Deep Black

Land unter

Russische Entwickler mögen es ja gern ein wenig deftiger, ein wenig mehr Hardcore. In einem Markt, in dem Konsolen praktisch kaum stattfinden und sich die Leute begeistert auf Nischenthemen wie World of Tanks, Flugsimulatoren und realistische Echtzeit-Taktik-Spiele stürzen, wirkt deshalb selbst ein Metro 2033 wie ein Casual-Game. Umso erstaunlicher, dass mit Deep Black ein waschechter Third-Person-Shooter mit Deckungsmechanik und Wassersimulation im Westen landet. Entwickelt von den Biart Studio, wird die PC-Version des ursprünglich als U-Wars vorgestellten Action-Spiels vom neu gegründeten Publisher Just a Game veröffentlicht, während 505 Games sich um die Konsolen-Varianten kümmert. Ein ungewöhnliches Joint-Venture, das zumindest auf den ersten Blick Früchte trägt.

Zur eigentlichen Story gibt es noch wenig Informationen. Als Teil einer Anti-Terror-Einheit müsst ihr Bio-Terroristen das Handwerk legen. Diese pfuschen irgendetwas an den Weltmeeren herum und besitzen dementsprechend auch eine Unterwasser-Basis. Im Pre-Alpha-Demo-Level galt es, genau diese zu infiltrieren. Gut, dass der Protagonist mit einem schick designten Spezialanzug herumläuft, der für den Unterwasser-Betrieb mit Jet-Triebwerken ausgestattet ist.

Die Demo beginnt in einem recht gewöhnlichen Videospiele-Industriegebiet. Sich stark wiederholende Texturen und mittelmäßige Effekte zeugen noch nicht von Star-Qualitäten. Im Gegensatz zu den schicken Screenshots wirkt das Spiel hier noch etwas generisch. Hey, aber wie schon gesagt, das ist eine Alpha-Version und das Wasser sieht im Gegensatz dazu fantastisch aus. Nach ein paar ersten Schritten an Land, einem Waffentest und der Erklärung der Deckungsmechanik geht es dann auch gleich ins kühle Nass. Lichtschächte durchbrechen den trüben Wassergraben, Kisten schwimmen herum und verpassen dem Zugang zur Basis einen schön dreckigen Touch.

Wie damals in dem phänomenalen Descent könnt ihr euch, angetrieben durch Jet-Triebwerke, frei im Raum bewegen. Das Gefühl, wirklich im Wasser zu schweben, stellt sich aber noch nicht ein. Zu gerade, zu weltraummäßig sind die Bewegungen. Strömungen drücken euch zwar bei bestimmten Stellen nach hinten, trotzdem ist das Ganze noch nicht organisch genug. Neben euren drei Startwaffen, einem klassischen Sturmgewehr mit Unterwasser-Modus, einer Schallschrotflinte (Viel stärker Unterwasser) und einer simplen Pistole seid ihr mit einer Harpune ausgerüstet, die mit eurem Zentralrechner verbunden ist. Ihr benutzt sie nicht nur, um Gegner ins Wasser zu ziehen, sondern auch um Türen und Roboter zu hacken.

Der Eingang zur Basis ist nämlich mit einer Schleuse versiegelt. Einfach anvisieren, Harpune abschießen und so lange im Fokus halten, bis sich die Tür öffnet. Anschließend gibt es erst einmal einen Sog, den ihr nur mit der Turbo/Sprint-Funktion überwinden könnt. Auf der anderen Seite tauchen dann endlich die ersten Gegner auf. Genauer gesagt ein Unterwasser-Roboter, der Mikro-Raketen verschießt. Hier bleiben euch zwei Optionen: 1. Ihr hackt das Teil und lasst euch von ihm beschützen. 2. Ihr jagt ihn in die Luft und schwimmt einfach weiter. Doof nur, wenn ihr das nicht rechtzeitig hinbekommt. Denn dann taucht eine zweite Blechdose auf und nimmt euch in die Zange.

Danach ging es endlich in die Basis, an deren Eingang praktischerweise eine Gatling-Gun platziert wurde. Beleuchtet durch starke Scheinwerfer und instand gehalten durch fleißige Wartungsroboter, erstreckt sich der Unterbau der Basis vor euch. Rohre, zarte Pflanzen und immer wieder Verteidigungsdrohnen vermiesen euch die entspannte Sightseeing-Tour. Ihr hackt Roboter, ballert ein wenig herum und arbeitet euch immer weiter vor. Im fertigen Spiel stehen neben der Action kleine Physik-Rätsel im Vordergrund. Ihr müsst Kisten richtig platzieren, Wasser ablassen und ähnlichen Kleinkram.

Nach ein paar Minuten nähert ihr euch dann wieder der Wasseroberfläche. In einem aufsteigenden Schacht patroullieren Wachen am Einstiegsloch. Auch hier stehen euch wieder unterschiedliche Optionen zur Auswahl. Ihr könnt die Wachen mit einer Harpune ins Wasser ziehen und sie mit einem Quick-Time-Event, das aktuell noch einige Probleme bereitet, besiegen, sie einfach vom Wasser aus abknallen oder über ihren Köpfen einen Gastank zur Explosion bringen. Geschützt durch das Meer, könnt ihr entspannt zuschauen, wie eure Gegner durch die Gegend gewirbelt werden. Die passende Explosion sah zwar etwas schwach aus, aber ihr wisst schon: „Es ist ja nur eine Alpha."

So weit, so flüssig – Verstanden? Flüssig, Wasser, witzig. Wieder an Land, wirkt euer Held dagegen etwas unbeholfen. Eigentlich kann man per Knopfdruck Deckung suchen, aktuell funktioniert das aber nur an sehr wenigen Orten. Auch Animationen, Waffenhaltung und die Gegner wirken noch unfertig. Einfach mit eurer Waffe auf den Froschmann halten, der eher verzweifelt nach Deckung sucht, und schon geht es weiter in den nächsten Teich. Wieder einen Schacht hinab, wo ihr Minen mit dem Schall-Gewehr ausschalten müsst, bis hin zu einer großen Unterwasser-Halle, in der euch ein noch größerer Endgegner Marke Kampfroboter erwartet. „Das Besondere: Die Endgegnerkämpfe spielen sich immer anders", erklärt mir der Projektleiter. Schade, dass ich das nicht selbst ausprobieren kann. Die Demo ist nämlich genau an dieser Stelle leider zu Ende.

Ach ja, insgesamt warten 30 Levels für ca. 39,99 Euro auf euch. Und neben dem Unterwasser-Gameplay wird es auch ein Jetpack geben. Ihr seid also zu Lande, zu Wasser und in der Luft unterwegs. Neben der Singleplayer-Kampagne gibt es einen Multiplayer-Modus, der sich natürlich „gaaanz anders" als bei der Konkurrenz spielt. Lustigerweise könnte dies durch die Unterwassermechanik sogar ausnahmsweise mal stimmen. Mehr Infos folgen.

Für einen russischen Titel ist Deep Black überraschend zugänglich und bietet mit den Unterwasser-Kämpfen sogar ein Alleinstellungsmerkmal. Außerdem geben sich die Entwickler bei der Spielmechanik wirklich Mühe und wollen ganz unterschiedliche Elemente bieten, um nicht allzu schnell Langeweile aufkommen zu lassen. Action, Rätsel und interessante Waffen sollen hier den Unterschied machen. Ob das am Ende aber wirklich gelingt, lässt sich aktuell noch schwer abschätzen. Ja, die Grafik sieht für Pre-Alpha ganz ordentlich aus und die Unterwasser-Kämpfe sind schon sehr spaßig. Doch um sich im überfüllten Markt der Third-Person-Shooter zu behaupten, muss Biart noch eine Menge Polishing betreiben. Insbesondere was Animationen, Deckung, Gegnerverhalten, Waffenfeedback und Physik anbelangt, befindet sich der Titel noch nicht auf Augenhöhe mit der Konkurrenz. Es ist aber noch ein halbes Jahr Zeit und die Ansätze sind da. Also Daumen drücken, vielleicht wird es ja was.

Deep Black soll im Frühjahr 2011 für Xbox 360, PS3 und PC erscheinen.

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Kristian Metzger

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