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Alt+F40: UFOs, taktische Oger und das erbarmungslose Altern großer Klassiker

Folge 43: Das Ende der "zeitlosen Klassiker" und die therapeutische Wirkung kitschiger Disney-Musik.

Heute stellen technisch ein wenig was um, weshalb ihr ab 15:00 Uhr weder hier noch sonst irgendwo kommentieren könnt. Vielleicht ist das besser so, denn diesmal könnte es wieder ein wenig alterswehleidig werden. Ja, noch wehleidiger als sonst - und weil ich das weiß, muss ich das nicht unter die Nase gerieben bekommen. Aber mal schauen, vielleicht wird es auch gar nicht so schlimm - ich weiß selten genau, wohin meine Gedanken meine Finger schicken werden, während ich die Einleitung in die Tasten haue. Falls euch sonst was auf dem Herzen brennt: Hebt euch eure Kommentare für Montag auf, falls wir dann noch da sind.

Was sonst so passiert ist seit dem letzten Mal? Nicht so viel zum Glück. In Anlehnung an den Musiktipp aus Folge 42 arbeitet mein Fast-Fünfjähriger nach Sichtung seiner ersten beiden Disney-Filme (Encanto - gut! - und Vaiana - supergut!) seit gut drei Wochen schon mal vorab hart an seiner Karriere als Musical-Darsteller. Ich konnte ja nicht ahnen, wie viel Spaß es machen würde, zusammen erbaulich-melancholische Lieder vom Heranwachsen, von Verantwortung und Selbstzweifeln junger Mädchen mit der Haarbürste in der Hand zu schmettern, aber so ist es nun mal. Die Kinder haben lange nicht so gelöst und entspannt gewirkt. Nachmachen schwer empfohlen.

Inhalt


Tactics Ogre, XCOM und warum "Augenkrebs" das kleinste Problem bei Retro ist

Der eine oder andere wird mitbekommen haben, dass ich eine dezente Schwäche für Rundentaktik habe. Die ist aus mir auch nicht mehr herauszubekommen, seit ich 1994 am Amiga buchstäblich die Nächte mit Ufo: Enemy Unknown rumgebracht habe. Später dann auf der PlayStation und schließlich noch mal am PC. Es dürfte in Stunden mein meistgespieltes Spiel sein, wenn man Multiplayer-Games wie Phantasy Star Online, Arma/DayZ oder Hunt: Showdown (aktuell 1060 Stunden) nicht mitrechnet.

Kann man nicht oft genug haben.

Als Taktik-Fan ist man eigentlich in der beneidenswerten Situation, dass die Spiele, die man liebt, entschieden langsamer altern als der Rest. Etwa die Titel der N64-Zeit, die ich vor einer Weile anlässlich des Shadow Man Remasters zur 'verlorenen Spielegeneration' erklärt habe. Obwohl ich schon vor zehn Jahren bei Firaxis' XCOM-Reboot lobend festellen musste, wie viel leichter ein clever designtes, modernes Taktikspiel von der Hand geht - noch dazu, ohne dort, wo es darauf ankommt, an Tiefe einzubüßen - war ich "mein" Genre für mich immer wie Porzellan: zu glatt, hart und unverdaulich für den Zahn der Zeit.

Jetzt ist es aber doch passiert und ich glaube, ich werde künftig immer größere Probleme haben, zu alten Klassikern zurückzukehren. Wie mir das aufgefallen ist? Dieser Tage habe ich noch einmal Tactics Ogre: Let us Cling together auf meiner PS Vita angefangen, weil mir bei Triangle Strategy die Laber-/Kampf-Ratio nicht zusagte. Ich muss zugeben: Ein komplettes Vergnügen war das nicht, und das Alter ist schuld. Sowohl meines als auch das des Spiels. Tactics Ogre selbst kann eigentlich wenig dafür. Tatsächlich ist das schon ein reichlich progressives Spiel. Im PSP-Remake darf man bis zu 50 (!) Züge zurückgehen und etwas anderes probieren, lässt sich das HUD haarklein aufschlüsseln und kann Kämpfe durch Ausschalten von Anführern vorzeitig für sich entscheiden. Allgemein wirken die Möglichkeiten selbst heute noch recht modern. ABER...

Ich denke, ich bleibe dran, an Triangle Strategy.

... man macht trotzdem immer noch regelmäßig einen Klick mehr als man in einem besseren Interface müsste und muss bestimmte Infos extra suchen. Man ärgert sich über niedrige Trefferchancen und -ausbeute, allgemein Aktionen mit wenig Wirkung oder zu lange Wege respektive zu kurze Reichweite der Helden auf den Schlachtfeldern. Einzelne Entscheidungen tragen schlichtweg weniger Gewicht als in modernen Taktierern und ändern deshalb für sich genommen wenig am Verlauf. Das fühlt sich nicht nur unbefriedigend an, es entsteht auch eine taktische Unschärfe, aus der man wenig lernt. Man erfährt zu spät, wenn man auf dem Holzweg war, etwa durch den Verlust einer Figur, den man einer langen Serie von geblockten oder ausgewichenen Angriffen zu verdanken hat. Es sind statische, wenig dynamische Schlachten, die man in Tactics Ogre führt - und das zu erkennen, insbesondere im Kontrast zu großen und kleinen Titeln ähnlicher Denkrichtung (von eben Triangle Strategy bis Fae Tactics) bricht mir das Herz. Es ist schlechtes Spiel - im Gegenteil. Aber es ist ein Kind seiner Zeit - und macht mir heute deshalb entschieden weniger Spaß.

Mich sollte das nicht schockieren, aber daran zu knapsen habe ich doch. Dabei ist es nicht einmal das erste Mal, dass ich diesen Effekt feststellen muss. Bei meiner letzten Rückkehr zu Microprose' eigentlich unsterblichem UFO begann ich gleich die zweite Mission ohne Munition auf gut der Hälfte meiner Soldaten - und beendete sie in einer endlos scheinenden Suche nach dem letzten Sektoiden. So kann man auch seine knappe Freizeit totschlagen! Aber das jetzt bei Tactics Ogre festzustellen, zementiert nun bei mir die Erkenntnis, dass ich mit der Zeit immer mehr alte Lieblinge von meiner "Müsstest du mal wieder spielen"-Liste streichen werden muss. Und das tut ein bisschen weh.

Man sieht Tactics Ogre sein Alter gar nicht an - vor allem nicht, wenn einem Triangle Strategy 'HD-2D' als neuen Stil verkaufen will.

Aber so ist das einfach mit dem Älterwerden. "Quality of Life" schätzt man irgendwann nicht mehr nur in Games, sie ist auch gewissermaßen ein Sinnbild für das eigene Verspießern jenseits der mittleren Dreißiger. Irgendwann sind wir zu alt für Spiele, die unsere Zeit verschwenden - und den größten Spaß aus jeder einzelnen Minute zu pressen, das ist in diesem Medium eine vergleichsweise junge Wissenschaft. Es ist schade, dass sie gewissermaßen Anteil daran hat, dass wir jetzt diesen langen Abschied vom Begriff des zeitlosen Klassikers nehmen müssen. Aber ich schätze, ich werde mit der Zeit lernen, diese Games für das zu lieben, was sie mal waren, nicht für das, was sie heute noch sind.


Weitere Notizen - KW 13/22

Bei Alex in der Rotation:: Ich bin zum Glück immer noch Picard-frei und habe Spaß dabei. Stattdessen habe ich drei Folgen Moon Knight vorab geschaut und muss sagen, ich war selten weniger neugierig darauf, wie es bei einer Marvel-Serie weitergeht. Aber darüber schrieb ich ja bereits. Was Spiele angeht, habe ich gerade einen bildhübschen 2D-Titel irgendwo zwischen Souls und Metroid auf der Platte, über den ich leider erst Mitte April schreiben darf. An dieser Stelle deshalb nur so viel: Ich habe jetzt schon Angst davor, dass die Preview-Version irgendwann zu Ende ist, so gut gefällt es mir nach zweieinhalb Stunden. Ansonsten versuche ich gerade zu begreifen, ob Mechajammer genial ist oder nur so tut. Beides möglich.


Musiktipp der Woche: Arcade Fire - The Lightning I & II Arcade Fire waren die Band, die ich Ende der Nuller bis Mitte der 2010er Jahre gefeiert habe wie keine andere. Sie schlugen für mich immer einen wunderbar berührenden Spagat zwischen Wehmut über das Erwachsenwerden und der fassungslosen Euphorie über die Freiheit, die das mit sich bringt. Reflektor fand ich dann nur noch auszugsweise genial, während ich auf der Everything Now 2017 noch haargenau zwei Songs mochte. Es war ein bisschen viel Drama, all die vertraute Wärme wich einem gut gemachten, aber nicht unbedingt passenden Elektroteppich und einem etwas übertriebenen Hang zu Kirmes und Zuckerwatte. Die beiden neuen Songs, die eigentlich nur einer sind... Ich bin noch nicht sicher, was ich davon halten soll, aber ich schätze, ich bin es dieser Band, die mich so geprägt hat, zumindest schuldig, ihren neuen Sachen eine Chance zu geben. Insofern ist das auch mein Tipp für diese Woche: Lasst uns zusammen rausfinden, ob uns der neue Kram von Arcade Fire gefällt!


Höhepunkt der Woche: Mein Höhepunkt der letzten zwei Wochen war am Samstag vor zwei Wochen, also bekommt ihr jetzt den zu hören. Genauer gesagt war es der ganze Samstag: Erst Dinopark Münchehagen - Fuck yeah! - mit meinem Großen, der die Biester bislang mit derselben Missachtung strafte wie Drachen und andere Fantasiewesen. Für mich als jemand, für den es nichts Cooleres gibt als Dinosaurier, war das bislang DIE Enttäuschung meines Vaterdaseins. Ich glaube, nach dem Besuch hat er es auch begriffen, denn während unseres Besuches dort sagte er immer wieder vor sich hin "so groß waren die also wirklich", als müsste er es sagen, um es glauben zu können. Kurz vor Schluss noch Pommes mit Nuggets und eine faustgroße Deode mit Kristallen zusammen aufklöppeln und dann froh, satt und zufrieden nach Hause. Denn Sony hatte extra für Papa den Release von Spider-Man No Way Home (den ich mir im Kino pandemiebedingt verkniffen hatte) von Dienstag auf Samstag vorgezogen. Danke noch mal dafür! Film war ganz gut, aber allein die Vorfreude darauf war schon die Kirsche auf der Torte dieses schönen Tages.

Zwei Dinosaurier in einem Bild.

Mittelpunkt (?!) der Woche: Alles klar, Forza Horizon 5 hat vielleicht endlich mal ein Progressionssystem bekommen, das ich verstehe, vielleicht finde ich mich jetzt sogar auf der Karte zurecht und zu den Events, die mir die Autos bescheren, die ich haben will. Gestern Abend wollte ich das mal genauer ausprobieren, musste vorher aber noch herausfinden, warum meine Xbox App das Spiel nicht updatete. Als das erledigt war, stand erst einmal Recherche an, warum das Spiel nur in einen schwarzen Bildschirm hinein startete, aus dem es kein Entkommen gab. Als auch das erledigt war, war ich müde und ging ins Bett. Mal schauen, wann ich das nächste Mal Zeit und Lust habe, es mit Forza zu versuchen.


Tiefpunkt der Woche: Ganz einfach: Elden Ring - beziehungsweise die Tatsache, dass ich es immer noch nicht richtig weiterspielen konnte. Immer war es entweder nicht der richtige Zeitpunkt dafür, sich vermöbeln zu lassen (wie etwa gestern, als ich alle Hände voll damit zu tun hatte, nicht Forza zu spielen), oder ich steckte bis zum Hals im Weird West. Es gibt größere Probleme als das, aber Elden Ring ist die Sorte Spiel, bei der man gerne zusammen mit anderen den Hypetrain reitet, den ein außerordentliches Event-Game wie dieses nun mal darstellt. Für mich scheint der irgendwie abgefahren und das finde ich schade.

Tyrannosaurus Rex, um den Maßstab zu verdeutlichen. Ich weiß, Panik! Es ist Zeit für den großen Topf. Das war es vor einem Monat schon.

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Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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