Hunted: Die Schmiede der Finsternis

Männersache

Was bleibt einem nach 60 Minuten mit Hunted in Erinnerung? Erst einmal der wohlgeformte Hintern von Elara, einer halbnackten Elfin (starker Fernkampf, schwacher Nahkampf), die zusammen mit Testosteron-Monster Caddoc (starker Nahkampf, schwacher Fernkampf) auszieht, um Ruhm, Geld und Macht zu erlangen. Der Anblick war so erfreulich, dass ich ausnahmsweise den grobschlächtigen Krieger links liegen ließ und mich praktisch die ganze Zeit mit der Klischeebeladenen Schönheit vergnügte. Jaja, ich bin ein sehr visueller Mensch.

Mit ihr genoss ich das gut gemachte, wenn auch etwas hakelige Cover-System, das befriedigende Bogenschießen und die gelungenen Koop-Aktionen. Mir ihr wunderte ich mich über immer noch auftauchenden technischen Schwächen, die dumpfen Gegner und das inkonsequente Art-Design. Und stellte mir letzten Endes die wichtigste Frage jeder Vorschau: Wird es gut, sehr gut oder einfach nur mittelmäßig? Keine leichte Entscheidung.

Nicht von ungefähr erinnert inXiles Dungeon-Brawler in vielen Momenten an Epics Kettensägenmassaker. Wie das brutale Vorbild zielt auch dieser Koop-Titel klar auf das männliche Proll-Publikum ab. Zotige One-Liner, viel Blut und die simple Story sind nichts für Rollenspiel-Feinschmecker und Story-Fetischisten. Doch dafür bietet es simplen, ehrlichen Spielspaß, der gerade mit einem Freund ungeahnte Höhen erreichen kann.

Los geht's mit der Gier der beiden Hauptdarsteller. Das ungleiche Paar hat keine Ambitionen, als Helden in die Geschichte der Fantasy-Welt Kala Moor einzugehen. Sie möchten einfach reich werden. Sehr reich. Klar, dass sie sich nicht jahrelang als Bauer den Buckel krumm schuften wollen, sondern lieber in verwunschenen Ruinen und dunklen Höhlen nach unermesslichen Schätzen suchen. Eine gefährliche, aber lohnenswerte Aufgabe. Doch diesmal gehen sie wohl einen Schritt zu weit.

Das erste Bild: Caddoc ist allein. Eine Stimme spricht zu ihm. Lockt ihn mit Versprechungen, Ruhm und Macht. Seine Fackel wird heller. Im flackernden Licht sieht er düsteres Gemäuer und einen gewaltigen Haufen Knochen. Es folgt der Stimme durch die muffigen Gänge. Gerippe hängen an den Wänden und Spinnweben verbrutzeln zischend, als sie seine Lichtquelle berühren. Ein letztes „Gleich bist du da...", dann bricht der Boden auf und ein riesiger Dämon erscheint, spuckt ihm Feuer entgegen und schlägt mit seinem Tentakeln nach ihm. Wirft ihn zurück und setzt zum Todesstoß an. Caddoc schreit und wacht auf. Alles nur geträumt?

Das Nächste, was der große, starke Mann hört, ist schallendes Gelächter. „Na, wieder dieser Traum?" Elara macht sich über seinen Schrei lustig. Die beiden verbindet scheinbar eine Hass-Liebe. Ständig gehen sie sich gegenseitig mit One-Linern auf die Nerven. Das ist meistens recht lustig, nur selten wird es einen Tick zu flach. Nach dieser spaßigen Einleitung geht es direkt in das Tutorial. Die beiden schnetzeln sich durch ein paar Hunde-große Spinnen, üben ein paar Teamtaktiken und erreichen das erste Ziel. Ein magischer Wasserfall, an dem sie eigentlich nur für ihren Auftraggeber ein paar Flaschen auffüllen müssen. Doch eine massive Tür daneben weckt ihre Neugier. Übersät mit seltsamen Symbolen und Totenköpfen ahnt man schon, dass dieser Ausflug Ärger machen wird.

Am Ende siegt die Gier, die beiden Hohlköpfe durchschreiten das Tor und erreichen ein malerisch gelegenes Tal mit einem seltsamen Altar samt leuchtendem Edelstein-Totenkopf. Die Grafik ist gut, aber nicht überragend. Die Unreal Engine 3 sah schon deutlich besser und deutlich schlechter aus. Die bombastische Architektur und die zumindest auf dem PC knackigen Texturen entschädigen ein wenig für das generische Art-Design und das hässliche Interface. Wer kam eigentlich auf die Idee, einen leuchtenden, grünen Ball im Hauptmenü zu verwenden?

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Kristian Metzger

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