Saints Row 2 (dt. Version)

Zurechtgestutzt

Es gibt Momente zum verrückt werden. Da hatte ich mir nach vielen vergnüglichen Stunden mit der internationalen Version schon einen herrlichen Einstieg zu Saints Row 2 überlegt, wollte meine anfängliche Skepsis, meine widerwillige Akzeptanz, dass der Titel doch jede Menge Spaß macht und die Existenzberechtigung neben Grand Theft Auto als Chaos-Alternative beschreiben. Ja sogar die Endnote stand schon fest. Bis ich die deutsche Version in die Konsole legte.

Normalerweise habe ich mit Schnitten wenig Probleme. Ob jetzt bei Fallout 3 ein Bein wegfliegt oder nicht, stört bei einem solch gewaltigen Spiel nur marginal. Selbst grünes Blut in einem Zombie-Shooter lässt sich einigermaßen ertragen. Wenn aber ganze Spielelemente herausgeschnitten werden, sieht das schon deutlich anders aus. Bis zu einem gewissen Punkt gibt es keine Abwertung, schließlich können die Entwickler wenig für unsere deutschen Jugenschutzbestimmungen. Und mehr Gewalt bedeutet nicht automatisch mehr Spielspaß. Aber wenn aus der Anpassung Zensur wird, muss man handeln.

Gekürzte Zwischensequenzen? Kein Problem. Weniger Blut? Manchmal sogar angenehm. Der Verzicht auf einige brutale Mini-Spiele? Naja, nicht gerade traumhaft, aber es gibt ja sonst genug zu tun. Kein CoOp mit der internationalen Version? Sehr schwierig, aber gerade noch akzeptabel. Die Streichung eines kompletten Spielelements? Eine echte Katastrophe.

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Cool? Ganz sicher nicht. Aber sehr lustig.

Nur, um das klar zu stellen: THQ blieb keine andere Wahl. Damit der Titel in Deutschland veröffentlicht werden konnte, mussten diese Schnitte erfolgen. Ansonsten hätte er keine USK-Freigabe bekommen. Trotzdem harter Tobak für erwachsene Spieler, schließlich wird ihnen damit ein überraschend spaßiges Spiel versaut.

Das bedeutet übrigens nicht, dass die englische Version frei von Fehlern oder nervigen Details wäre. Die höchstens durchschnittliche Grafik, der plakative Stil und die strunzdoofe KI sorgen in den ersten Spielminuten für jede Menge Peinlichkeiten. Technische Probleme wie Tearing, Pop-Ins und Ruckelanfälle gehören einfach nicht in ein modernes Open-World-Spiel, das sich mit einem Titel wie Grand Theft Auto IV messen möchte und muss.

Und doch bemerkt man, dass diese Mankos mit der Zeit immer mehr in den Hintergrund treten. Ohne die deutlich spürbare Hand eines übermächtigen Rockstar-Regisseurs und mit deutlich mehr Freiheiten entwickelt sich der platte Klon langsam aber sich zu einem interessanten Gegenentwurf, der hervorragend neben seinem Vorbild existieren kann, ohne sich verstecken zu müssen. Zumindest in der internationalen Version.

Natürlich ist die Geschichte des ehemaligen Anführers der 3rd Street Saints, der aus dem Koma erwacht und die Stadt erobern muss, weder sonderlich neu noch einfallsreich, doch die Vorzüge dieser herrlich überdrehten und technisch weit unterlegenen Gangster-Ballade zeigen sich schon in der ersten Mission.

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Auch auf dem Wasser erwartet Euch Dauerfeuer-Action.

Während Ihr Euch beim großen Vorbild in den ersten Stunden mit Handlanger-Jobs und sozialen Kontakten abmüht, holt der Hauptdarsteller in THQs Actionspiel gleich bei seinem Ausbruch aus der Haftanstalt mehrere Hubschrauber vom Himmel, erledigt Dutzende Polizisten und versenkt schwer bewaffnete Polizeiboote in den trüben Fluten der Stilwater-Hafenanlage.

Das Team von Volition brennt über die ganze Zeit hinweg ein Action-Feuerwerk ab, das Grand Theft Auto zumindest auf diesem Gebiet alt aussehen lässt. Das Ganze versprüht zwar mehr einen B-Movie-Charme und auch die Geschichte kommt an die Brillanz der GTA-Charakterstudien nicht heran, aber dafür nimmt sich der Titel nicht wirklich ernst und liefert jede Menge Proll-Humor. Natürlich zündet nicht jeder einzelne Gag und man fühlt sich immer wieder peinlich berührt, trotzdem wird man mit vielen gute Lachern und spaßigen Action-Sequenzen belohnt.

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