loben, dass ein Hersteller es mal ein wenig anders versucht, Rock Revolutions Aufbau sammelt aber keine Extrapunkte. Hier blickt Ihr auf eine zweidimensionale Ebene, auf der die Kuller, wie gehabt farblich sortiert, von oben nach unten herunterpurzeln, und es geht kurz gesagt gar nicht.

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