Battlefield 3

Die nächste Stufe

Eigentlich hatte ich 2005 meine Clan-Karriere schon beendet. Mitten in meinem dritten Studium, das ich zum Glück beendete, erschien dann aber leider Battlefield 2 und ich wurde mit brachialen Gefechten, damals beeindruckender Grafik und unzähligen Innovationen wieder aufs Schlachtfeld gerufen. Gemeinsam mit sieben Counter-Strike-Kollegen wagten wir uns in die ersten ESL-Gefechte. Brutale Auseinandersetzungen, bei denen ich als Commander mitkämpfen musste und wohl die härtesten 45 Minuten meines Zocker-Daseins erlebte. Schweißgebadet saß ich am Ende da, ausgelaugt, fertig mit der Welt, aber auch glücklich und siegreich.

Seit dieser Zeit sind eine Menge Ego-Shooter erschienen, aber kein einziger davon,konnte mich so sehr in den Bann ziehen wie der zweite Streich von DICE. Battlefield 2142 war mir grafisch zu altbacken, Bad Company 1 kam erst gar nicht für den PC heraus und der zweite Teil ist zwar aktuell immer noch der beste Online-Shooter, aber für meinen Geschmack immer noch zu simpel. Ich wünsche mir Flugzeuge, einen Commander-Modus, eine moderne, PC-würdige Grafik und ein auf den PC zugeschnittenes Gameplay. Einige dieser Wünsche scheinen nun mit Battlefield 3 in Erfüllung zu gehen, andere vielleicht nicht.

Bei der Präsentation wurden die meisten Fragen aber erst gar nicht konkret beantwortet. Zum Multiplayer des lang erwarteten Nachfolgers bekam man nur vage Hinweise und unausgesprochene Fakten. Jets sind scheinbar wirklich mit drin, bis zu 64 Spieler können sich auf dem PC, 32 Spieler auf den Konsolen die Köpfe einschlagen und es wird erneut ein umfangreiches Upgrade-System geben. So weit, so gut. Einer meiner wichtigsten Wünsche, der Commander-Modus, schafft es wahrscheinlich nicht. Er wurde auf normalen Servern einfach zu wenig genutzt. Schade, aber man kann ja nicht alles haben.

Viel mehr Informationen gab es dagegen zur Singleplayer-Kampagne, die zusammen mit der Frostbite Engine 2.0 groß angekündigt wurde und die versammelte Journalisten-Truppe aus den Socken haute. So genial, so einmalig sah, hörte und fühlte sich Battlefield 3 an. Okay, bei der Story wagt DICE keine Experimente. Der Einstieg erinnert an Black Ops. Sergeant Henry „Black" Blackburn wird vor einem Untersuchungsausschuss befragt und erzählt in Rückblenden, was seiner Einheit, zum Beispiel im Irak im Jahr 2014, passiert ist. Weitere Szenarien, die man aus Screenshots entnehmen konnte: Bewaldete Berge und eine europäische Großstadt. Und es ist kein Wunder, dass der gezeigte Abschnitt „Bad Part of Town" heißt. Gezeigt wurde das Ganze übrigens auf dem PC, der auch Lead-Plattform ist.

Blackburns Trupp befindet sich auf einem Patroullieneinsatz in Kurdistan. Die PLR, die irakische Widerstandsarmee, ist im offenen Krieg mit der Regierung. Die Amerikaner sollen helfen, die Lage unter Kontrolle zu halten. Doch davon ist hier nichts zu merken. Kaum verlasst ihr die trügerische Sicherheit eures Truppentransporters, wird klar, das wird ein harter Tag. Weg sind die lockeren Sprüche eines Bad Company, weg dessen locker-flockiges Ballerhandwerk. Hier wird der harte Soldateneinsatz gezeigt und ihr seid kein Superman, sondern sehr verletzlich.

Nach einer trockenen, sehr ernsten Einsatzbesprechung geht es auf die Straßen der arabischen Stadt. Alles ist ruhig, zu ruhig. Gleich in den ersten Minuten ist die Paranoia fast spürbar. Überall könnte der Feind lauern, in jedem Fenster, in jedem dunklen Hauseingang. Unterstützt durch die wirklich bahnbrechende Grafik mit ihrem dynamischen Licht samt indirekten Lichtquellen und den genialen Animationen, die auf dem Animation-Toolkit von EA Sports basieren, werdet ihr sofort in das Geschehen hineingezogen. Auf den ersten Blick wirkt das Szenario fast real, so natürlich bahnen sich eure Kämpfer den Weg durch die staubigen Hinterhöfe, vorbei an Marktständen und Autowracks.

Dann ein erster Hinweis, was uns in den nächsten Minuten erwartet. Die Erde grollt. Ein leichtes Zittern geht durch die Stadt. Ein Erdbeben kündigt sich an und droht die sowieso angespannte Situation in eine Katastrophe zu verwandeln. Doch noch setzt unser Trupp den Weg durch die Straßen fort. Taucht ein in eine Gasse, die durch ihre realistischen Lichtverhältnisse überzeugt. Beeindruckend, wie anders, wie schaurig-schön die Frostbite-2.0-Engine das Geschehen in abwechselnd in grelles Sonnenlicht und Halbschatten taucht, wie Staub und Rauch von Körpern beeinflusst werden und wie die Physik jede kinetische Energie aufnimmt und weiterträgt. Dann ein Platz und die erste Action.

Ein lauter Knall jagt durch den Präsentationsraum und lässt die Anwesenden sprachlos zurück. Was für ein sattes Geräusch, es steckt so viel Wucht in der Audio-Aufnahme, dass man förmlich den Schlag spürt, der anschließend unseren Kameraden trifft. Das Geheimnis hinter dieser soundtechnischen Höchstleistung erklärt Sound-Designer Stefan Strandberg: „Jeder Waffen-Sound wurde mit 84 Mikrofonen eingefangen. Einige davon über fünf Kilometer entfernt. Nur so erreichen wir diese Perfektion und können eine eigene Realität erzeugen."

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Kristian Metzger

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