Leaving New Vegas II

And now the Wheels of Heaven stop

Hinweis: Auf der Suche nach Hilfe zum jüngsten Teil der Reihe? In unserer Komplettlösung zu Fallout: New Vegas werdet ihr fündig.

Kurz vor Weihnachten startete ich eine kleine Reise durch Bethesdas Fallout: New Vegas und da man bei diesem Spiel so ziemlich machen kann, was man will, entwarf ich mir im Voraus eine Persona, die diesen Weg gehen sollte. Den ersten Teil dieser losen Serie findet ihr übrigens hier. Dies ist mein erster Anlauf bei dem Spiel und daher habe ich kein bis zum Ende durchgeplantes Script, sondern gucke, was sich ergibt und wie mein drogenabhängiger Anti-Held Roarie Seamus wohl darauf reagieren würde. Und wie er auf Drogen mit "schlimmen Dingen" umgeht, das erfahrt ihr bei seinem Ausflug in eine kleines Kaff namens Nipton.

Caesars Kopf explodierte und ich fand den Frieden, den ich suchte. Es war das Ende der Zeit, das Ende der Welt und ich verstand Erfüllung, den Sinn und die Wahrheit von allem. Es war so einfach. Es war ein Traum.

Es war ein Traum. Nur ein Traum. Kann es nur ein Traum sein? Das erste Mal seit Wochen wache ich nicht schweißgebadet, blind nach dem Jet tastend auf. Das Jet, das mich so zielsicher wie eine Gewehrkugel zurück in die Hölle führt, eine Hölle, die ich nie kannte, die nur Caesar kennt und nur Caesar kann nehmen, was er gab. Ein seltsamer Gedanke. Eine Prophezeiung? Ich lache, hysterisch, schreiend. Die Wüste schreit. Alles endete doch noch nicht. Eine Aufgabe bleibt noch. Ich werde Caesar töten. Nur Caesar kann nehmen, was Caesar gab. Und er wird es nehmen. Sein Tod wird es von mir nehmen und die Welt wird enden. Endlich werde ich wieder schlafen. Wirklich schlafen. Endlos, wenn nötig.

Give me back my broken night
my mirrored room, my secret life.
It's lonely here,
there's no one left to torture

Das, was Caesar gab, war die Hölle. Seine eigene Hölle. Eine gerechte Hölle. Ehrlich, im Namen einer besseren Welt. Ich kannte mal jemanden, der sagte, es gäbe nichts Schlimmeres als einen aufrichtigen, wirklich gerechten Mann. Er nannte diese Männer Lichtfaschisten. Ich hatte keine Ahnung, was das sein soll. Jetzt verbrannte die Gerechtigkeit Frauen und Kinder, schleppte sie in die Wüste, die Sklaverei, um für die Sünden der Väter gestraft zu werden. Es gibt auch in dieser Welt noch Gerechtigkeit. Ich habe sie gesehen und ich bin bereit, sie zu töten. Es scheint die einzige Lösung. Was sonst könnte diese Vision bedeuten.

Vor einem Monat kam ich an. Denke ich. Nipton. Es steht jetzt noch höhnisch am Schild am Wegesrand. Mahnend vor den Ruinen. Ich denke, es war ein Monat. Ich hatte nach Primm die Orientierung verloren. Jet ist ein Raketenbooster für den Körper und den Geist, aber es ist ein Irrflug. Hatte auch echt viel von dem Zeug. Es sollte in Richtung New Vegas gehen, das Gelobte Land. Aber scheinbar muss ich erst meine Jahre in der Wüste zubringen. Das Jet nahm eine andere Richtung. Nipton. Irgendwo eine kleine Zuflucht im Niemandsland und für jemanden wie mich nicht einmal der schlechteste Ort. Drecksäcke. Huren. Betrüger. Lügner. Verbrecher. Aber ich lebte schon unter Schlimmeren. Diese hier mordeten nur, wenn es nötig war. Sie überlebten in einer Welt, die nicht gut war und der sie sich anpassten. Ich konnte keine Verbrecher sehen. Nur Verbrechen. Aber das ist doch ein Unterschied, oder?

Give me absolute control
over every living soul
And lie beside me, baby,
that's an order!

Der Monat ist seltsam verschwommen. War ich länger hier? Oder nur einen Tag? Bin ich überhaupt hier? In Nipton? Doch. Das Schild ist da. Es ist später Abend. Nicht die Zeit für eine Fata Morgana. War das Schild schon immer so deutlich? Ich sehe es klar vom dreckigen Rahmen der Tür des Wohnmobils. Nichts würde mich in die Nähe der Häuser bringen. Nachts höre ich die verdammten Hunde der Legion heulen. Fressen Kinder. Sie fraßen die Kinder. Sie fraßen die Kinder. Der Gedanke ist zu monströs. Er wird von der Klarheit der Vision überlagert und die Ruhe kehrt zurück.

Die Legion kennt hier jeder. Direkt hinter dem Hoover lauern sie auf ihre Chance, die Sheriffs der NRC endgültig zu überrennen. Ihr Imperator gab sich den Namen Caesar und was könnte passender sein. Sein Brot habe ich nicht gesehen, aber für seine Spiele könnte man sterben. Seit Jahren baut er seine Macht aus und treibt mit dem Schwert das Licht in die Badlands. Wer es nicht sehen möchte, wird verklavt oder findet seinen Schöpfer am Kreuz. Hätte nie gedacht, dass ich mich mal so sehr nach der Dunkelheit sehnen würde.

Ich überlege, ob es Zeit für das geliebte Jet neben mir ist. Eine Welle der Übelkeit überkommt mich. Das Kreuz. Ich nahm den Zug, als ich das Kreuz sehen musste. Ich stand vor dem Kreuz, das Jet zog tief in meine Lunge und breite sich dort wie eine Welle schwarzer Lava aus, erfüllte mich ganz und der nächste Atemzug war eine Sekunde weit, eine endlose, ewige, traurige, brennende Sekunde, in der das Fleisch des armen Tieres, der irgendwann einmal hinter Bar stand, ein Kellner an den guten Tagen war, verkohlte, während er am Kreuz schrie. Neben mir lachte Vulpes Inculta, Caesars Hund in dieser Stadt.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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