Spider-Man 3: The Game

Mit Schwung in die Mittelmäßigkeit

Es gibt ein bestimmtes Videospiel-Genre, das unter den Spielern keinen allzu guten Ruf genießt und ein gewisses Vorurteil immer wieder bestätigt: Filmumsetzungen. Nur ganz wenige Ausnahmen ragen aus dem schnöden, oft lieblos wirkenden Umsetzungs-Einerlei heraus. Kaum ein Film-Hit kommt umgekehrt an einer "Versoftung" vorbei, gerade Kinofilme mit Comic-Superhelden als Hauptcharakteren sind prädestiniert dafür. Kein Wunder also, dass auch zum kürzlich in die Kinos gekommenen Spider-Man 3 ein Multiplattformtitel gebastelt wurde. Doch leider haben wir auch diesmal keine gute Nachricht für Euch: So halb gar der Film ausgefallen ist, so mittelmäßig präsentiert sich das Videospiel in seiner Xbox 360-Inkarnation.

Seltene Next-Gen-Ambitionen

Dass Spider-Man 3 eigentlich schon das vierte Spiele-Abenteuer des Netzschwingers ist, mag nur eine kleine Randnotiz sein. Es ist aber die erste Umsetzung für die Next-Gen-Konsolen - dementsprechend hoch sind die Erwartungen an die visuelle Präsentation. Doch gerade an diesem Beispiel zeigt sich von Beginn an, dass SM3 nur ansatzweise das Niveau der Xbox 360 erreicht.

1

Spidey und die Stadt machen einen guten Eindruck

Die Stadtkulisse New Yorks ist noch eines der Highlights des Spiels und überzeugt durch eine ziemlich authentische Optik: Wolkenkratzer ohne Ende, dichter Verkehr (Taxis, wohin man blickt ...), viele Passanten (die sich meist nicht um den Superhelden scheren), gelungene Lichteffekte, Reflexionen an den Glasfronten der Gebäude und so weiter und so fort. Spider-Man selbst ist - zumindest in der Nahansicht - ebenfalls detailliert porträtiert und sehr gut getroffen.

Er ist allerdings auch die einzige Figur des Spiels, von der man das behaupten kann. Schon in seiner Rolle als Peter Parker erhält man eher einen Last-Gen-Eindruck mit kantigen Rändern - ganz zu schweigen von normalen 08/15-Fußgängern oder den austauschbaren bösen Buben auf der Straße. Diese sind allenfalls detailarm und schnöde gestaltet. Diese Mittelmäßigkeit setzt sich ebenfalls in anderen Bereichen fort: So kommt es häufig zu unschönen Pop-Up-Effekten und auch die Tiefenunschärfe bei Objekten in großer Distanz ist auf Dauer eher langweilig. Insgesamt hinterlässt daher die Darstellung nicht wirklich einen Next-Gen-würdigen Eindruck.

Versponnenes Gameplay

2

Im schwarzen Kostüm schlägt der Spinnenmann noch fester zu.

Ihr denkt: "Ok, die Grafik ist bei so einem Spiel nicht das Wichtigste. Hauptsache das Gameplay stimmt"? Da habt Ihr sicher Recht, aber gerade an dieser Schlüsselposition macht SM3 leider mehr falsch als richtig. Beginnen wir bei der Steuerung von "Spidey", die eigentlich noch recht gut von der Hand geht. Das Schwingen durch die Hochhausschluchten Manhattans klappt intuitiv und macht sogar Spaß. Allerdings steckt der Teufel im Detail. Bei vielen der 42 Standard-Missionen und unzähligen anderen Zufalls-Aufgaben steht Ihr unter Zeitdruck, wobei Euch die schwerfällige und nervige Kameraperspektive im Weg steht. Schnell verliert man die Orientierung, da sich die Ansicht aufs Geschehen nicht selbstständig hinter dem Helden positioniert.

Ist das beim Schwingen schon ärgerlich, gerät das bei den Kämpfen zur Plage: Ständig ist man darum bemüht, die Kamera wieder hinter Spider-Man zu bringen und so die angreifenden oder davon rennenden Feinde im Blick zu behalten. Da Ihr aber in der Regel mehr als einen Kontrahenten bekämpft, kommt man häufig gar nicht mehr hinterher. Die Folge sind chaotische Fights, bei denen Button-Mashing das oberste Allheilmittel darstellt.

Euch stehen dabei zwei Angriffstasten zur Verfügung, die in Kombination verwendet verschiedene Kombo-Serien auslösen. Füllt Ihr die Komboanzeige auf, stehen auch Super-Angriffe bereit. Zusätzlich setzt Ihr Netz-Attacken ein, die weitere Variationsmöglichkeiten ermöglichen und mit denen Ihr die Kontrahenten außer Gefecht setzt. In der Praxis drischt man aber schnellstmöglich auf alle verfügbaren Tasten ein, weil es gegen die Standard-Feinde mehr als ausreichend und obendrein effektiv ist. Sollte es doch einmal eng werden, setzt Ihr eine Art Zeitlupen-Funktion ein, bei der Ihr auch größere Widersacher-Gruppen problemlos auseinander nehmt und mit Konterschlägen massiv Schaden austeilt.

Kommentare (11)

Die Kommentare sind nun geschlossen. Vielen Dank für deine Beiträge!