Filmkritik: The Mechanic

Überflüssig

Normalerweise überlegt man sich ja ganz gern einen schmissigen Einstieg, um die Leser gleich zu Beginn so richtig in die Mangel zu nehmen. Irgendwas mit Blut, nackten Brüsten oder harten Ansagen. Bei The Mechanic fiel mir wirklich nichts ein, so durchschnittlich ist diese Auftragskiller-Nummernrevue. Deshalb geht es gleich zur Tagesordnung über: Mal wieder Jason Statham, mal wieder ein Remake. Diesmal sogar von einem durch und durch mittelprächtigen Streifen, nämlich The Mechanic, der allein durch eine sinnlose, aber dialogfreie Einstiegssequenz und den wortkargen Charles Bronson in Erinnerung blieb. Naja, da passt ja der muffelige Jason wie die Faust ins Auge. Noch dazu Con-Air-Regisseur Simon West hinter der Kamera und fertig ist das 08/15-Produkt mit Identitätsproblemen.

Der Auftragskiller-Thriller kann sich über 90 Minuten hinweg nämlich nicht entscheiden, ob er Charakterstudie oder Action-Film sein möchte. Es gibt einfach zu wenig Charakter und zu wenig Action. Immerhin wird die erste halbe Stunde dem Titel gerecht. Mechanisch erledigt Arthur Bishop (Jason Statham) ein Opfer nach dem nächsten. Irgendeine Spezialfirma setzt ihn auf diverse Drogen- und Waffenhändler an und lässt diese stilecht um die Ecke bringen. Sieht immer nach Unfall aus und sorgt für wenig Aufsehen, ganz so, wie es die Auftraggeber wollen. Sein restlicher Habitus samt Designer-Haus, Mamor-Plattenspieler, Klassik-Fimmel und Edel-Prostituiertem wirkt aufgesetzt und unterkühlt. Oder auf den Punkt gebracht: Unglaubwürdig.

Erst nachdem er den Auftrag bekommt, seinen Mentor und guten Freund Harry McKenna (Donald Sutherland) um die Ecke zu bringen, weil er die Truppe angeblich verraten hat, wird es langsam interessant. Arthur nimmt sich nämlich dessen Sohn Steve (Ben Foster) an, der mit seiner Fuck-Off-Attitüde überraschend viel Leben in die Geschichte bringt.

Seine Lernphase, seine ersten wütenden Schritte auf dem Weg zum kaltschnäuzigen Killer bieten überraschend viel Unterhaltungswert. Bishops Schuldgefühle, Steves ungeklärte Probleme mit seinem toten Vater und die Spannung zwischen den beiden treiben sogar Statham zu Höchstleistungen an. Außerdem sorgen hier ein paar gut gemachte Actionsequenzen abseits der trotzdem eher mäßigen Schauspielleistung des Hauptdarstellers zumindest optisch für Höhepunkte.

Allein die viel zu nervöse Kamera von West spuckt dem entspannten Thriller-Erlebnis etwas in die Suppe. Der Meister der fetten Explosionen fühlt sich vor allem in den ruhigen Szenen sichtlich unwohl. Er fuhrwerkt nervös mit Zoom und Einstellungen herum, nimmt sich schlicht zu wenig Zeit, seine Charaktere auszuloten und ihnen Raum zu geben. Nicht, dass Jason Statham diesen ausfüllen und sich über mehr als seine ansehnliche Bauchmuskulatur definieren könnte. Doch gerade Ben Foster hätte ruhig noch etwas mehr Fokus vertragen können. Der junge Mann spielt den jungen Wilden mit einer Intensität, die die Spannung zwischen Mentor und Schüler, Mörder und Sohn antreibt und für einige der intensivsten Szenen sorgt.

Leider wird die an sich spannende Schlusshälfte durch ein eher schwaches Ende, ganz im Gegensatz zum Original, wieder relativiert. Keine Ahnung, was sich West und Konsorten dabei gedacht haben. Diese dramatische Änderung macht im Kontext der Geschichte einfach keinen Sinn und hinterlässt einen üblen Nachgeschmack. Schwache Leistung.

Comic-Verfilmungen, Fortsetzungen und Remakes so weit das Auge reicht. In Hollywood geht man aktuell scheinbar auf Nummer sicher. Bei einigen Klassikern mag das Konzept einer Neuauflage ja funktionieren, doch wenn man diese so halbherzig umsetzt wie Simon West, wird aus dem knapp überdurchschnittlichen Original ganz sicher kein besserer Film. Ja, The Mechanic hat seine Momente und wenn es zur Sache geht, macht Jason Statham seine Sache gut. Aber besonders in den ruhigen Momenten wird klar, das aus dem britischen Action-Star kein Charakterdarsteller mehr wird. Trotz einiger böser Schnitzer wie dem oben erwähnten Finale ist der Thriller zwar kein echtes Ärgernis, aber im Grunde überflüssig. Für einen Kinobesuch damit einfach zu wenig.

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Kristian Metzger

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