Apache: Air Assault

Flügel aus Stahl

Mit der schwindenden Bedeutung des PCs als Lead-Plattform ist ein Genre nahezu vollkommen ausgestorben: Die Simulationen. Es werden zwar immer wieder einzelne Vertreter auf den Markt geworfen, aber meist von kleinen Teams mit eben so kleinen Budgets. Der letzte, wirklich große Vertreter war IL-2 Sturmovik aus dem Jahr 2001. Ein vor allem optisch eindrucksvolles Spektakel, das sich auch recht gut verkaufte und 2009 sogar auf den Konsolen landete.

Das Team hinter dieser Umsetzung, das russische Studio Gaijin Entertainment, ein Teil der alten Sturmovik-Entwickler, hat sich nun die schicke Engine geschnappt und liefert mit Apache eine Action-Simulation ab, die sich zumindest ansatzweise an seinen Namensvettern aus den Neunzigern orientiert. In einer umfangreichen Kampagne zieht ihr gemeinsam mit einem Co-Piloten in einen fiktiven Krieg. Irgendwas mit südamerikanischem Dschungel, Mittlerer Osten und Sibirien. Die übliche Soße aus Weltpolizei, Spezialeinheiten und Terroristen. Oder waren es Separatisten? Irgendwie komme ich bei den ganzen -isten durcheinander.

Im Fokus des Gameplays soll aber die Koop-Erfahrung stehen. Einer lenkt den Apache-Kampfhubschrauber, der andere bemannt die Bordkanone. Im Notfall geht es zwar auch mit einer KI, doch allzu viel sollte man dem Computer nicht zutrauen. Immerhin: Wenn ihr offline loszieht, könnt ihr während des Gefechts den Sitzplatz wechseln. Der Hubschrauber bleibt währenddessen im Auto-Hover-Modus genau dort, wo ihr ihn abgestellt habt. Mit der 30MM-Chaingun könnt ihr dann in Ruhe leuchtende Flecken auf der Wärmebildkamera zersieben.

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Wunderschönes Wasser rundet den erstklassigen grafischen Eindruck ab.

Zum Glück werden die Menschen im Vergleich zur restlichen Umgebung relativ grob dargestellt und euch bleiben Splattereffekte erspart. Diese Reduzierung auf das Wesentliche hat aber auch einen Nachteil: Während der Titel im Kampf selbst durch glaubwürdige, hochaufgelöste Landschaften, schicke Grafikeffekte und einen brachialen Sound auftrumpft, merkt man den Story-Videos das relativ kleine Budget an.

Speziell die Charaktermodelle sind eine Katastrophe. Grob, mit mageren Texturen und schwachen Animationen versauen sie einem auf den ersten Blick die Stimmung. Mein Tipp an die Entwickler: Beim nächsten Mal einfach weglassen oder nur Fahrzeuge zeigen, bei so einem Action-Feuerwerk braucht keiner herumlaufende Mechaniker und steife Generäle. Das ging bei den alten Heli-Simulationen auch einfacher.

Die Hauptdarsteller des Spiel, die Hubschrauber, wurden dafür mit umso mehr Liebe zum Detail umgesetzt. Jede Schraube, jedes Rotorblatt und jede Niete ist auf dem Texturkleid zu sehen. Im Standard-Modus betrachtet ihr euer Schmuckstück aus der Third-Person-Perspektive. Ihr könnt aber auch auf Ego-Sicht umschalten und sogar das Coockpit ausblenden. Die gegnerischen Panzer und die herumstehenden Gebäude kommen dagegen etwas einfacher daher. Aber anders lassen sich wohl Dutzende Einheiten und die hübschen Waldareale kaum umsetzen.

Insgesamt wird die Kampagne 16 Missionen bieten und diverse Apache-Varianten. Von bewaffneten Aufklärern über reine Bodenkämpfer bis hin zu Allroundern. Zu sehen gab es zwei Missionen. Die Erste führt euch in eine verschneite Berglandschaft. Eure Basis wird angegriffen und ihr müsst aufsteigen, um die angreifenden Bodentruppen aufzuhalten. Interessant: Es gibt zwei unterschiedliche Flugmodelle. Die vereinfachte Form mit simpler Mechanik und etwas eingeschränktem Bewegungsradius und eine simulationslastige, sehr anspruchsvolle Variante, mit der ihr komplexe Bewegungsmuster in den Himmel zeichnet.

Auch auf die Munition haben diese Einstellungen einen Einfluss. Auf Arcade müsst ihr euch kaum um den Nachschub kümmern. Es wird geballert, bis die angreifenden Panzerverbände nur noch als Altmetall-Blumentöpfe ihren Dienst tun. Im realistischen Modus müsst ihr dagegen schon mal zur Basis zurückfliegen und Nachschub besorgen. Neben zielsuchenden Hellfire-, ungelenkten Hyrda-Raketen und der Bordkanone gibt es auch Spezialattacken, die einen richtigen Raketensturm auf die Ziele niederregnen lassen. Diese Angriffe besitzen einen Cooldown und führen das Spiel weiter weg von einer richtigen Simulation. Es geht hier klar um Action, selbst wenn sich der stählerne Vogel im Realismus-Modus einigermaßen anspruchsvoll fliegt.

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Kristian Metzger

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