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Warhammer 40K Squad Command

Blut für den Blutgott!

Im Kosmos der Jugendsünden, absonderlichen Hobbys und durchgeknallten Freizeitbeschäftigungen rangiert das Bemalen, Sammeln und Spielen von Table Top-Figuren an der Welt-Spitze. Auf der oben offenen Nerd-Skala erreicht Warhammer locker den Wert „Stubenhocker“, echte Turnier-Spieler und Gilden-Meister auch locker das Prädikat „Mama-Söhnchen“. Auf jeden Fall ist die ganze Welt mit ihren dunklen Göttern, Dutzenden Rassen und einer wirklich gewaltigen Hintergrundstory perfekt dazu geeignet, unbeliebte Verehrerinnen mit nur wenigen Sätzen in die Flucht zu schlagen.

Mein ganz persönlicher Favorit und absoluter Lieblingsspruch: „Blut für den Blutgott!“ Diesen Satz bekam ich zu Beginn meiner Online-Karriere ständig entgegen geworfen, weil ich Khorne als Nickname wählte. Schuld an der ganzen Misere war das Runden-Strategiespiel Chaos Gate, das unglücklicherweise auf dem Tisch lag, als ich meinen ersten Account erstellte. Seit dieser Zeit trage ich diese Bürde nun mit mir herum und habe sie in der Zwischenzeit mit viel Eifer in eine Tugend verwandelt. Durch das ausführliche Studium von Armee-Büchern, Romanen und Computerspielen. darf ich mich inzwischen ungestraft als Obernerd bezeichnen.

Da passt es natürlich hervorragend, dass mein neuestes Testobjekt, Warhammer 40 Squad Command, eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Klassiker Chaos Gate aufweist. Das Rundenstrategiespiel bleibt dem Originalspielsystem treu und wirft Euch in eine Welt, bei der es Runde um Runde in den Krieg geht. Keine langwierige Aufbauphase, sondern einfach nur die passende Waffe aussuchen und loslegen.

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Ein Trupp der bösen Chaos-Marines vor dem Beschuss...

Squad Command geht dabei sogar noch einen Schritt weiter. Das komplette Spielsystem wurde vereinfacht. Eure Truppe steht vor jeder Mission fest. Die verschiedenen Waffen und die Munitionsmenge bestimmen die Aktionspunkte Eurer Einheiten. Schnickschnack wie Handgranaten und Spezialfähigkeiten wurden wegrationalisiert. Der Titel richtet sich damit auch an vollkommene Neueinsteiger, die mit der Materie sonst nichts am Hut haben.

Die Story ist klassisches Warhammer-Material: In einer fernen Zukunft ist eine Welt vom Glauben an den menschlichen Imperator abgefallen und der Space Marine-Orden der Ultra Marines muss die Ketzer vernichten. Erzählt wird das Ganze mit stimmigen Zwischensequenzen. In den eigentlichen Missionen geht es aber meist nur um die Vernichtung der Gegner. Hier wäre etwas mehr Abwechslung nett gewesen. Immerhin muss man einmal eine Zielperson beschützen und auch mal eine bestimmte Anzahl von Runden überleben. Trotzdem haben es die Entwickler mit der Vereinfachung vielleicht etwas zu gut gemeint.

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...und danach.

Das Spiel-System erinnert stark an das gute, alte Jagged Alliance. Jede Einheit besitzt eine bestimmte Anzahl von Aktionspunkten, die sie für Bewegungen und Angriffe verbrauchen kann. Wenn Ihr beim Schießen zusätzliche Aktionspunkte investiert, steigt die Treffgenauigkeit. So ist es ohne Probleme möglich, kurz aus der Deckung zu kommen, ein oder zwei Schüsse abzugeben und dann wieder dahinter zu verschwinden. Die Einheiten können maximal zwei Waffen tragen, wobei eine davon unendliche Munition besitzt. Die andere ist früher oder später verbraucht, zusätzlichen Nachschub gibt es nicht.

Dieses System erlaubt viele unterschiedliche taktische Ansätze, die aber eine deutlich geringere Spieltiefe als die Table Top-Variante besitzen. Dafür können selbst Einsteiger innerhalb kürzester Zeit die Regeln erlernen und auch relativ schnell umsetzen. Grundsätzlich gilt es, nach einem Angriff immer Deckung zu suchen und den Gegner mit mehreren Attacken zu Boden zu zwingen. Ein neues Feature sorgt aber immer wieder für unliebsame Überraschungen.

Im Gegensatz zur Konkurrenz ist jeder Gegenstand in dem Spiel zerstörbar. Mit Beschuss durch schwere Waffen kann so die sicher geglaubte Mauer in Schutt aufgelöst und mit den herabfallenden Trümmern Schaden angerichtet werden. Es entsteht so ein spannendes Versteckspiel aus Sichtweite, Deckung und Genauigkeit. Hinter jeder Ecke kann eine neue Gefahr lauern und Aufklärung ist Pflichtprogramm.

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