Beyond Good & Evil HD

Definitiv diesseits von 'Gut'

Meine Regale haben schon viele Spiele kommen und gehen gesehen. Wenn man darüber nachdenkt, was für eine Fluktuation das durchschnittliche – und in seinem Platz grundsätzlich limitierte – Spielelager so erlebt, ist es umso beachtlicher, dass manche Titel aus dem heimischen 'Billy', 'Expedit' oder 'Hemnes' nicht mehr wegzudenken sind. Bei mir zuhause stehen unter anderem zum Beispiel die US-Version von XCOM – Ufo Defense für die PSone sowie Star Wars: KotOR, Psychonauts und Call of Cthulhu für die erste Xbox in einer Reihe und fangen reichlich Staub. Aber weggeben? Nie!

Diese Spiele haben allesamt auf ihre Art etwas ganz Entscheidendes richtig gemacht und gehören einfach in dieses Regal – gewissermaßen als Spiegel meiner Spielerseele, wenn es ein paar Gramm mehr von der dicken Metapher sein dürfen. Außerdem in dieser Riege: Beyond Good & Evil, ebenfalls für den umgekippten PC, den Microsoft seine erste Konsole nannte. Oft ist es bei diesen Spielen aber so, dass ein erneutes Wiedersehen ohne den rosa Erinnerungsfilter ein wenig ernüchternd ausfällt. Natürlich; immer wieder erinnert man sich daran, warum dieses Spiel seit Jahren dort stehen darf. Der Spaß ist aber in den seltensten Fällen der gleiche wie vor Jahren noch.

Beyond Good & Evil ist allerdings keines dieser Spiele, die man besser einfach so in Erinnerung behält, wie man es kennen und lieben gelernt hat – wenn man es denn kennen und lieben gelernt hat, was Weihnachten 2003 leider viel zu wenige Menschen waren. Mein Erstkontakt mit der fast fertigen HD-Ausgabe, die im nächsten Monat auf Xbox Live erscheint, verspricht ein Spiel, beinahe so frisch wie am ersten Tag. Und das siebeneinhalb Jahre nach seinem ersten Erscheinen. In vielerlei Hinsicht ist Michel Ancels wundervoller Vollflop sogar heute aktueller als je zuvor.

Damals erschien das Spiel mit seinem sachten Schwierigkeitsgrad und dem Action-Adventure-Gameplay, das trotz aller klassischer Anleihen eher in die Breite als in die Tiefe ging, ein wenig wie ein Fremdkörper in der Prä-Casual-Spielwelt (das EyeToy riss gerade erste Bänder und Sehnen, der SingStar war noch nicht aufgegangen). Der Markt war noch nicht so sehr auf Zugänglichkeit gepolt wie heute, war noch entschieden Hardcore. Die Samthandschuhe, mit denen Ancel nur sicherstellen wollte, dass der Spieler die Geschichte in einem angemessenen Tempo erfährt, wurden vielerorts als Kritikpunkt aufgefasst. Heute fällt das gute Stück in einer Reihe mit interaktiven Geschichten, wie etwa Ninja Theorys Enslaved aus dem letzten Jahr, nicht weiter auf. Es war einfach seiner Zeit voraus.

Der Vergleich greift auch recht gut, weil Beyond Good & Evil wirklich begriffen hatte, wie man die Vorzüge des Mediums zu nutzen weiß. Natürlich hatte sich Ancel offenbar reichlich Notizen zu Links Hyrule-Abenteuern gemacht und ein bisschen Pokemon Snap gespielt. Aber auch diese Konzepte muss man erst einmal sinnvoll und glaubwürdig in einer so eigenständigen Welt zusammenbringen. Aufbau und Struktur sind vollkommen organisch und zum Teil ziemlich elegant. Zudem: Ancel zeichnet seine liebenswerten Charaktere mehr durch deren Aktionen und Animationen als in ellenlangen Filmsequenzen und lässt sie auf extrem humane Art und Weise interagieren, selbst wenn es nicht einmal wirkliche Menschen sind, sondern anthropomorphe Tierwesen.

Wie zum Beispiel Pey'J, das Mechaniker-Schwein und Ziehvater der menschlichen Hauptfigur Jade. Ihr folgt er auf Schritt und Tritt, strukturiert mit seinen Spezialfähigkeiten, die er auf euer Geheiß hin einsetzt, den Spielfortschritt und hilft euch im Kampf. Wichtiger aber ist, dass er einfach als Partner auf Augenhöhe mit der Figur des Spielers agiert und man ihm jede seiner Gefühlsregungen abnimmt. Wer sich als Jade duckend, springend, duckend, springend durch eine Reihe versetzter Laser-Barrieren durchwirbelt, um dem ungelenken Pey'J anschließend per Knopfdruck denselben Weg frei zu machen, wird sich ein Lachen nicht verkneifen können: Auf eurer Seite ist alles in bester Ordnung. Aber Pey'J hat davon keine Ahnung, ihr hört nur, wie er sich wild trapsend in Bewegung setzt und schreit, 'HALTE DURCH JADE, ICH KOMME!!!'.

Es sind diese kleinen Dinge, die Beyond Good & Evil von einem hübsch anzusehenden Zelda-Derivat zu einem geradezu spektakulär gut geglückten Vorläufer des modernen Action-Adventures machen. Es hat Charakter, Herz und diese gewisse Unvorhersehbarkeit, die gute französische Spiele so gerne mitbringen. Und neuerdings hat es auch eine HD-Auflösung, deutlich verbesserte Charaktermodelle und butterweiche 60 Bilder pro Sekunde - einen Look, der dem seiner hübschen Hauptdarstellerin in nichts nachsteht. Zu haben am 2. März für läppische 800 MS Punkte. Und ja, ihr dürft das hier ruhig Werbung nennen. Hauptsache ihr kauft es euch, damit wir endlich den zweiten Teil bekommen.

Beyond Good & Evil HD erscheint am 2. März zum Preis von 800 Microsoft Punkten für die Xbox 360. Ein konkreter Termin für die PS3-Version steht noch nicht fest.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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