Ion Assault

WASD ist kein Twin Stick

Na geht doch. Eigentlich sollte dieses PC-Review des kleinen Ballergames aus deutschen Landen zuerst ganz anders starten. Nämlich mit einer langen Tirade, dass zu einem Twin-Stick-Shooter eine Steuerung mit zwei Sticks gehört. Während Ion Assault genau das auf der Xbox 360 bietet – wie sollte es das bei dem Pad auch verpassen? – lenkte man auf dem PC anfänglich nur mit Maus und Tasten. Und selbst wenn da draußen ein paar eingefleischte Verteidiger des wahren PCs ihrerseits die Dummheit aller anderen lautstark in Foren herausposaunten, gab die Masse der Gegenstimmen doch ein eindeutiges Bild der Lage ab. Maus und Keyboard sind kein Weg, um ein kleines Raumschiff durch Billionen von Partikeln zu lenken. Also folgte nach einigem Hin- und her der Patch, damit Pads auf PCs nicht außen vor bleiben und alles wurde gut.

Die Alternative zur dringend angeratenen Pad-Steuerung hat einfach das Problem, dass die WASD-Tasten nun einmal digital reagieren und so auch das Schiff beschleunigen. Statt graduell auf Touren zu kommen, was auch nur eine halbe Sekunde dauert, gibt es hier einen heftigen Ruck in eine von acht Richtungen, was ebenfalls theoretisch unendlich und praktisch 30 oder 40 zu wenige sind. Was dagegen ganz ordentlich klappt, ist das Ausrichten des Schusses per Maus. Nur nicht zusammen mit gleichzeitigen Steuerbewegungen, was ein sicheres Rezept für verrissene Schüsse, Konfusion und Zusammenstöße mit Asteroiden darstellt.

Wie gesagt, es gibt da draußen ein paar Leute, die auf diese Steuerung schwören, aber es ist schon bezeichnend, dass der Entwickler die Pad-Kontrollen zuerst wohl deshalb außen vor ließ, weil damit die Spieler einen ungerechten Vorteil gegenüber den Keyboard-Künstlern hätten. Das ist nicht aus der Luft gegriffen. Schon in den ersten Levels verlor ich anfangs fast alle Leben, auch nach zwei Stunden wurde das nur minimal besser. Ich sage ja, immer, dass man sich an alles gewöhnen kann, aber das hier kann doch nicht richtig sein.

Habt ihr ein Pad am Start, sieht es gleich alles ganz anders aus. Ion Assault erreicht nicht ganz die Klasse und Eleganz der Vorbilder, wie Geometry Wars, liegt aber auch nur knapp dahinter. Mit zwei Sticks kommt genau das richtige Arcade-Gefühl wie auch schon auf der Xbox-360-Version des Shooters auf. Die Grundidee ist Asteroids, nur, dass hier der Weltraum mit Unmengen an winzigen Partikeln gefüllt ist. Diese sammelt ihr um euer Schiff und entladet sie in die Richtung, in die der zweite Stick zeigt. Spielt sich ein wenig gewöhnungsbedürftig, zumal es sich durch die rechte Stickbewegung um die eigene Achse dreht und nicht sofort in die Richtung schießt. Nach einer halben Stunde hat man das ganz gut im Blut, aber ich würde nicht ständig zwischen diesem Spiel und Geometry Wars wechseln wollen. Hat man sich in das eine eingelebt, braucht man für die Umstellung halt erst mal ein wenig Zeit.

Um euch herum schwirren in den recht übersichtlichen Stages jede Menge Asteroiden. Habt ihr alle zerstört, geht es einen Stage weiter. Die Feinde sind nur eine Ablenkung und ihr müsst sie nicht abschießen, aber da unterschiedlichste Formationen und Typen euch schnell ziemlich dicht auf den Pelz rücken, solltet ihr ihnen trotzdem die Ehre erweisen. Kleinere zerschellen schon an dem von euch gesammelten Ionen-Sturm um das Schiff, andere sind weit hartnäckiger als das Gestein. Als hilfreich entpuppen sich dabei die Grenzen des Levels, von denen ihr selbst abprallt, aber auch euer aufgeladener Schuss, sodass ein Billard-Effekt entstehen kann. Das ist jetzt kein so großer Twist im dahinterliegenden Arcade-Konzept und die Extras sind etwas lahm, der Level-Aufbau jedoch, die tadellose Steuerung – zumindest mit Pad – und die Idee, aufzuladen statt nur zu ballern, erzeugen genau den gewünschten Sucht-Faktor.

Wenn man Ion Assault etwas vorwerfen möchte, dann ist es zum einen wohl die Kamera, die einem in zugerümpelten Stages ein wenig mehr vom Spielfeld zeigen könnte und zum anderen die schiere Masse an Effekten. Es kommt gerade in höheren Leveln häufiger vor, dass man keine Ahnung hat, was einen gerade erwischt haben könnte. Schuss? Asteroid? Nur der Ausgang des Kontaktes ist sicher. An der hohen Motivation, trotzdem gleich noch einmal durchzustarten, ändert das jedoch nur wenig. Schade, dass man auf der Xbox bereits nach wenigen Stunden durch die Kampagne durch sein wird. Danach bietet sich noch ein Survival-Modus an. Ja, kann man spielen, jedoch sind dessen ein wenig zu hektische Stages nicht ganz so reizvoll.

Der Multiplayer hält das Spiel jedoch noch ein Weilchen länger frisch, da man neben einem seltsamerweise nur lokal spielbaren Mini-Koop durch 5 Areale der Kampagne noch einen erfrischenden Versus-Modus in den Deal warf. Ihr ballert nicht einfach nur wild aufeinander ein, sondern müsst die eigene Basis in einem größeren Areal schützen und Angriffe auf die gegnerische starten. Gerade zu viert mit spontan wechselnden Allianzen ergibt dies eine gute Mischung aus Geschick mit ein wenig Planung und eine Bereicherung für Ion Assault.

Die PC- und die etwas ältere Xbox-Fassung von Ion Assault gleichen sich in praktisch allen Belangen, nur dass es am PC einen eigenwilligen Bonus in Form der optionalen Steuerung mit Tasten und Maus mitbringt, die ihrerseits den etwas unnötigen Beweis antritt, dass man für einen Twin-Stick-Shooter wirklich zwei Sticks braucht. Hätte man sich ja fast gedacht.

Spielt man jedoch mit einem Pad, sieht es super aus, man brachte ein paar nette Ideen zum Thema Asteroids mit, hauchte dessen Grundkonzept erfolgreich frisches Leben ein und steuern tut es sich auch noch butterweich und wie ein Traum. Die Notwendigkeit den Schuss erst aufladen zu müssen, verändert reizvoll die Dynamik, dazu kommt solides Leveldesign und, selbst wenn die Kamera nicht immer mitspielt, bleibt die Motivation bis zum Ende der etwas kurzen Kampagne sehr hoch. Und danach bleibt dann sogar noch ein Vier-Spieler-Modus, der immer für eine kurzweilige Stunde gut ist.

Falls sich jetzt jemand wundert, dass die praktisch identische 360-Version bei uns vor einer Weile eine 7 bekam und das hier jetzt eine 8, dann ist es in erster Linie ein Beweis, das sich Tester unterscheiden. Außerdem sind die Partikeleffekte am PC ein wenig hübscher. Aber hauptsächlich liegt es wohl daran, dass ich mich etwas mehr für das Spiel begeistern konnte. Hier geht es zum 360-Test, sucht die Wahrheit in der Mitte zweier Ganzzahlen, wenn ihr möchtet.

8 /10

Ion Assault ist auf PC über Steam für etwa 9 Euro zu haben, über Xbox Live kostet es 800 Punkte.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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