Test Drive Unlimited

WoW auf Rädern?

In welchem Genre ist eine flüssige Framerate besonders wichtig? Ihr habt es erraten: Im Rennspiel-Genre. Irgendwie haben wir das Gefühl, dass seit geraumer Zeit nicht mehr viele Rennspiele butterweiche 50 bis 60 Frames pro Sekunde bieten. Als gäbe es ein geheimes Verbot für flüssig laufende Konsolen-Racer. Vielleicht werden die Entwickler unter Druck gesetzt? Von einer Vereinigung gnadenloser Framerate-Wyatt-Earps, die jeden zur Strecke bringen, der mehr als 25 Fps auf die Straße bringt? Test Drive Unlimited, das wir im restlichen Artikel mit TDU abkürzen, schlägt auch in diese Diashow-Kerbe. In diesem Spiel dürft Ihr während der Fahrt die Fenster auf und zu machen, was sich realistisch auf den Fahrsound auswirkt. Ihr besucht Geschäfte und kleidet Euren Charakter von Kopf bis Fuß mit schicken Klamotten und Accessoires ein. Ihr könnt von einem Ende der Insel zum anderen Ende fahren, ohne von lästigen Ladepausen genervt zu werden. Ihr schaut beim Immobilienmakler vorbei, um Wohnungen und Häuser zu begutachten. Ihr dürft irgendwie alles - außer ruckelfrei fahren.

Die Insel

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Irgendwie befindet sich das Flugzeug verdächtig nahe an den Gebäuden. Ja, wir sind paranoid.

TDU ist das erste wirkliche Massively Multiplayer Online Racing Game. Ihr tummelt Euch also zusammen mit anderen Spielern in einer großen Onlinewelt, die Ihr auf vier Rädern bereist. Zu Beginn wählt Ihr einen Charakter, besucht eine Autovermietung, wählt eine geeignete Karre und fahrt damit zum Maklerbüro, wo erstmal eine Bude gekauft wird. Von Eurem Startkapital ist jetzt nicht mehr viel übrig. Mit dem mickrigen Rest gilt es trotzdem ein eigenes Auto zu erstehen und dann geht es endlich los. Die gesamte Insel steht Euch gleich zu Beginn offen und lädt zur Erkundungstour ein. Das paradiesische Eiland bietet aber nicht nur was fürs Auge. Während Ihr durch die Gegend heizt, entdeckt Ihr Autohändler, Klamottengeschäfte und so weiter. Diese werden dann auf der Karte vermerkt und können jederzeit direkt angewählt werden. Ihr könnt Euch also an einen bekannten Ort "zurückbeamen" und müsst nicht jedes Mal mehrere Kilometer umhergondeln. Per Knopfdruck wechselt Ihr auf die in mehreren Detailstufen zoombare Karte der Insel, die optisch ein wenig an Google Earth erinnert. Wer ganz nahe heranfährt bemerkt, dass es sich nicht um eine schnöde 2D-Tapete, sondern eine dreidimensionale Map handelt, inklusive Polygon-Gebäuden und vielen Details. Auf dieser GPS-Karte sind neben Shops, Werkstätten und Renn-Events auch Raststätten, Clubs, Lackierereien und Positionen anderer Fahrer vermerkt. Sehr schön gemacht.

Fahrgemeinschaft

Dass Einzel- und Mehrspieler-Modus in TDU eine Einheit bilden, ist einfach genial. So düsen nicht nur KI-Gegner durch die Insel-Straßen, sondern auch menschliche Spieler, die via Xbox Live eingeloggt sind. Befindet Ihr Euch in der Nähe eines anderen Rasers, könnt Ihr diesen zu einem Rennen herausfordern. Dabei markiert Ihr auf der Karte einfach einen Straßenabschnitt und schon geht’s ab. Der Sieger kriegt Kohle, die in Tuning, Klamotten, Immobilien und Autos investiert wird. Natürlich ist das nicht die einzige Möglichkeit, Gegner zum Duell zu fordern. So finden überall auf der Insel feste Renn-Events statt, an denen Ihr jederzeit teilnehmen könnt - solange Ihr die Anforderungen an die Fahrzeugklasse erfüllt. Wer keinen Bock auf Online-Rennen hat, beschränkt sich einfach auf Offline-Events und umgekehrt. Sein volles Potential entfaltet TDU aber erst via Xbox Live. Plötzlich rauschen Menschen aus aller Welt durch die Straßen, führen Smalltalk und verwandeln ganz Oahu in eine Art gigantische Online-Lobby. Unübersichtlich wird’s trotzdem nicht, da anscheinend nicht alle TDU-Spieler auf ein und demselben Server landen. Das hat andererseits den Nachteil, dass Eure Freunde, die gerade im Spiel unterwegs sind, eventuell nicht auf Eurer Karte auftauchen.

In Automobilclubs könnt Ihr Vereine gründen oder bestehenden Clubs beitreten. Dort ist übrigens sofort ersichtlich, wo Eure Kumpels am Start sind. Schön! Der totale Hammer erwartet Euch aber in den zahlreichen Raststätten. Dort werden von anderen Spielern kreierte Herausforderungen aufgelistet. So eine Herausforderung kann zum Beispiel ein Zeitrennen sein. Gegen eine Gebühr dürft Ihr teilnehmen und müsst nun die Bestzeit des "Gastgebers" schlagen. Gelingt es Euch, winkt eine Prämie, die der Initiator berappen muss. Natürlich könnt Ihr selber auch solche Herausforderungen erstellen. Aber Vorsicht! Ist diese zu schwer, nimmt keine Sau teil. Ist die Aufgabe zu leicht, verliert Ihr Eure Kohle schneller, als Ihr "Arghh!" rufen könnt. Ein tolles Feature ist auch, dass Ihr Eure Autos online tauschen, kaufen und verkaufen könnt, wobei das in unserem Fall mit technischen Problemen behaftet war. Hin und wieder wollte sich das Spiel außerdem partout nicht beim TDU-Server einloggen. Ein erster Patch hat zum Glück einiges gefixt. Bei unserem mehrtägigen Test gab es danach nur noch wenige Verbindungsprobleme und ein weiteres Update ist laut Atari auch schon auf dem Weg.

Strukturfehler

Was uns persönlich erst nach einigen Stunden auffiel: Es gibt keine Story. Das ist in einem Rennspiel ja eigentlich nicht wirklich schlimm. Doch wenn man einen Charakter auswählen, Autos, Kleidung und Immobilien kaufen und in seinen eigenen vier Wänden Zeitung lesen kann, weckt das irgendwie so eine Erwartungshaltung. Schon die gesamte Einleitungssequenz inklusive Take-Off am Flughafen wirkt wie der Anfang einer Story, die nie weitergesponnen wird. Zumindest eine Art Karriere-Modus inklusive Meisterschaften hätte drin sein müssen. So erscheint zumindest das Einzelspieler-Erlebnis ein wenig zusammenhangslos.

Herausforderungen

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In aufwändiger gestalteten Abschnitten läuft das Spiel weniger flüssig. Auf Bildern fällt das natürlich nicht auf.

Kommen wir zu den verschiedenen Renn-Modi. Da wären zum einen obligatorische Straßen- und Zeit-Rennen. Außerdem ein Modus, in dem man auf einem Streckenabschnitt mehrmals geblitzt wird und dabei so schnell wie möglich sein muss. Was noch? In anderen Events gilt es wiederum innerhalb eines Zeitlimits eine Zielgeschwindigkeit zu erreichen. Ausgefallener wird’s, wenn Ihr nette Miezen aufgabeln und innerhalb des vorgegebenen Zeitraumes an einem bestimmten Ziel absetzen sollt. Bei jedem Fahrfehler dürft Ihr Euch dann deren Gezeter anhören und wird es zu extrem, steigt Eure Beifahrerin vorzeitig aus.

Männliche Anhalter gibt es übrigens auch. Darüber hinaus habt Ihr die Möglichkeit, als Paketkurier Kohle zu verdienen und wirklich anstrengend ist das Überführen von Edelkarossen. Eure Aufgabe ist hier, richtig teure Schlitten von A nach B zu fahren und jeder kleine Rempler verringert dabei Euer Honorar. Einen dicken Ferrari 20 Kilometer durch die Gegend zu kutschieren, ohne mit anderen Verkehrsteilnehmern oder der Umgebung zu kollidieren, ist gar nicht so leicht. Klar, man kann im Schritt-Tempo Richtung Zielort tuckern, aber wäre das angesichts der Pferdestärken nicht Blasphemie und überaus öde? Außerdem seltsam: Ihr überführt ein Auto und kassiert 90.000 Dollar. Gewinnt Ihr hingegen ein krasses Wettrennen, kommen nur schlappe 5.000 aufs Konto. Es gibt später auch höher dotierte Renn-Events, aber gerade am Anfang kamen uns diese Unterschiede komisch vor.

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