Total War: Shogun 2

Der Weg des Kriegers

Es ist faszinierend, wie Creative Assembly sich mit jedem Total-War-Teil einen anderen Aspekt der Serie herausgreift und zum Teil dramatisch weiterentwickelt. Sukzessive arbeiten sich die britischen Entwickler in puncto Gameplay so langsam in Richtung Perfektion, ohne auf den ersten Blick allzu viel zu verändern. Neu waren zum Beispiel bei Empire die Seeschlachten.

Die Gefechte funktionierten zwar noch nicht perfekt, erweiterten die Spielmechanik aber sinnvoll und sorgten für eine weitere Portion Spieltiefe. Leider gelang es bei diesem Teil nicht ganz, die vielen neuen Ansätze, den ersten Einsatz von Schusswaffen und ein fehlerfreies Spiel unter einen Hut zu bringen. Erst mit dem Ableger Napoleon gelang es ihnen, im zweiten Schritt Balancing und KI in den Griff zu bekommen.

Bei Shogun 2 setzt die Firma, was Szenario, Grafik und Kampagnen-Spielmechanik angeht, deshalb auf Bewährtes. Die eigentliche Revolution findet dagegen im Multiplayer statt. Hier hat sich Creative Assembly viel vorgenommen. In unserer letzten Shogun-2-Vorschau findet ihr alle Informationen, zum Level-System, den Clan-Kriegen und dem genialen Serverkonzept. Heute geht es aber nochmal um die Kampagne und die vielen kleinen Details, die geändert wurden. Dazu haben wir eine Vorab-Version zur Verfügung gestellt bekommen, bei der wir das ausführliche Kampagnen-Tutorial und ein paar historische Schlachten ausprobieren konnten.

Auf dem Schlachtfeld hat sich dabei am wenigsten getan. Natürlich wurde auch diesmal die Grafik etwas aufgehübscht, aber so lange ihr nicht nah heranzoomt, seht ihr von der Pracht recht wenig. In den Gefechten selbst kommt man kaum dazu, die schicken Animationen und die glaubhaften Schwert- und Speerkämpfe zu bewundern. Das Spiel ist natürlich auch aus der Feldherren-Perspektive ansehnlich und überzeugt seit Empire durch schicke Beleuchtungseffekte, trotzdem kann die Echtzeitgrafik nicht ganz mit einem Dawn of War 2 mithalten. Auch bei der Steuerung hat sich wenig geändert. Die fummelige Ausrichtung der Soldaten ist noch genauso mit drin wie die immer noch nicht ideale Einheitenkontrolle. Ich weiß, diesmal standen andere Elemente im Vordergrund, doch gerade die Echtzeitschlachten könnten eine Überarbeitung vertragen.

Immerhin hat die KI hinzugelernt. Gab es früher ab und an mal Totalausfälle, reagieren die Gegner nun zumindest einigermaßen glaubhaft. Sie versuchen Flankenangriffe abzuwehren, attackieren die richtigen Einheiten und ziehen sich auch mal strategisch zurück. Schade nur, dass die Wegfindung der Truppen immer noch nicht ideal ist. Keine Ahnung, wo hier das Problem liegt, aber im Jahr 2011 sollte es bei den recht simpel aufgebauten Schauplätzen eigentlich ja nicht so schwer sein, die Figuren den schnellsten und besten Weg finden zu lassen. Und nein, der führt nicht mit Bogenschützen durch eine feindliche Reiterarmee.

Schön, dass man nun neben der händischen Ausrichtung auch spezielle Formationen aktivieren kann, die bestimmte Attribute erhöhen. Die Speerträger jagen dann bei der Aktivierung von „Speerwall" zum Beispiel ihre Spieße in den Boden und verstärken damit ihre Angriffskraft gegen Kavallerie. Ein längst überfällige Funktion, die den Echtzeitgefechten, trotz der noch immer etwas unübersichtlichen Steuerung, mehr Tiefe verleiht. Außerdem macht es Spaß, sich mit den stark aufgewerteten Generälen samt ihrer Bodyguards in die Schlacht zu stürzen. Diese gewinnen nämlich nach gewonnenen Schlachten Erfahrungspunkte und können über das Skillsystem, fast wie im Multiplayer, entweder in perfekte Anführer oder brutale Killermaschinen verwandelt werden.

Unterm Strich spielt sich das Ganze mit viel weniger Kanonen und Gewehrschützen wieder etwas altertümlicher und vielleicht sogar etwas besser. Vor allem Kavallerie-Einheiten machen nun wieder viel mehr Sinn, weil sie nicht innerhalb von Sekunden in Stücke gerissen werden. Im weiteren Verlauf erreicht der Fortschritt aber auch Japan. So treten später Samurais mit Steinschlossgewehren, Handkanoniere und europäische Großkanonen an, ihr müsst also nicht vollkommen auf Pulverdampf und Explosionen verzichten. Insgesamt bietet Shogun 2 deutlich mehr Waffengattungen und damit auch mehr Abwechslung und taktische Optionen. Wie gut sich Schwertkämpfer und moderne Feuerwaffen miteinander vertragen, bleibt aber abzuwarten.

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Kristian Metzger

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