X-Men: The Arcade Game

Superhelden in Cinemascope

X-Men: The Arcade Game ist grafisch altbacken, spielerisch eintönig und eigentlich auch ziemlich oft ziemlich unfair. Aber: Das macht nichts! Denn so funktionieren Arcade-Spiele nun mal, insbesondere die Brawler der frühen 90er Jahre. Das ist das Spielkonzept und so unwahrscheinlich es klingt: Gerade aus diesem Grund machen die X-Men heute noch Spaß.

Weil der alte Magneto in verlässlichster Bösewicht-Manier Böses plant, schickt der ebenso kluge wie glatzköpfige Professor X seine X-Men in den Kampf. Sechs Figuren stehen zur Auswahl: Neben Altstars wie dem grummeligen Wolverine und Streber Cyclops könnt ihr auch mit Storm, Nightcrawler, Colossus oder Dazzler antreten. Jede der sechs Figuren spielt sich ein wenig anders: Manche sind schnell und eher zerbrechlich, andere langsam und gut im Austeilen. Ihr habt eine Standart-Schlagkombo, könnt aus dem Sprung angreifen und eure individuellen Mutantenkräfte einsetzen, letztere stehen allerdings nur begrenzt zur Verfügung.

Und so haut ihr euch dann durch Horden von Sentinels, Kroko-Menschen und anderer Gegner, putzt am Ende jeder Stage den Boss weg und wiederholt das, bis ihr am Ende Magneto eine dicke Lippe verpasst. So simpel kann das Mutantenleben sein. Einfach ist es allerdings nicht: Ihr bekommt es nämlich mit richtig, richtig vielen Gegnern zu tun. Die kreisen euch gerne ein oder nehmen euch aus der Entfernung ins Korn. Und habt ihr erst einmal den ersten Schlag kassiert, dann steckt ihr kurz in einer Stun-Animation und müsst etliche weitere Treffer einstecken.

Das Zauberwort heißt daher Crowd Control – haltet euch die Gegner so gut es geht vom Leib und greift an, wenn euer Rücken frei ist. Im Alleingang ist das aber so gut wie unmöglich. Doch sind wir ehrlich: Wer bei X-Men alleine antritt, der ist auch selbst schuld. Wollt ihr wirklich Spaß haben, und den bietet dieser Klassiker auf alle Fälle, dann ist Teamwork angesagt. Ihr könnt wählen, ob ihr lieber im Vier-Spieler- oder gar im Sechs-Spieler-Modus antreten wollt. Ersterer ist auch lokal möglich, für den letzteren solltet ihr natürlich online sein.

Und auf einmal wird wieder klar, warum die X-Men 1992 so ein Münzgrab waren. So nervig und frustrierend die Klopperei im Einzelspieler-Modus ist, tretet ihr mit ein paar gleichgesinnten an, dann wird die Sache gleich ein ganzes Stück amüsanter. Auf einmal ist der Gegner nicht mehr so gnadenlos in der Überzahl und dank verschiedener Mutantenkräfte ist immer richtig was los auf dem Bildschirm.

Unübersichtlich wird's aber selten, Grund dafür ist das ungewöhnliche Bildformat. Spielt ihr eine Runde am Sechs-Spieler-Automaten, dann läuft das Spiel in einem Cinemascope-ähnlichen Breitbild-Format ab: Selbst auf einem 16:9-Fernseher seht ihr dann oben und unten noch Balken Das entzerrt die Action ordentlich und bringt die hübsch gezeichnete Grafik gleich viel besser zur Geltung – Konamis Pixelkünstler zauberten 1992 ein paar richtig hübsche Szenarien auf den Bildschirm.

Die Emulation ist ordentlich gelungen. Ihr könnt das US- und das Japan-Rom anwählen und auch das Bildformat frei einstellen, außerdem könnt ihr den Weichzeichner ein- und ausschalten. Trotzdem hätte ich mir eine bessere Umsetzung gewünscht: Auch ohne aktivierten Filter könnte die Grafik ein wenig schärfer sein, mit der grandiosen Aufbereitung von Capcoms Final Fight können die X-Men leider nicht mithalten.

Wie bereits gesagt, als Arcade-Spiel der 90er Jahre sind die X-Men nicht sonderlich abwechslungsreich und im Solo-Modus auch nicht wirklich fair. Aber Spaß machen sie trotzdem: Das simple Gehaue geht einfach flott von der Hand, die Pixelgrafik hat auch heute noch ihren Charme und zieht ihr mit anderen Spielern, egal ob on- oder offline, in die Schlacht, dann habt ihr richtig Spaß mit dem Superhelden-Oldie. Gut, über den etwas hohen Preis kann man streiten, trotzdem lege ich diese Umsetzung allen Prügelknaben der alten Schule und Multiplayer-Fans ans Herz. Haut rein!

7 /10

X-Men: The Arcade Game ist ab sofort für 800 Punkte – also knapp zehn Euro – als Download für XBox Live Arcade erhältlich. Die PSN-Version folgt demnächst.

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Über den Autor:

Thomas Nickel

Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.

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