Hey, eine starke Fan-Sippe reicht anscheinend doch aus, um ein so nerdiges Vergnügen wie dem letztjährigen Blood Bowl zum Erfolg zu verhelfen. Zumindest weit genug, denn ich bezweifle einfach mal, dass mit dem Spiel viele Neulinge zu der besten aller möglichen Sportarten bekehrt werden konnten.

Mal davon abgesehen, dass die Mischung aus Fantasy, American Football und komplexem Regelwerk vielen wahrscheinlich doch zu suspekt war, machte es die Umsetzung von den Cyanide Studios Einsteigern mit einem furchtbaren, weil praktisch nicht vorhandenen Tutorial und einer unausgewogenen KI nicht leicht.

Wer hauptsächlich an diesen Kanten scheiterte, darf Ende des Jahres der Legendary Edition noch mal eine Chance geben. Das Tutorial kann sich nun endlich als solches bezeichnen und erklärt wirklich mit Geduld all die kleinen und großen Eigenheiten des komplexen Rundenkampfsports.

Jeder sollte Zugang finden und kann sich dann auch sofort in die größte und spannendste Neuerung im Solo-Modus stürzen. Eine komplette Story-Kampagne wurde entworfen, da man scheinbar ein Einsehen hatte, dass sich einfach nur allein durch die Liga zu kämpfen ein wenig dröge daherkam.

Ihr schlüpft in die Rolle eines leicht abgehalfterten und weitestgehend mittellosen Trainers, der vor allem selbst über die Runden kommen möchte und dessen Teams nur Mittel zum Zwecke der Bareinnahme darstellen. Es beginnt locker mit einer Aufwärmrunde, in der Sieg oder Niederlage keine Rolle spielen.

1
Klein, nicht besonders gemein und eigentlich weiß niemand, was sie hier wirklich verloren haben: Die Halblinge.

Später wird es härter, wenn es heißt, ein eigentlich komplett überlegenes Game doch noch zu verlieren, um die Wetten einzustreichen, oder – und jeder der das Brettspiel kennt, weiß, dass dies eine echte Aufgabe darstellt – mit einem reinen Halbling-Team einfach nur ein paar Runden durchzuhalten und zwar so, dass noch wenigstens einer der Kleinen auf den Füßen bleibt. Oder zumindest noch atmet.

Im Laufe des Trainerweges leitet ihr berühmte Teams aus den Regelbüchern des Originals und ergründet die Ursprünge des eigenwilligen Sports. Irgendwas um die 15 bis 20 Stunden soll dieser Modus einen beschäftigen und es erstaunt, dass er beinahe etwas belanglos am Rande erwähnt wurde. Für mich sah das fast nach einem Grund aus, dem Spiel eine 2 hinter den Titel zu verpassen. Andere Studios hätten da sicher weniger Hemmungen gehabt.

Damit die Story auch Laune macht, muss die KI ausgewogener werden und diesem Thema hat man viel Zeit gewidmet. In meiner kurzen Anspielphase konnte ich das noch nicht en détail ergründen, jedoch war man sich zumindest der Probleme bewusst. Hoffen wir also, dass sie Neulinge nicht mehr überrollt und sich von Profis nicht mehr ganz so leicht auszutricksen lässt.

Was die Teams angeht, hat sich einiges getan. Die Zahl der Rassen katapultierte man kurzerhand von 9 auf alle im Living Rulebook vorhandenen 20. Ob nun Publikumslieblinge wie die Amazonen, Nurglen-Exoten oder Running Jokes – im wahrsten Sinne des Wortes – wie die Halblinge, alle sind dabei und egal was ihr spielen wollt, alle Anpassungen und Untergruppierungen der Vorlage wurden mit eingebaut. Und wo wir schon beim Living Rulebook sind: Natürlich wurden die Regeln und Züge auf den letzten Stand gebracht.

2
Der Tod ist nur der Anfang... einer guten Saison!

Die Zahl der Starplayer erhöht sich ebenfalls und jeder der Stars darf überall mitmischen. Meine favorisierte Kombi: Halblinge und die Zwergenwalze. Ich brauche keine Gegner mehr, ich erledige das ganz alleine... Insbesondere die beiden Untoten, Graf Vlad und Die Mumie, zeigten auf dem Spielfeld auch schon einiges an Details, wobei ihr natürlich die Teamfarben und Flaggen selber definieren könnt. Der Multiplayer und speziell der Turniermodus bleiben weitestgehend so erhalten, auch hier soll es jedoch viel Tuning im Detail gegeben haben und ein paar neue Modi kamen dazu. Mehr darüber, sobald die eigene Spielzeit etwas umfangreicher war.

Als letztes Highlight der Legendary: Dungeon Bowl! Die beste Erweiterung, die es je für ein Brettspiel gab, hat ihren Weg in das Game gefunden. Als wäre es nicht chaotisch genug, mit mordlüsternen Fantasyfiguren Football zu spielen, verlegte man das Ganze in einen fallengespickten Dungeon, komplett mit Spikes in Gruben. Wer es luftiger mag, wählt ein Spielfeld in den nördlichen Eisregionen unter freien Himmel oder an Deck einer übergroßen Galeere. Was man bisher davon sehen konnte, war wirklich niedlich und ein echtes Bonbon für Fans des Games.

Ja, ich hätte das letzte Mal von Blood Bowl mehr erwartet und auch wenn die Enttäuschung nicht zu groß war, glaubte ich nicht, dass es noch eine zweite Chance bekommt. Aber so irrt man sich und Blood Bowl: Legendary Edition macht den Eindruck, als wäre es wirklich das Spiel überhaupt für die Fans. Alles was noch fehlte fand seinen Weg hinein und vor allem nahm man sich wohl der Schwächen des ersten Anlaufs an. Oder war sich ihrer zumindest erst einmal bewusst, aber wie heißt es doch: Problem erkannt, Problem gebannt. Hoffen wir es. Es steht nicht weniger auf dem Spiel als die perfekte Umsetzung des besten Brettspiels überhaupt. Cyanide, legt euch ins Zeug.

Die Blood Bowl: Legendary Edition erscheint Ende 2010 ausschließlich für den PC. Eine 360-Version wird es nicht geben.

Anzeige

Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

Defender, Ringe, 1W6+4, NCC-1701, 8086, Ultima, Cid, SEGA, like tears in rain, B. Guardian, nicht Silmarillion, F. Mercury, PC-Player, Arena, id, Mage, LiveLink, Eurogamer, Chefredakteur...

Mehr Artikel von Martin Woger

Kommentare (0)

Verstecke Kommentare mit niedrigen Bewertungen
Sortierung
Threading

Weitere Inhalte