Test Drive Unlimited

Wären da doch nicht die Grafikbugs...

Ja, ich liebe die KI! Sie hat uns in X-Wings durch die Asteroidengürtel gejagt, als Feldherr das Fürchten gelehrt, als virtuelle Ausgabe von Marco Materrazzi so manchen Zahn gekostet und nicht zuletzt als Bleifuß die Asphaltpisten auf- und abgejagt. So dankbar ich ihr für die letzten Jahre auch bin, ihre Tage sind gezählt. Wo einst König-KI herrschte, besitzt nun Papst PvP das Sagen! Diese Zeichen der Zeit hat man im Hause Atari erkannt. So schickte man mit Test Drive Unlimited bereits Mitte letzten Jahres das erste MMORG auf der Xbox 360 ins buchstäbliche Rennen. Ob das Spiel die Portierung ohne größere Blechschäden überstanden hat und ob die Vorschusslorbeeren unseres Ersteindrucks gerechtfertigt waren? Nicht so viele Fragen stellen! Lesen!

Das Prinzip des Spiels ist denkbar einfach: Ihr schlüpft nicht etwa in die Rolle von Charakter XY auf seinem Feldzug nach Rache für was auch immer. Nein, Ihr spielt Euch – Euch auf der wunderschönen Insel Oahu. Hintergrund-Story? Gerenderte Videos? Fehlanzeige – Ihr schreibt Eure eigene Geschichte - dementsprechend schnell geht es zur Sache.

Nachdem Ihr Euch in einer Art kurzem Tutorial mit den beiden wesentlichen Elementen des Spiels - dem eigenen Haus und einem fahrbaren Untersatz - eingedeckt habt, schüttelt Test Drive Unlimited bereits sein erstes Ass aus dem Ärmel: Die Handlungsfreiheit. Anstatt von einem Rennen ins nächste zu flitzen, dürft und müsst Ihr die Insel erst einmal erkunden. Stehen Euch zunächst nur eine Hand voll Herausforderungen und Shops zur Verfügung, so füllt sich Euer GPS nun mit jedem Ort, den Ihr aufdeckt. Ein neues Rennen hier, ein bisher verborgener Autohändler da. Gerade dieses Suchen und Finden bestimmt für die ersten Spielstunden maßgeblich das Geschehen.

Im Rausch der Geschwindigkeit

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Wenn schon geblitzt werden, dann bitte oben ohne!

Neben dem Erkunden der Insel steht erst einmal das Kennenlernen der Fahrphysik im Vordergrund. Dieser merkt man sofort an: Test Drive Unlimited ist kein reinrassiges Rennspiel. Zu behäbig scheinen die einzelnen Wagen anzusprechen, zu leicht geraten sie außer Kontrolle. Was im ersten Moment wie eine unausgereifte Steuerung wirkt, ist dabei jedoch nichts weiter als purer Realismus. Wem diese Dosis echten Lebens zu hoch ist, der hat die Möglichkeit, ein Paar Fahrhilfen zu aktivieren. Allerdings geht dabei abgesehen von der Schwierigkeit auch ein gutes Stück Fahrgefühl verloren.

Genau das ist es jedoch, was TDU zu meiner Nummer eins unter den Fahrsimulationen macht. Spätestens wenn die Tachonadel des eigenen Sportwagens über die einzelnen Markierungen springt wie ein Hürdenläufer und sich der 200 nähert, durchfährt den Spieler dieses gewisse Kribbeln; die Art Kribbeln, die einen immer wieder in die Achterbahn steigen lässt, egal wie sehr sich die Mahlzeit zuvor auch ankündigt. Schnell wird klar, woher das Wort „Tunnelblick“ stammt. Das Verschwimmen der Bildschirmränder gepaart mit dem immer lauter werdenden Rauschen des Gegenverkehrs, setzt jeden einzelnen Kilometer pro Stunde phantastisch in Szene.

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Das Diner: Der perfekte Ort Leute kennenzulernen - und sie so richtig schön abzuziehen

Seid Ihr dabei nur den Bruchteil einer Sekunde unachtsam, beendet bei diesem Tempo selbst die kleinste Kurve den Rausch der Geschwindigkeit – das allerdings auf ziemlich unspektakuläre Art und Weise. Wer auf fliegendes Blech, Überschläge, ja wenigstens Dellen im Lack hofft, wird bitter enttäuscht sein. Bis auf ein leichtes Wackeln, ein abruptes Stoppen und ein paar Funken, geizt TDU dabei mit Effekten jeder Art. Das mag auf der einen Seite zwar nicht besonders spektakulär oder realistisch sein, auf der anderen schließt man aufgrund des überaus raschen Tempos besonders während der ersten Runden so häufig Bekanntschaft mit Bäumen oder Häusern, dass das fehlende Schadensmodell eher als Segen statt als Fluch erscheint.

Unter uns gesagt: Anfangs habe ich noch gehofft, ein sportlicherer Wagen würde mein Fahrproblem schon in den Griff bekommen. Aber bis auf die Tatsache, dass ich eben noch schneller die Kontrolle verliere und noch weiter von der Straße schleudere, blieb alles beim Alten.

Wo die KI schwächelt…

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Welcher Mann denkt bei dem Anblick schon noch an die Strandschönheiten Hawaiis?

Gewöhnt Ihr Euch mühsam an die Tücken der Raserei und der klassischen Gegenlenkung, stellen insbesondere die ersten Rennen gegen die KI-Gegner keine besondere Herausforderung dar. Zu sehr gehen sie in den Kurven vom Gas und vom „Kampflinie fahren“, haben sie scheinbar noch nie etwas gehört. Einzig die Durchmischung der Fahrzeugklassen bringt dabei etwas Herausforderung ins Spiel. Besitzt der Gegner etwa einen Wagen derselben Kategorie, mit dem kleinen Unterschied, dass dessen Spitzengeschwindigkeit gute 20 Stundenkilometer oberhalb der Euren liegt, verkommt das Rennen schnell zum Stolperstein und Frustlieferanten á la carte. Generell macht sich der Eindruck breit, das einzige, was in einem Rennen zählt ist die reine Motorenleistung.

Was leider ein wenig zu kurz gekommen ist, sind die Katz- und Maus-Spiele mit den Asphaltsheriffs der Insel. Sicher, die Kerle sind nicht gerade ungeschickte Fahrer, eine allzu große Herausforderung stellen sie trotzdem nie so recht dar. Einmal Querfeldein auf eine andere Straße gewechselt, und nicht viel später bricht die Highway-Patrol die Verfolgung ab. Allerdings haben unserer Freunde und Helfer die unangenehme Angewohnheit, immer dann auf den Plan zu treten, wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann.

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