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15 Jahre Total War - Attila, Arena und Kingdom

Zum Serienjubiläum wird das Total War kräftig erweitert - allerdings auch mit Free-to-Play.

Aus all den spielbaren Fraktionen des mittlerweile neunten Teils der Total-War-Serie habe ich mich für die ostgermanischen Vandalen entschieden. Ein Einstieg aufseiten des ost- oder weströmischen Reiches oder auch der Sachsen wäre sicher einfacher gewesen, aber der neue Horde-Mechanismus des komplexen Strategiespiels hat mich gereizt. Ich verfüge über keine Städte und Festungen, sondern schlage mein Lager auf, wo es mir gefällt. Dort kann ich zwar die Gebäudestruktur erweitern, meine Armeen verstärken und die Lebensmittelproduktion fürs stetig wachsende Volk optimieren, aber wenn ich ein lohnendes Ziel auf dem Weg zur Welteroberung finde, packe ich einfach alles ein und ziehe in die Schlacht. Lasse ich mich allerdings in einer eroberten Stadt dauerhaft nieder, ist es vorbei mit der Barbarenfreiheit.

Total War: Attila - Der Klimawandel sorgt auch in bislang warmen Gefilden für heftige Schneeschlachten.

Meine gesamte Fraktion wird auf einen Schlag stadtbasiert und das Umherziehen und Aufbauen von temporären Camps ist nun keine Option mehr. Zumindest so lange, bis ich die letzte Stadt verloren oder proaktiv aufgegeben habe. Dann darf ich mit meinen Vandalen wieder ohne festen Wohnsitz plündernd durch die Gegend ziehen. Apropos Städte aufgeben: Auch hier stellt Creative Assembly eine Neuerung vor. Sieht die Lage aussichtslos aus, kann ich mich mit meinen Mannen zurückziehen und gehässigerweise verbrannte Erde zurücklassen, indem ich die Stadt dem Erboden gleichmache. Diese Aktion hat den Vorteil, dass der Gegner ein erheblich weniger fruchtbares Gebiet vorfindet, dessen Werte sich nur langsam regenerieren, und meine Fraktion zumindest noch etwas Geld in die Kassen bekommt. Immerhin konnte durch den geordneten Rückzug ja auch einiges an Wertsachen mitgenommen werden.

Total War: Attila - Als spielbare Fraktion vorhanden: Attilas wilde Hunnenhorden.

Überhaupt hat das englische Softwarestudio den neuen Serienableger mit einer ganzen Reihe an Neuerungen ausgestattet. Auch wenn das historisch akkurate Szenario, das im Jahre 395 n. Ch. beginnt, Ähnlichkeiten mit dem Vorgänger Total War: Rome II vorweist, handelt es sich bei Total War: Attila keineswegs nur um eine aufgeblähte Erweiterung. Die dynamische Feuerausbreitung, die Nutzung von Verteidigungsbarrikaden, die Rückkehr von Seuchen oder der Einfluss des Klimawandels, darüber steht in der letzten Vorschau (https://www.eurogamer.de/articles/2014-10-14-total-war-attila-alle-gegen-den-hunnen) so einiges.

Total War: Arena - In dem reinen Onlinespiel könnt ihr einen historischen Feldherrn als Charakter wählen.

Aber es darf ruhig noch ein bisschen mehr sein: Während die Echtzeitschlachten wie gehabt ordentliche Taktiktüftelei erfordern, gibt es im rundenbasierten Aufbausimulationsteil Neues zu vermelden. Denn Gefahr droht nicht nur durch gegnerische Fraktionen und den titelgebenden Attila, der mit seinen Hunnenhorden im Verlauf der Kampagne als Antagonist das Schlachtfeld betritt, sondern auch in den eigenen Reihen. Edelmänner aus der eigenen Fraktion machen euch die Führung streitig und selbst Blutsverwandte aus dem eigenen weit verzweigten Stammbaum trachten nach Macht und Einfluss. Ein komplexes System aus Familienhistorie und internem politischen Management liefert die notwendigen Optionen zum Machterhalt und -ausbau. Einfach einen unliebsamen Gegner beseitigen? Warum nicht. Soll es ja in der Geschichte schon mal gegeben haben. Wer es weniger Game-of-Thrones-mäßig mag, erfüllt Missionen, verheiratet seine Familienmitglieder strategisch klug und ernennt geeignete Personen zu Generälen oder jetzt auch zu Gouverneuren. Kümmert man sich nicht genügend um die interne politische Lage des eigenen Reichs, kann es schnell zum Bürgerkrieg kommen.

Total War: Arena - Bei zehn gegen zehn Spielern, jeder mit drei Einheiten ausgestattet, wird es turbulent auf dem Spielfeld.

Wie sich die Fraktion der Hunnen spielt und ob die technischen Startschwierigkeiten von Total War: Rome II wiederholt werden, wird ein ausführlicher Test zeigen. Ein erstes ausgiebiges Anspielen verspricht zumindest einen vollwertigen Serienteil, der mit Sicherheit Taktiktüftler und geschichtsinteressierte Strategen wieder sehr lange an den PC fesseln wird. Zum 15-jährigen Serienjubiläum beschreitet Crative Assembly neue Wege und schickt gleich zwei weitere Ableger in die Schlacht um die Gunst der Spieler. Schnell und knackig soll es werden. Kurze Runden statt stundenlangen Tüftelns. Und free-to-play soll es auch noch sein. Dabei verfolgen die Spiele Total War: Arena und Total War Battles: Kingdom zwei unterschiedliche Ansätze. Arena ist ein reines Multiplayer-Spiel, eine Mischung aus Echtzeitstrategie und wilder MOBA-(Multiplayer-Online-Battle-Arena)-Prügelei.

Total War Battles: Kingdom - Auch der mobile Ableger fordert euer strategisches Können in den Echtzeitkämpfen.

Das Ziel: In Online-Matches von zehn gegen zehn gilt es, die gegnerische Basis zu erobern. Dazu verfügt jeder Mitspieler über drei Einheiten zu je 500 Soldaten und schlüpft in die Rolle eines historischen Feldherrn wie Caesar, Alexander dem Großen oder Spartaner König Leonidas. Und die ersten Proberunden gefallen. Es geht turbulent auf dem Schlachtfeld zu, wenn sich zehn Spieler auf eine gemeinsame Taktik und die Angriffsziele einigen müssen. Nur mit vernünftiger Kommunikation und Teamarbeit ist ein Sieg möglich. In meiner ersten Proberunde bin ich mit meinen Einheiten, die Total-War-üblich mit einem Linksklick ausgewählt und einem Rechtsklick befehligt werden, wie ein aufgescheuchtes Huhn über das Spielfeld gehetzt und wurde dann tatsächlich von eigenen Einheiten aufgerieben. Denn „Friendly Fire" ist eine Option und das Dümmste, was man machen kann, ist zwischen zwei sich bekämpfenden Truppenteilen hindurchzulaufen. Mache ich nicht noch mal. Nach jedem Match erhält man Punkte, die sich in Ausrüstung, Waffen und Spezialfähigkeiten sinnvoll investieren lassen.

Total War Battles: Kingdom - Um Platz für eure Stadt zu schaffen, könnt ihr Wälder abholzen und Flüsse umleiten.

Definitiv ein interessanter Ansatz für die Serie und dank schneller, kurzer Spiele eine spaßige Angelegenheit. Inwieweit hier der Free-to-Play-Ansatz für erhebliche Geldausgaben sorgt, weil sich spielerische Vorteile erkaufen lassen, muss sich noch zeigen. Sprachliche Kosmetik wurde zumindest schon mal betrieben, denn Creative Assembly nennt Arena einen Play-for-free-Titel. Allerdings mit dem Zusatz, dass Käufe im Spiel, die Individualisierung der Einheiten oder die Schnelligkeit des Weiterkommens betreffend, möglich sind. Der Dritte im Bunde ist Total War Battles: Kingdom. Schon 2012 hat Creative Assembly mit Total War Battles: Shogun eine abgespeckte Version der Serie für iOS und später für Android und Windows präsentiert. Und auch in Kingdom wird im Browser oder auf Tablets - Smartphones sollen noch folgen - munter mittels Hexfeldern aufgebaut und gekämpft. Ihr beginnt als Edelmann in England des 10. Jahrhunderts und macht euch daran, ein eigenes Reich aufzubauen. Die bewährte Trennung von rundenbasiertem Aufbau und Echtzeitkämpfen ist wie gehabt vorhanden und das Spiel könnt ihr über alle unterstützten Plattformen hinweg nutzen. Ihr beginnt eure Karriere im Browser, auf dem Weg zur Arbeit wird auf dem Tablet gespielt und abends geht es auf PC oder MAC an der gleichen Stelle, an der ihr aufgehört habt, weiter. Wenn ihr einfach nicht die Zeit habt, euch stundenlang mit der schieren Menge an Optionen eines Total-War-Hauptspiels auseinanderzusetzen, könnte das eine Alternative sein.

Der Aufbausimulationsteil erinnert an Spiele wie Siedler Online: Ihr rodet Land, legt Brücken und Straßen an, ändert den Lauf von Flüssen und baut euch langsam, aber stetig eine ansehnliche Ansieldung auf. Gegen Banditen und konkurrierende Edelleute schickt ihr eure rekrutierten Truppen in die Echtzeitschlachten. Zwar mit vergleichsweise kleiner Truppenstärke und verringerter Einheitenvielfalt, aber definitiv taktisch anspruchsvoll.

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Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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