Wird heute ein neues Spiel angekündigt, dann werden den wartenden Fans für gewöhnlich sämtliche Features, Plot-Elemente, Figuren und Gameplay-Besonderheiten Stück für Stück im Wochenrhythmus kredenzt und nicht selten hat man schon vor dem Release das Gefühl, das Spiel bereits zu kennen und eigentlich alle relevanten Informationen über einen neuen Titel zu besitzen, sodass das eigentliche Spielen dann fast schon zur Form- und Nebensache wird.

Bei The Last Guardian ist das bisher nicht so, hier jammern und flehen die Fans geradezu nach jedem kleinen Fitzelchen an Information. Bisher aber hielten Fumita Ueda und seine Leute dicht. Man kennt den Namen, hat einen kurzen Trailer gesehen, aber ansonsten? Nichts, nada, null. Und mal ehrlich, gibt es einen effektiveren Weg, die Spannung für den neuen Titel der Macher der PS2-Kultspiele Ico und Shadow of the Colossus zu schüren? Wohl kaum. Und so war denn die Freude groß, als Fumita Ueda und sein Team sich auf der diesjährigen Tokyo Game Show endlich mal ein wenig in die Karten sehen ließen und ihr PS3-Debüt ein etwas eingehender präsentierten.

Immer noch offen ist dabei der Name des unendlich niedlichen Wesens, das neben der jungen Hauptfigur der eigentliche Star des Spiels ist. Heißt die Mischung aus Greif und Riesen-Kätzchen nun Trico? Oder ist dieser Name eher aus der üblichen Japanisch-zu-Englisch-Sprachverwirrung entstanden? Immerhin muss Trico - oder Toriko, wie ein gebürtiger Japaner den Namen ausspricht - nicht unbedingt der Name der Kreatur sein! Es könnte auch ein zusammengesetztes Wort aus Tori, japanisch für Vogel, und Neko, dem japanischen Wort für Katze sein – also quasi eine Vogelkatze. Oder ein Katzenvogel. Oder so ähnlich.

Über den eigentlichen Spielverlauf kann man immer noch nicht allzu viel sagen. Sicher ist aber, dass der Spieler wohl in die Rolle des (bisher) namenlosen Jungen schlüpfen wird und früh im Spiel das ebenso große wie niedliche Tier aus der Gefangenschaft befreit. Anfangs begegnet das gewaltige Jungtier ihm noch mit einer ordentlichen Portion Misstrauen, aber nach und nach legt sich das: Der Junge füttert es, spielt mit ihm, zieht ihm die Speere der lästigen Wächter aus dem Rücken und nach und nach beginnen die beiden, sich zu verstehen. Trotzdem behält euer gefiederter Freund dabei stets seinen eigenen Kopf.

Ähnliche Elemente gab es schon bei den Vorgängern: Für den Helden von Shadow of the Colossus war sein Pferd Agro nicht einfach nur ein praktisches Fortbewegungsmittel und bei Ico war es mindestens eine genauso große Herausforderung, die eigensinnige Yorda wohlbehalten durch das verfallende Schloss zu bugsieren, wie selbst zu überleben. Und jetzt stellt euch Yorda als riesigen jungen Greif mit rasiermesserscharfen Klauen vor... ihr werdet mit eurem neuen Freund also jede Menge Freude haben.

Eine überraschende Unschlüssigkeit legte Ueda bei der Frage an den Tag, ob denn The Last Guardian nun in der gleichen Welt wie Ico und Shadow of the Colossus spielt: Noch sei nichts entschieden, man befinde sich ja immer noch in der Entwicklung und werde sich dieser Frage im Laufe des nächsten Jahres annehmen. Eine durchaus überraschende Antwort für all jene, die der festen Überzeugung sind, dass Ueda-san einen in Stein gemeißelten Masterplan für eine vermeintliche Spielereihe in seiner Schreibtisch-Schublade aufbewahrt.

Deutlichere Worte findet er aber im Bezug auf das Ende des Spiels: Seit das erste Video ins Internet geleaked ist, herrscht unter den Fans Einigkeit. Das Tier ist so liebenswert und wird dem Spieler so sehr ans Herz wachsen, dass das Spiel eigentlich nur traurig – also entweder mit dem Tod des Jungen oder dem Tod der Vogelkatze – enden kann. Hier bittet Ueda die Fans abzuwarten: Natürlich wird er nicht verraten, wie die Geschichte um die beiden ungleichen Freunde endet, aber Ueda bittet die Fans, offen für alles zu sein – es sei noch nicht abzusehen, in welche Richtung die Geschichte sich entwickelt.

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Über den Autor:

Thomas Nickel

Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.