Mit Call of Duty: Black Ops verabschiedet sich Treyarch endgültig von der Realität. Unter dem Deckmantel der Geheimoperationen wird ein Ego-Shooter-Spektakel auf den Bildschirm gezaubert, das vor allem auf Spielspaß setzt. Befreit von den Restriktionen eines historischen Szenarios, ballert ihr mit Explosiv-Armbrüsten, ballistischen Messern, Vierfach-Raketenwerfern und tragbaren Mini-Guns durch die Gegend. Auch wenn Militär-Historiker die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, beweist gerade der frisch in Los Angeles vorgestellte Multiplayer-Modus, dass dieser Wahnsinn einfach funktioniert.

Doch Call of Duty: Black Ops ist nicht nur in diesem Punkt ein Befreiungsschlag. Treyarch emanzipiert sich damit vom großen Bruder Infinity Ward und nimmt erstmals eine ganze Menge Spielelemente aus dem Mehrspieler-Modus von Modern Warfare 2 zurück. Zuallererst mussten die Deathstreaks dran glauben. Die gerade eingeführte Erleichterung für Anfänger war Treyarch einfach zu ineffektiv. „Das Feedback der Community lautete: Weg damit!", erklärt Community Manager Josh Olin diesen ungewöhnlichen Schritt. Stattdessen bietet Black Ops einen Combat Training genannten Modus, der allein oder im Koop Bot-Gefechte ermöglicht und zum Glück ein getrenntes Ranking-System besitzt.

Auch das unsägliche Anhäufen von Kills durch Killstreak-Attacken wurde abgeschafft. Um die extrem starken Spezialangriffe zu aktivieren, müsst ihr euch diese Belohnung selbst erkämpfen. Wenn ihr also zum Beispiel mit dem neuen Napalm Strike vier Gegner auf einmal killt, bekommt ihr nicht plötzlich eine Sentry Gun gestellt. Die Kills werden natürlich weiterhin angezeigt und ihr bekommt die entsprechenden Erfahrungspunkte, aber es wird vor allem euer Skill an der Waffe belohnt und nicht ein geschicktes Ausnutzen der Spielmechanik.

Im Umkehrschluss müsst ihr für die stärkste Killstreak-Attacke, ein voll steuerbarer Hubschrauber, nur 13 Gegner hintereinander um die Ecke bringen. Ohne die Kills aus Luftschlägen und Tiefflugangriffen keine leichte Aufgabe. Neben dem Hubschrauber gibt es mit dem Spionageflugzeug einen Drohnen-Ersatz, aber auch jede Menge neues Material. Zum Beispiel steuert ihr ein mit Sprengstoff beladenes, ferngesteuertes Auto ins Ziel, platziert Mörser-Angriffe und stellt eine Luftabwehr-Rakete auf.

Gleichzeitig bewegt sich die Call-of-Duty-Reihe mit Black Ops weiter in Richtung Ego-Trip. Es wird keine neuen Objective-basierten Spielmodi oder eine erweiterte Clan-Unterstützung geben. Stattdessen sorgen eine frisch eingeführte Ingame-Währung und die dazu passenden Free-for-all-Modi für jede Menge Quake- und Poker-Feeling. Hier geht es nicht um Team-Schlachten, sondern um das Gefecht Mann gegen Mann. Eine Verbeugung vor der auf Solo-Fraggen gepolten amerikanischen Community? „Nein, wir versuchen damit nur, dem Spiel mehr Abwechslung mitzugeben. Teamspieler werden weiterhin mit den bewährten Online-Modi wie Domination und Search & Destroy glücklich. Es geht uns nur um ein abwechslungsreicheres Spielerlebnis", betont Josh Olin. Auf dem Multiplayer-Event jubelten aber hauptsächlich die Amerikaner.

Vor dem Match können alle Mitspieler aber erst einmal die Einsätze erhöhen. Grundsätzlich werden bei jeder Partie 60 CoD-Points von eurem Konto auf den Tisch gelegt. Gelangt ihr unter die ersten drei, werden die eingesetzten Punkte auf die Sieger verteilt. Entscheiden sich alle für eine Erhöhung, geht es um die doppelte Menge. Spielernaturen werden also ihre reinste Freude haben.

Die Ingame-Währung benötigt man für spezielle Waffen und freischaltbare Optionen. Einen kleinen Betrag bekommt man auch bei normalen Gefechten gutgeschrieben, wirklich spannend wird es aber bei den erwähnten Free-for-all-Wager-Matches. Es gibt vier Varianten, die euer Einzelkämpfer-Talent auf die Probe stellen. One in the Chamber ist eine Art Instagib-Variante. Ihr rennt nur mit einer Pistole, mit einer Kugel und einem Messer durch die Gegend. Jeder Treffer ist tödlich und von getöteten Gegnern bekommt ihr ein weiteres Geschoss. Ohne sehr gutes Aiming seht ihr hier kein Land.

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