Tomb Raider: Anniversary

Von der Vergangenheit in die Gegenwart und wieder zurück

Gut 10 Jahre sind ins Land gezogen, seit Lara ihren ersten Auftritt in Tomb Raider feat. Lara Croft hinlegte. 10 Jahre, in denen das weibliche Äquivalent zu Indiana Jones von Spiel zu Spiel einen Tick schöner, lebendiger und vor allem authentischer wurde. Wo wir – die weibliche Gattung Mensch - nach solch einer Zeitspanne die ersten Falten im Spiegelbild erblicken und die Schwerkraft ihre leidige Wirkung verstärkt, glätten sich bei der Madame hingegen nun wortwörtlich alle Wogen. Ein merklich verjüngtes Gesicht, sanftere, natürlichere Züge, ein geschmeidiger und athletischer, aber nicht übertrieben trainierter Körper, noch ein Häppchen weniger Ballast in der Bluse – in Tomb Raider: Anniversary avanciert die „alte, neue“ Lara mehr denn je zum Hingucker. Und zwar für beide Geschlechter!

Reise durch die Geschichte

Um Fräulein Crofts Geburtstags-Abenteuer angemessen in Szene zu setzen, reicht es nicht, einfach nur eine Präsentation aktueller Spieleszenen runter zu leiern. Eidos lud aus diesem Grund ins Science Museum nach South Kensignton, London ein, und verwöhnte die nationale, wie auch internationale Presse mit einer umfangreichen Exkursion in Laras bisheriges Lebenswerk. Angefangen von ihrem ersten gefährlichen Treffen mit dem T-Rex über die mal etwas mehr, mal etwas weniger erfolgreichen Nachfolger. Bis hin zu diversen Werbefilm-Auftritten (Visa, Schweppes, Pepsi, SEAT, etc.), gleichnamigen Achterbahn-Sensationen in Paramount Theme Parks, Kinostreifen (Tomb Raider, Die Wiege des Lebens) und ihrer Präsenz auf etablierten Magazin-Covern. Beispielsweise als erstes virtuelles Modell für „The Face“, einem britischen Livestyle-Mag (2004 nach über 24 Jahren eingestellt).

Abgesehen vom Flop mit einer Musik-Scheibe – das ehemalige „Lara Croft“-Girl Rhona Mitra mimte die Sängerin, als Produzent fungierte Dave Steward (Ex-Eurythmics) – ein wirklich beachtlicher Werdegang. Und mit insgesamt über 30 Millionen verkauften Spiele-Exemplaren auch entsprechend lukrativ.

Lassen wir also aus gegebenem Anlass noch einmal Lara Crofts Spiele-Historie Revue passieren, bevor wir uns im Anschluss der nahen Zukunft zuwenden – nebst einem Interview mit Ian Livingstone:

Tomb Raider feat. Lara Croft

TR1
  • Entwickler: Core Design inkl. Erfinder Toby Gard
  • Release: November 1996
  • Systeme: Sega Saturn, PC, PSOne, Mac
  • Besonderheit: 1997 folgte Erweiterung „Unfinished Business“ mit vier zusätzlichen Leveln. Für Besitzer des Originals gratis zum Download.

Noch relativ unbekannt, zog Lara die Spieler binnen kürzester Zeit in ihren Bann. Jeder wollte plötzlich mehr von der sexy Forscherin – bestenfalls sogar ohne die an sich schon knapp bemessene Kleidung. Man erinnere sich nur an die Schreierei nach einem Nackt-Patch. Aber auch neben der überaus proportionierten Helden konnte die Abenteuerreise durchweg überzeugen. Für damalige Verhältnisse in ansehnliche 3D-Grafik gepackt, trumpfte das Spiel mit packender Story, spannenden Kampfeinlagen, allerlei Rätseln und „Secrets“ auf. Ihr springt, lauft, taucht und ballert mit Uzis, Pistolen, Magnums und einer Schrotflinte auf etwaige Schurken und Viecher, die Euch bei der Suche nach den Bruchstücken eines Artefaktes im Weg stehen. Beispielsweise Zentauren und düstere Dämonen in Atlantis, Wölfe, Veloceraptoren und der T-Rex in Peru. Für Fans zählt das Original noch heute zum absoluten Favoriten der Reihe! Für mich übrigens auch.

Tomb Raider II starring Lara Croft

TR2
  • Entwickler: Core Design ohne Toby Gard
  • Release: November 1997
  • Systeme: PC, PSOne, Mac
  • Besonderheit: März 1999 – Erweiterung „The Golden Mask“. Vier weitere Extra-Level plus Bonus-Abschnitt beim Aufdecken aller Secrets. (PC, Mac)

Mit einem aufgestockten Repertoire an Totmachern – unter anderem Granatwerfer, Harpune und M16 – stürzte sich Lara bereits ein Jahr später in ein neues Abenteuer. Ziel ihrer gefährlichen Suche: Der sagenumwobene Dolch des Xian. Lara besitzt nun erstmals ihren geflochtenen Zopf (plus weniger spitze Brüste), dreht sich im Sprung um 180°, erklimmt Wände, vollführt einen Kopfsprung mit Salto-Einlage und düst in Vehikeln durchs Gelände. Beispielsweise mit einem Motorboot über Venedigs feuchte Straßen oder dem Schneemobil durch Tibets Schnee bedeckte Berglandschaft. Die mit exakt 48 Secrets gepflasterten Levels (18 an der Zahl) erstrecken sich über Italien, China, Tibet, ein gesunkenes Schiff und eine Bohrinsel, sowie ihrem trauten Zuhause in England, wo der Spieler diverse Moves üben kann. Neben Steinkriegern, Mafiosi, Yetis, Spinnen und Drachen, ist auch wieder der T-Rex mit von der Partie.

Tomb Raider III – Adventures of Lara Croft

TR3
  • Entwickler: Core Design
  • Release: November 1998
  • Systeme: PC, PSOne, Mac
  • Besonderheit: März 2000 – „The Lost Artefacts“ lieferte PC- und Mac-Besitzern sechs Extra-Levels.

Wieder nur ein Jahr vergangen, wieder mit etlichen Neuerungen versehen: Tomb Raider III – Adventures of Lara Croft lockte mit detaillierten und schnelleren 3D-Grafiken, einem eigens entwickelten Reflexionssystem (realistischerer Wettereffekte, Schatten etc.), spektakulären, weil dynamischen Lichteffekten, sowie einer Spielstruktur, bei der man sich die Reihenfolge der Levels selbst aussuchen konnte. Die adrette Archäologin erhielt überdies weitere Fähigkeiten, unter anderem Kriechen, Ducken, Hochgeschwindigkeitsspurt, kurze Zeit an Decken hangeln, und heizte den zahlreichen Gegnerhorden (Libellen, Tiger, Krokodile, Mutanten, menschliche Übeltäter) mit einer Desert Eagle und der MP5 mächtig ein. Das zuvor genutzte MP16 fiel flach. Der gefürchtete Tyrannossaurus bleibt aber weiterhin im Geschehen. Schauplätze der Action-Rätsel-Kombi: Indien, die Südsee, Antarktis, Nevada (Area 51) und ihr Haus in London.

Tomb Raider IV – Die letzte Offenbarung

TR4
  • Entwickler: Core Design
  • Release: November 1999
  • Systeme: PC, PSOne, Mac, Dreamcast
  • Besonderheit: keine

In den deutschen Spielemagazinen noch bejubelt, verlor der nun mehr vierte Teil der Reihe bei der internationalen Fachpresse an Prozenten. Zumindest bei der PSOne-Version. Denn obwohl das Spiel eine deutlich verbesserte Grafik erfuhr, konnten diverse US-Redakteure nicht über Framerate-Einbrüche und die zu diesem Zeitpunkt schon altbackene Technik von Sonys Erstlings-Konsole hinwegsehen. Fans der Action-Adventure-Ikone griffen trotzdem zu und freuten sich über das neue, ausgefeilte Iventarsystem und die Möglichkeit, etwaige Objekte zu verschiedenen Hilfsmitteln und Werkzeugen zu kombinieren. Ganz zu schweigen von Laras erworbenen Fähigkeiten, beispielsweise mittels eines Seils von Podest zu Podest schwingen oder Rohre rauf und runter klettern. Die Ausrüstung durchlief eine Aufstockung (Feldstecher, Laservisier, Brechstange), das Waffen-Repertoire wurde hingegen verkleinert und beschränkt sich auf Pistolen, Revolver, Granatwerfer, Uzis, Gewehr und zusätzlich eine Armbrust. Laras Haus in London fällt ebenfalls flach. Und jetzt ratet mal? T-Rex? Auch futsch! Welch ein Fauxpas.

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