Battle vs. Chess

Schlachten! Action! Gewalt! Sex!

Wie stimmt man auf einen Schach-Text ein? Schwierig, aber immerhin wurde die erste Hürde überwunden. Obwohl das Wort „Chess", also Schach, im Titel steht, habt ihr draufgeklickt. Jetzt heißt es auch noch die Leute dazubehalten, die nicht wussten, wie man Schach auf Englisch schreibt und so aus Versehen hier landeten. Lasst euch sagen: „Battle" heißt „Schlacht". Schlachten in Games sind doch viel cooler als Schach, oder? Ihr wollt doch Schlachten. Hier gibt es heiße Schlachten! Und Action! Und Gewalt! Und Sex!

So, das sollte reichen, um euch vielleicht durch den nächsten Satz zu bringen, selbst wenn klar sein dürfte, dass das mit dem Sex komplett gelogen war: Um Battle vs. Chess spielen zu können, müsst ihr zumindest alle Grundregeln von Schach beherrschen, sonst macht das alles hier wenig Sinn.

Hattet ihr im Gegensatz zu mir keinen Großvater, der euch diese beibrachte, als ihr fünf wart, und immer so tat als würde er weggucken, wenn man grad schummelt, springt Battle vs. Chess gerne in diese Rolle. Ein geduldiges und nett gemachtes Tutorial zeigt euch, wie Figuren in diesem uralten Spiel ziehen und wie sie schlagen. Ich hab in meinem Leben schon ein paar Einführungen in Schach gesehen und das hier ist eine der besseren.

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Jeder Schach-Fan weiß, dass es nach der hübschen Action in die 2D-Sicht zurückgeht. Zumindest wenn man gewinnen will.

Habt ihr das Grundwissen parat, geht es in einen der erstaunlich vielen Spielmodi, die man in dieses Game stopfte. Ganz ehrlich, es fällt schwer, sich vorzustellen, was noch in einem Schach-Game hätte drin sein sollen. Geht es um die schiere Kreativität, was sich alles mit 8*8 Feldern und 32 Figuren in zwei Farben anstellen lässt, dürfte hier das meiste drin sein, was sinnvoll möglich ist.

Als Erstes wäre da natürlich das ganz banale Schachspiel selbst. Keine Sonderregeln, wählt eines der etwa zehn Bretter in charmanter Fantasy-Himmel-Hölle-Umgebung aus, dazu einen der zehn Schwierigkeitsgrade, die zu spielende Seite und auf geht es. Wer noch Battle Chess von vor einigen Äonen kennt, dem kommt der optische Ansatz dieses Nachfolgers im Geiste bekannt vor. Treffen in 3D zwei der hübsch designten Figuren aufeinander, wird in einer Kampfanimation gezeigt, was den Verlierer erwartet. Zwei Unterschiede trennen jedoch Battle vs Chess deutlich von seinem Vorfahren: Es ist bei der Gewalt deutlich zurückhaltender, weder Köpfe noch andere Gliedmaßen fliegen – :-( – und Battle vs. Chess kann durchaus gut Schach spielen.

Die Engine hinter den Zügen ist die bekannte Fritz und bringt auf den höheren Leveln auch erfahrene Spieler schnell in Bedrängnis. Aber nicht erschrecken, auf den untersten Stufen hat jeder gute Chancen. Was die Optik angeht, gilt hier wie bei jedem Programm dieser Art, dass 3D zwar nett, aber 2D der Weg zum Sieg ist. Und so darf man jederzeit per Knopfdruck in eine ebenso nüchterne wie übersichtliche Draufsicht schalten. Wer unbedingt die Action nicht verpassen möchte, kann ja wieder zurückgehen, nachdem er einen Überblick über die Lage gewonnen hat.

Als Nächstes kommen die Schachprobleme. Das sind Aufstellungen auf einem Brett, bei denen man in einer bestimmten Zahl von Zügen zum Matt kommen soll oder eine bestimmte Figur schlagen soll. Die Klassiker, unterteilt in einfach und komplex, sind recht handelsüblich, die „1-Zug"-Variante kannte ich dagegen noch nicht.

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Dame schlägt Bauer.

Ihr habt ein Zeitlimit von 100 Sekunden, in denen ihr so viele Aufstellungen wie möglich lösen müsst. Immer habt ihr eine Figur am Zug, immer lassen sich mehrere Figuren schlagen, nur eine jedoch ungedeckt und damit risikolos. Findet sie schnell und ihr bekommt Bonuszeit. Man bekommt bei diesem Spiel einen guten Blick für gedeckte Figuren. Unterhaltsam und sehr nützlich.

So weit die Pflicht, jetzt die Kür: Was Battle vs. Chess hier auffährt, kann sich sehen lassen. Als Erstes wäre da die Story-Kampagne. Wie? Story-Kampagne? Hier geht es doch um ein Schachspiel. Richtig. Und eigentlich ist Schach ja nichts anderes als eine Repräsentation des endlosen Kampfes von Gut gegen Böse, Himmel gegen Hölle, Metal gegen Hip Hop, Gandalf gegen Saruman. Und beide Seiten bekommen hier zehn Missionen mit ein wenig Begleittext als Flavour. Es beginnt leicht mit Aufstellungen, in denen ihr die Oberhand habt, und führt zu finalen Konstellationen, die euch mit deutlich schlechter gestellten Figuren und auch noch in Unterzahl antreten lassen. Technisch gesehen ist das auch nichts anderes als ein konstruiertes Schachproblem, aber mit Story, Achievements für niedrige Zugzahlen und Fantasy-Ambiente wirkt es halt viel epischer.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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