Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn • Seite 2

Abenteuer für die ganze Familie

Während Figuren wie Gimli und Gandalf stark stilisiert wurden und fast schon ein wenig karikaturhaft wirken, sieht der fesche Legolas fast schon zu sehr wie Orlando Bloom aus. Man fragt sich dann doch, woran das liegt? Ist das Antlitz des Herrn Bloom so austauschbar, dass man einfach keine Charakteristika zum Übertreiben findet? Oder brachte es der Charakterdesigner nicht übers Herz, die Figur zumindest ein wenig auf die Schippe zu nehmen? Seltsam, seltsam.

Noch seltsamer ist allerdings der Filter-Einsatz. Und hier kommt jetzt handfeste Kritik - auf den Unschärfe-Filter beim Rennen hätte das Headstrong-Team mal lieber verzichtet. Der sorgt nämlich nicht für Dynamik und Geschwindigkeitsgefühl, er lässt die eigentlich knackscharfe Grafik einfach nur matschig wirken.

Und aus irgendeinem Grund scheint auch ein Filter über das Menü gelegt worden zu sein. Icons und Schrift erscheinen so unscharf, dass es wahrlich keine Freude ist, auf die Karte zu schauen oder Informationen zu lesen. Fast fühlt man sich wie in alten N64-Zeiten - trotz HD-Fernseher und Komponenten-Anschluss.

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Die Figuren werden in einem stilisierten Comic-Look dargestellt, sind aber trotzdem immer noch gut zu erkennen.

In der PS3-Version ist das Menü-Problem zum Glück behoben, dafür bringt diese Fassung aber ein paar neue Unzulänglichkeiten mit sich. Klar, die Grafik ist auf der ungleich potenteren Sony-Hardware zwar schärfer und klarer, aber nicht unbedingt schöner! Stattdessen wirkt so manches direkt von der Wii übernommene Szenario etwas kahl und leblos, auch die Figuren lassen es auf der HD-Konsole ein wenig an Details vermissen.

Schwerer wiegen auf der PS3 aber die technischen Schlampereien. Zum einen erkennt hier sogar der Laie immer wieder auffällige Tearing-Effekte, zum anderen ist die Steuerung auf der PS3 einfach nicht so griffig wie auf der Ursprungs-Plattform. Während eure Figur auf der Wii eure Wiimote-Bewegungen unverzüglich und akkurat umsetzt, ist auf der PS3 stets eine leichte Verzögerung spürbar. Ihr bewegt den Move-Controller und erst einen kurzen Moment später führt euer Bildschirm-Avatar die gewünschte Bewegung auch aus. Dank des niedrigen Schwierigkeitsgrades habt ihr davon zwar keinen echten Nachteil, aber die weniger griffige Steuerung kostet das Spiel schon einen Teil des Spielspaßes. Hier bestätigt sich eben doch wieder eine alte Weisheit: Ein Spiel ist stets auf der Hardware am besten, für die es ursprünglich entwickelt wurde, selbst wenn man es auf ein ungleich stärkeres System portiert.

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Mit dem Schild wert ihr nicht nur gegnerische Schläge ab, ihr könnt Gegner auch damit stoßen und ihre Deckung öffnen.

Ich möchte es noch einmal betonen. Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn ist gutes, kurzweiliges Spiel, das sich primär an junge Spieler richtet. Verspeist ihr Zelda-Abenteuer zum Frühstück und sind Kratos, Dante, Gabriel Belmont und all die anderen Prügelknaben regelmäßige Gäste in euren Laufwerken, dann werdet ihr euch unterfordert fühlen und gehört ihr definitiv nicht zur Zielgruppe von Aragorns hübsch gemachtem Abenteuer.

Aber ähnlich wie die zahllosen LEGO-Titel können auch ältere Spieler ihren Spaß in dieser ganz speziellen Inkarnation von Mittelerde haben - pocht ihr nicht eisern auf einen hohen Schwierigkeitsgrad und übermäßige Komplexität, dann wird euch diese ganz eigene Adaption des Herrn der Ringe für einige Stunden gut unterhalten. Entscheidet ihr euch allerdings für den Kauf des neuen Herr-der-Ringe-Titels, dann solltet ihr definitiv zur Wii-Fassung greifen, selbst wenn ihr eine PS3 inklusive Move-Controller unter der XXL-Glotze stehen habt. Tearing und Kontrollverzögerung wirken da einfach schwerer als die schärfere Grafik der HD-Fassung.

Wii:

7 /10






PlayStation 3:

6 /10

Der Herr der Ringe: Die Abenteuer von Aragorn ist ab sofort für PS3 und Wii im Handel erhältlich.

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Über den Autor:

Thomas Nickel

Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.

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