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Anarchy Reigns

Platinums neuester Fausttanz

Eines ist mal ganz sicher: Die Jungs von PlatinumGames sind alles andere als berechenbar. Vier Spiele hat die kreative Truppe aus dem fröhlichen Osaka bisher auf dem Kerbholz, und diese vier Spiele könnten verschiedener kaum sein.

Da haben wir zum Beispiel die Schwarz-Weiß-Klopperei MadWorld auf der Wii. Dann das extrem stylishe und durchgeknallte Actionspiel Bayonetta und mit Vanquish brachte das Team um Atsushi Inaba einen Third-Person-Cover-Shooter heraus, der sich die obligatorischen Online-Modi der West-Konkurrenz sparte und mit den furiosesten Shootouts seit Jahren glänzte. Abgerundet wird dieses Angebot dann mit dem ultrakomplexen Science-Fiction-Rollenspiel Infinite Space das den geneigten DS-Spieler zum Chef einer eigenen Raumflotte macht. Abwechslung ist bei PlatinumGames eindeutig Trumpf.

Wen überrascht es da noch großartig, dass auch der neueste Platinum-Titel wieder Genre-Neuland betritt? Mit Anarchy Reigns (oder Max Anarchy, wie die grobe Endzeit-Schwarterei in Japan heißt) basteln Produzent Atsushi Inaba, Director Masaki Yamanaka und ihr Team an einem reinrassigen Beat'em'Up. Das hat allerdings weniger mit Street Fighter, Tekken und Konsorten gemeinsam als mit ein paar exotischeren und älteren Hauereien aus dem Hause Capcom und Namco.

Edgar Oinkie sieht lustig aus, wenn er in seine Mutantenform wechselt ist mit ihm aber nicht zu spaßen.

Wenn sich bei Anarchy Reigns vier grobe Kämpfer in einer großen, oft mehrstöckigen und frei begehbaren 3D-Arena gegenüber stehen und sich gegenseitig mit schnellen Kombos, wüsten Spezialangriffen oder geworfenen Objekten die Grütze aus dem Schädel hauen, dann werden schöne Erinnerungen an Powerstone auf der Dreamcast oder Ehrgeiz auf der PSone wach.

Eine gute Sache, geriet diese besonders chaotisch-amüsante Variante des Prügelgenres in den letzten Jahren doch zugunsten komplexerer Titel wie Street Fighter IV oder BlazBlue ein wenig in Vergessenheit. Für SEGA und Platinum Games liegt der Hauptfokus des Spiels auf Vier-Spieler-Matches via Internet - und genau die durfte ich auf der gamescom dann auch ausprobieren. Vier Debug-Konsolen waren in SEGAs weitläufigem Fachbesucherstand online miteinander verbunden und warteten auf willige Spieler, SEGAs PR-Team rieb sich schon grinsend und die Hände und freute sich darauf, den gestressten Pressevertretern direkt einmal eine saftige Abreibung zu verpassen.

Die Kamera setzt gerne auch mal die wirklich wichtigen Details prominent ins Bild.

Und das taten sie dann auch - zumindest in den ersten Runden. Doch schnell waren die einfache Steuerung und das schlüssige Spielsystem verinnerlicht und bald war es für mich kein großes Problem mehr, mich in den flüssigen Matches gegen meine erfahreneren Gegner zu behaupten.

Die Regeln sind dabei denkbar einfach. Ein Match dauert fünf Minuten: Jedes Mal, wenn ihr einen Gegner erledigt, gibt es einen Punkt und immer dann, wenn ihr selbst ins Gras beißt, wird euch ein solcher wieder abgezogen. Wer am Ende den höchsten Zähler hat, der gewinnt. Jede Figur hat ihre Energieleiste, die ihr mit typischen Klopper-Aktionen reduziert, dazu könnt ihr auch noch versuchen, eure Gegner aus der Kampffläche zu hauen oder ihnen mit blutigen Spezialmanövern das Lebenslicht auszupusten. Zumindest waren das die Regeln, nach denen auf der gamescom gespielt wurde. Ich gehe mal davon aus, dass PlatinumGames in der fertigen Version des Spiels etliche Regelvarianten anbieten wird, bei Nintendos Super Smash Bros. Brawl ist es ja nicht anders.

In unserer Test-Philosophie findest du mehr darüber, wie wir testen.

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Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.

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