Saints Row

Cool aber buggy!

"Du brauchst mehr Nutten!", teilt uns das Spiel mit. Im Puff sind quasi die Regale leer - und wir sollen sie füllen. Also cruisen wir im Cabrio durch die Straßen Stilwaters, halten nach Zuhältern Ausschau, machen diese kalt und schnappen uns deren Mädels. Das alles geschieht natürlich unter Zeitdruck, damit der Job nicht zu easy wird. Wobei es einem Hurenhausbetreiber doch eigentlich wurst sein kann, ob die neuen Weiber schon in drei oder erst in zehn Minuten auf der Matte stehen. Aber als echte Gangster fragen wir nicht nach, sondern tun unsere Arbeit, kassieren Respektpunkte und Moneten, die wir in Waffen, Drogen und Klamotten investieren. Ähnlich wie in Rockstars GTA-Reihe. Ähnlich? Eigentlich ist das die Untertreibung des Jahres. Während sich zum Beispiel Activisions True Crime-Serie lediglich vieler GTA-Elemente bedient, wirkt Saints Row wie der Versuch einer 1:1-Kopie. Um gleich mal die Generalfrage zu beantworten: GTA gewinnt, allerdings nicht in allen Belangen.

Dass in Saints Row Gangster-Mentalität und Gewaltverbrechen glorifiziert werden, ist kein Geheimnis. Die Hip-Hop-Attitüde ist halt momentan in und da kann man nichts machen. Wir hoffen ja auch, dass die "50-Cent-Baggy-Pants-ich-knall-dich-ab-du-Motherfucker- weil-ich-ein-Pimp-bin-obwohl-ich-noch-bei-meinen-Eltern-wohne"-Ära bald vorbei ist. Trotzdem passt das Szenario inklusive Stereotypen einfach zu dieser Art Gameplay und das kann keiner bestreiten. Auch wenn man damit zugibt, die Stigmatisierung der schwarzen US-Bevölkerung durch die eigene Vergnügungssucht passiv zu unterstützen. Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.

Dasselbe in grün?

Genau wie im mehr als offensichtlichen Vorbild, startet Ihr als Kleinkrimineller, der sich Respekt und Kohle verdient, indem er alle Strafregister zieht. Stellt Euch einfach GTA: San Andreas mit besserer Grafik, kleinerer Spielwelt, fairem Speicher-Management, weniger Humor, realistischer Physik, ohne Stunt-Belohnungen, kleinerem Aktionsrepertoire, weniger Fahrzeugen, geringerer Feature-Anzahl, schlechteren Radiostationen und einer komfortablen GPS-Wegfindung vor. Nur damit Ihr Euch schon mal ein ungefähres Bild von Saints Row machen könnt. Nett ist, dass Ihr zu Beginn auf eine Menge Konfigurationsmöglichkeiten zugreifen dürft, um Euer kriminelles Ebenbild bis ins Detail optisch zu verändern. Weitere RPG-Anleihen gibt es nicht.

Die fantastischen Vier

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Wie bei den Neandertalern: Der Ische eine drüber ziehen und schon ist sie mein.

Die Geschichte beginnt mit einer Gang-Schießerei, in die Ihr eher zufällig hineinschlittert. Ihr überlebt, werdet rekrutiert und ab dann steht Euch die ganze Stadt offen. Das meinen wir übrigens wörtlich, denn von Anfang an dürft Ihr die komplette City erkunden. Diese ist nicht so groß wie San Andreas, aber zu sehen und zu tun gibt es trotzdem genug. Vier Handlungsstränge stehen zur Auswahl, werden in Form von Ingame-Zwischensequenzen weiter gestrickt und bestehen meist aus einer Aneinanderreihung von Schimpfwörtern und Gewaltandrohungen. Weniger ironisch als in GTA und mit eindimensionaleren Charakteren besetzt.

Durch das absolvieren von Story-Missionen erobert Ihr neue Territorien, verdient mehr Geld und natürlich mehr Respekt. Will Euch zu Beginn lediglich ein computergesteuertes Gangmitglied auf Euren Raubzügen begleiten, folgt im späteren Spielverlauf ein ganzes Grüppchen Lebensmüder. Die Hauptmissionen sind relativ abwechslungsreich. Ihr mischt Feinde auf, rettet entführte Mädels, jagt eine Plattenfirma in die Luft, liefert Euch Autoverfolgungsjagden und so weiter. Hin und wieder gilt es auch mal in die Höhle des Löwen zu spazieren, um ein feindliches Hauptquartier zu säubern. Verbockt Ihr Missionen, dürft Ihr sie netterweise direkt wiederholen und müsst nicht erst durch die halbe Stadt fahren, um erneut zum Einsatzort zu gelangen. Schön ist auch, dass Ihr jederzeit und überall speichern könnt.

Respekt!

Während die Nebenmissionen in Rockstars GTA-Reihe optional waren, müsst Ihr in Saints Row immer wieder Sidequests erfüllen, damit Ihr Zugriff auf neue Storymissionen habt. Jeder Nebenjob bietet übrigens mehrere Schwierigkeitsstufen. So ist eine Level 1-Auto-Entführung relativ easy, aber auf Stufe 8 wird's mehr als knackig. Ihr verdient Euch also Respekt in dem Ihr Autos organisiert, als Drogenkurier jobbt, Prostituierte einsammelt, diverse Rennen fahrt, Graffitis sprüht, Safes knackt, Geiseln nehmt und so weiter. Habt Ihr Euren Ruf "verbessert", teilt Euch das Spiel mit, dass neue Storymissionen warten.

Bleiben wir noch kurz bei den Nebenaufgaben. Da steht sogar Versicherungsbetrug auf dem Programm und der gehört zu unseren Lieblingsbeschäftigungen. Einfach mit der L- oder R-Taste zu Boden werfen und je spektakulärer Euer Sturz, desto höher das Schmerzensgeld. Wie oft wir absichtlich von Parkhausdächern, Brücken oder Mauern gefallen sind, können wir nicht mehr zählen. Es ist einfach saulustig immer spektakulärere "Unfallmöglichkeiten" zu finden. Vor Lastwagen und U-Bahnen zu springen, um sich mitschleifen lassen, wird irgendwie nie langweilig. Nicht nur dank der Ragdoll-Physik. Schade, dass man in Saints Row keine Hubschrauber oder Jets steuern darf. Man stelle sich das Schmerzensgeld vor, dass man mit einem Flugzeugabsturz verdienen könnte! Objektiv betrachtet muss man sich trotzdem fragen, ob die Sache mit den aufgezwungenen Nebenmissionen eine ideale Lösung darstellt. Wir erklären das zur Geschmackssache. Insgesamt bot das letzte GTA trotzdem mehr spielerische Abwechslung. Alleine schon wegen dem größeren Fuhrpark und dem rollenspielähnlichen Charakteraufbau.

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