Leaving New Vegas

I wish that I'd sail the darkened seas

Hinweis: Auf der Suche nach Hilfe zum jüngsten Teil der Reihe? In unserer Komplettlösung zu Fallout: New Vegas werdet ihr fündig.

Einer unserer britischen Eurogamer-Kollegen zeigte einmal, wie schön offen die Rollenspiele von Bethesda eigentlich sind und wie viel Freiheit sie bieten. Es ist sicher eine der Sachen, die ich wirklich an Spielen wie Oblivion oder Morrowind schätze. Geh los und mach dein Ding. Und dann macht man sein Ding und das Spiel stellt sich einem so gut wie nie in den Weg. An keiner Stelle heißt es „Halt! Jetzt ist erst diese Quest dran, sonst geht es nicht weiter." Manche Leute finden das eher abschreckend und ich gebe zu, dass es manchmal auch in Leerlauf resultieren kann. Trotzdem, diese Spiele geben einem mehr Möglichkeiten als so manches MMO und das ist für eine geschlossene Spielwelt eine unglaubliche Leistung.

Zurück zu dem Briten, der alle Bewohner von Fallout 3 töten wollte. Und es nicht ganz schaffte, aber das ist eine andere Geschichte. Das Spiel ließ ihn das machen, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Schließlich passiert irgendwann nicht mehr viel, wenn alle tot sind. Nach der Apokalypse den letzten Reiter selbiger zu spielen ist nicht ganz so mein Ding, aber ich wollte schon seit einer Weile mal etwas Ähnliches versuchen. Mit Fallout: New Vegas kam meine Chance und mir kam eine endzeitliche Version von Leaving Las Vegas in den Sinn.

Mein Held, Roarie Seamus, Abkömmling irischer Einwanderer, zieht nach New Vegas, um dieser zerstörten Welt zu entkommen, aber sich eben nicht einfach erschießen zu lassen oder gar Selbstmord zu begehen. Er will einfach nach Vegas und so viele Drogen wie möglich finden und am besten nicht gewaltsam, sondern mit dem goldenen Ende abtreten. Das Ziel steht fest, aber er hat den zwangsläufigen Ausgang seiner Reise noch nicht realisiert.

Und bevor es mit seinem Reisebericht losgeht, muss ich noch sagen, dass ich zuvor New Vegas nicht gespielt habe und dass dies mein erster Anlauf ist. Er zeigte, dass diese Bethesda-Games vielleicht die besten „Rollen"-Spiele überhaupt sind. Man kann sich vorher eine Persona ausdenken und das auch durchziehen. Ob man bis zum „Ende" der Story kommt, ist eine andere Frage, aber man kommt zum Ende der eigenen Geschichte. Mein Ratschlag über die Feiertage an alle Rollenspieler unter euch wäre also: Holt euch dieses Spiel und legt nicht einfach los, sondern denkt euch vorher richtig aus, wie eure Figur spielen soll, wer er oder sie ist und wie er in bestimmten Situationen reagieren würde. New Vegas erlaubt das zu einem sehr weiten Grad und das ist fantastisch. So, jetzt auf nach Vegas.

Eine Kugel im Kopf lässt einen die Dinge viel klarer sehen.

Zum Beispiel wird einem klar, dass New Vegas wohl doch nicht ganz so der unkomplizierte Ort ist, dass der Weg dorthin wohl doch nicht mit Kronkorken und Drogen für jedermann gepflastert ist und dass ich diesem Schleimball mit seinem kleinen „Job" nicht hätte trauen sollen. Immerhin war es nichts Persönliches. Und immerhin war der Druck hinter den Augen nun weg. Jet hat halt nicht nur seine schönen Seiten. Ein Schuss, dann das erste Mal seit Jahren Stille und schließlich die Dunkelheit.

I don't know just where I'm going
But I'm gonna try for the kingdom, if I can.

Es hatte damals nicht lange gedauert, bis ich merkte, dass ich nicht für das Leben in der schönen neuen Welt nach dem Krieg geeignet war. Mein Mund war schon immer schneller als meine Hände, Leute zu überzeugen mein Talent. Wäre ich ambitionierter gewesen, hätte ich es sicher zum Bürgermeister einer kleinen Kommune gebracht, aber dafür braucht man deutlich mehr Rückgrad als ich zu bieten hatte. Stattdessen schlängelte ich mich so durch, log und stahl, denn die harte Arbeit des Wiederaufbaus trauriger Reste von Zivilisation war nun wirklich nicht mein. Insgeheim lachte ich über solche Geschichten, ich hielt die ganze Idee der New California Republic für Zeitverschwendung. Die Welt war durch und die Menschheit auch. Drogen und Sex erschienen ein weit lohnenderer Zeitvertreib, um die letzten Tage der Apokalypse rumzukriegen.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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