Warhammer 40K: Dawn of War II - Retribution

Bagg too thee Roooootz

Dawn of War II ist und bleibt ein großartiges Spiel. Doch für viele Fans des ersten Teils war es ein Schlag in die Magengrube. Für sie ist Relic einen Schritt zu weit gegangen. Weg von herausfordernden Echtzeitstrategie-Gefechten, hin zu einem Taktik-Rollenspiel-Mix, der nur wenig mit dem ersten Dawn of War oder Company of Heroes gemeinsam hat. Noch dazu wurden die Basen nahezu komplett gestrichen und auch der Mehrspielermodus in die neue Richtung gedrängt. Eine Operation, die gerade erst Command & Conquer zu Fall gebracht hat.

Relic ist sich dieser Problematik natürlich bewusst. Die Kanadier erkennen, dass sie damit die Fangemeinde praktisch zweigeteilt haben. Einige Spieler, wie meine Wenigkeit, haben die Änderungen mit offenen Armen empfangen, andere haben sich dem Spiel verweigert. Im ersten Add-On wurden die Fans des neuen Weges versorgt. Chaos Rising merzte die vielen kleinen Probleme des Hauptprogramms aus und lieferte grandiose Rollenspiel-Taktik-Action.

Die zweite Erweiterung, Retribution, soll nun die alte Fangemeinde glücklich machen. Es wird zwar auch diesmal keine richtigen Basen geben, aber dafür kann man spezielle Gebäude einnehmen, die eine nachträgliche Änderung an der Zusammenstellung der Einheiten ermöglicht.

Bei Dawn of War II samt Chaos Rising konnte man nämlich herrlich daneben liegen. Einmal nicht genau aufgepasst und schon reitet man mit Infanterie-Spezialisten in die Schlacht, obwohl man auf Panzer trifft. Eine echte SNAFU-Situation, der man sich nur mit einer Notextraktion entziehen konnte. Außerdem werden endlich die Fans der anderen Rassen zufriedengestellt. Es wird sogar zwei neue Parteien geben, vorgestellt wurden aber nur die Freibeuter-Orks. Durchgeknallte Piraten, die plündernd und mordend durch die Galaxis ziehen.

Das Add-On spielt zehn Jahre nach Chaos Rising. Seit den Geschehnissen im Vorgänger kämpfen mehrere Parteien um die Kontrolle. Der gesamte Subsektor Aurelia ist ein Kriegsgebiet. Auch die Blood Ravens sind noch immer vor Ort und versuchen ihre Nachschubwelten zu befrieden. Wie es aussieht, könnt ihr euch diesmal entscheiden, mit wem ihr in den Krieg zieht. Also eine Kampagne wie bei dem Dawn-of-War-Add-On Dark Crusade? Producer Jeff Lydell: „Wir wollen noch nicht allzu viel verraten, aber es wird weitere Kampagnen und Rassen geben. Wie das Ganze genau ausieht, wollen wir an dieser Stelle aber noch nicht verraten." Fest steht nur, es wird keine Zufallsmissionen geben. Alle Aufträge werden wie bei Chaos Rising komplett durchinszeniert.

In der Beispielmission müssen Piratenboss Bloodflagg, Mekboy Nailbrain mit seinem Raketenwerfer, Ork-Commando Spookums mit Flammenwerfer und Stormboy Brikkfist mit seinem dicken Energiehammer auf einem zerrütteten Planeten ein paar funkelnde Eldar-Artefakte klauen. Während im Hintergrund Lavaströme durch eine obskure Felsenlandschaft fließen, stürmt die gröhlende Horde in den Kampf.

Die bierernsten Elfen-Nachfahren versuchen natürlich, der lustigen Truppe den Spaß zu verderben und werfen ihnen Shurikenplattformen, Banshees und später sogar Panzer entgegen. Zum Glück findet Kapitän Buddflagg auf der Karte einen Teleporter, mit dem er zusätzliche Squads herbeirufen kann. Egal ob Panzerknacker, Shootaboys oder Sluggas, sobald ihr auf eine unlösbare Aufgabe stoßt, besorgt ihr euch einfach Nachschub.

Das System erinnert nun viel mehr an den Multiplayer. Strategisch wichtige Punkte einnehmen, um mehr Geld zu bekommen und das Einheitenlimit zu erhöhen. Und dann je nach Opposition das entsprechende Werkzeug zum Aufknacken der Verteidigung heranholen. Später könnt ihr sogar Fahrzeuge einsetzen. Egal ob Deffdread, Looted Tank oder Wartruck, das Spielgeschehen erinnert so viel mehr an ein klassisches Echtzeitstrategiespiel. Auch die Waagh-Energie wird wieder regelkonform berechnet. Umso mehr Orks sich in eurer Truppe befinden, umso stärker werden eure Spezialfähigkeiten. Selbst dicke Eldarwalker sind so kein Problem.

Die Rollenspielkomponente zwischen den Kämpfen gibt es aber weiterhin. Ihr findet auf dem Schlachtfeld Waffen und Ausrüstung, die ihr euren Helden zuweisen könnt. Dicke Energiehämmer, massive Rüstungen und Individual-Teleporter machen eure Helden so nach und nach zu wandelnden Superwaffen. Außerdem gewinnen sie Erfahrung, die ihr in drei unterschiedliche Fertigkeitsbäume steckt. Antatt wie vorher mit viel Leerlauf zu kämpfen, bekommt ihr diesmal für jeden investierten Punkt eine neue Fähigkeit.

Zwei neue Völker, mehrere Kampagnen und ein fetteres Aufgebot: Viel mehr kann man sich von einem Dawn-of-War-II-Add-On eigentlich nicht wünschen. Vor allem Skeptiker bekommen mit den auf dem Schlachtfeld rekrutierbaren Einheiten endlich die strategische Vielfalt, die sie sich schon für das Hauptprogramm gewünscht haben. Und ja, Freibeuter-Orks. Ich bin zwar selbst kein großer Fan der Grünhäute, aber ein drittes Mal mit den Blood Ravens in den Krieg zu ziehen, würde mir ganz schön auf den Senkel gehen. Hoffen wir mal, dass als fünfte Rasse noch die Imperiale Armee dazukommt. Die Panzer-lastige Truppe liegt mir einfach und ich mag fiese Kommisare, die mit einer standesrechtlichen Erschießung die Moral wiederherstellen.

Ich habe aber noch zwei Wünsche an Relic, um mich wirklich komplett glücklich zu machen. Erstens: Neue Maps für den Last-Stand-Modus. Die eine Karte wurde schon nach ein paar Stunden langweilig, hier tut ein Update dringend Not. Zweitens: Ein paar neue Features für den Multiplayer-Modus. Von Clan-Support will ich ja gar nicht erst anfangen, aber zumindest ein paar Online-Turniere würden dem Spiel gut tun. Das Battle.net macht es vor. Wenn Relic jemals die Amerikaner einholen möchte, sollten sie gehörig nachlegen. Vielleicht ist das ja zu viel für eine simple Erweiterung, doch dann spätestens im dritten Teil.

Warhammer 40.000: Dawn of War II - Retribution erscheint März 2011 für PC.

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Kristian Metzger

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