Tatsunoko vs. Capcom: Ultimate All Stars

Klasse Capcom-Keilerei

Ich versuche an jegliche Art von Spiel eigentlich so objektiv wie möglich ranzugehen – eine spontane Abneigung gegen einen Titel, der getestet werden will, ist ebenso wenig konstruktiv wie überhöhte Vorfreude. Trotzdem war ich bei Tatsunoko vs. Capcom ziemlich skeptisch. Jetzt noch ein chaotisches VS-Spiel? In 3D? Ausgerechnet auf der Wii? Und wer sind eigentlich diese Tatsunoko-Typen mit ihren Capes, Masken und Helmen? Nein nein, lasst mal stecken.

Abgesehen davon, dass ich dem Spiel sowieso niemals auch nur eine Chance auf einen West-Release zugetraut hätte, war ich ohnehin stets der Überzeugung, wir würden kaum etwas verpassen. Warum ein obskures Crossover spielen, wenn man doch Street Fighter IV in lecker HD genießen kann? Tja, aber jetzt ist es soweit. Die deutsche Version von Tatsunoko vs. Capcom ist nicht nur da, ich lag auch mit meiner halbgaren Spielspaß-Prognose (ausnahmsweise einmal) völlig daneben. Nach etlichen durchkämpften Nächten sehe ich meinen Fehler ein und verspeise demütig meinen Hut: Tatsunoko vs. Capcom ist ein richtiger Kracher geworden. Aber lasst mich kurz etwas ausholen...

Wenn im Hause Capcom geprügelt wird, dann kann das ganz verschiedene Formen annehmen: Vom hochgradig taktischem Schlagabtausch bis hin zum brachial-krachigen Geschwarte ist dann alles drin. Und wenn auf der Capcom-internen Watschen-Skala Street Fighter III 3rd Strike das Maximum an Taktik und Anspruch darstellt, dann ist die VS-Reihe der Vorzeigetitel, wenn’s um wildes Gekloppe und bildschirmfüllende Spezialattacken geht. Früher, da haben sich erst die Street Fighter mit den X-Men gehauen, später mit den ganzen Marvel-Superheroes und schließlich durfte sich die komplette Capcom- und Marvel-Riege keilen.

Tatsunoko vs. Capcom – Gameplay-Trailer

Ach ja, was waren das für Zeiten. Inzwischen liegt die Marvel-Lizenz freilich bei anderen Publishern, das Thema SNK ist auch durch, also mussten sich die Street Fighter neue Gegner suchen. Und schnell wurden sie fündig: Der neue Cross-Over-Partner steht Comicriese Marvel in Sachen Popularität dazu auch in nichts nach. Zumindest in Japan... oder hat hierzulande schon mal jemand etwas von Tatsunoko gehört? Kaum. Für japanische Spieler ist Tatsunoko aber ähnlich wie das Famicom und Dragon Quest ein fester Teil der Kindheit und der damit verbundenen Nostalgie. Superhelden wie Yatterman, das Gatchaman-Team oder Polymar sind die Helden klassischer Trickserien der 70er Jahre und haben eine ganze Generation allwöchentlich vor den Fernseher gebannt.

In den Westen hat sie´s dagegen kaum verschlagen. Vereinzelte Serien mögen es noch ins amerikanische oder britische Fernsehen geschafft haben, nicht aber nach Deutschland – korrigiert mich, wenn ich mich irren sollte. Aber im Grunde ist das auch völlig egal. Man muss nicht die komplette Vita von Figuren wie Doronjo, Karas und Casshan kennen, um Spaß mit ihnen zu haben. Die Tatsunoko-Kämpfer mögen für Japans Spieler Ikonen ihrer Jugend sein, für uns sind sie vor allem mal 13 neue Figuren in einem absolut hochwertigen Capcom-Prügler. Und allein das macht sie schon extrem spannend.

Zu den 13 Tatsunoko-Figuren gesellen sich weitere 13 Kämpfer aus dem Hause Capcom. Und die setzen sich nicht nur aus der Crew diverser Street Fighter-Episoden zusammen: Neben altgedienten Haudegen wie Ryu und Chun Li geben sich auch MegaMan Volnutt (aus den ebenso tollen wie unterschätzten MegaMan Legends-Spielen), Viewtiful Joe, Darkstalkers-Vorzeigedame Morrigan, ein dicker Mech aus Lost Planet und ein paar absolute Exoten die Klinke in die Hand. Oder hättet ihr jemals gedacht, mit Frank West, dem Helden eines ganz, ganz bösen und hierzulande unheimlich verbotenen Zombiespiels oder der schwerbewaffneten Saki aus dem nie im Westen erschienenen Quiz Nanairo Dreams in einem Prügler anzutreten?

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