Operation Flashpoint: Red River

„Halt die Fresse“

Krieg ist unmenschlich und brutal. Es ist ein psychischer und physischer Ausnahmezustand, der von den Soldaten wirklich alles abverlangt. Kein Wunder, dass diese ihre Angst und Wut kompensieren und ihre Gegner zu Objekten degradieren. Doch muss man diesen schonungslosen Blickwinkel wirklich in einem Computerspiel unterbringen?

Ich war auf jeden Fall ganz schön geschockt, als ich bei Operation Flashpoint: Red River Sprüche der wirklich ganz harten Sorte um die Ohren geworfen bekam. „Lasst uns die Tadschiki-Pisser umnieten" oder „Kommt, ihr Schwuchteln" waren nur zwei Höhepunkte eines kontinuierlichen Schimpfwort-Bombardements, dass Staff Sergeant Damian Knox auf seine Untergebenen abfeuerte. Ist das realistisch? Vielleicht. Will ich das hören? Ganz sicher nicht.

Um den unangenehmen Diskussionen anderer Kriegsspiele wie Medal of Honor zu umgehen, wird die Handlung in einen fiktiven Konflikt in der ehemaligen Sowjetrepublik Tadschikistan eingebettet. Das Land sieht dem Nachbarn Afghanistan nicht nur zum Verwechseln ähnlich, sondern verlangt von den amerikanischen Marines auch den üblichen Drill ab. Patrouillieren, Sprengfallen aus dem Weg räumen und Terroristennester ausräuchern. Später tauchen natürlich wieder die Chinesen auf, doch los geht es erst einmal ganz gemächlich mit einem Mini-Tutorial: Laufen, zielen, ballern. Danach wird unter dem verbalen Dauerfeuer von Staff Sergeant Knox aufgesessen und ihr per Truppentransporter in Richtung des ersten Einsatzziels bugsiert.

Wie von einem Operation Flashpoint gewohnt, ist das Panorama zumindest auf den ersten Blick beeindruckend. Eine karge Steppenlandschaft breitet sich vor euch aus. Sanfte Hügel, Sträucher und Nadelhölzer laden zu einer Wanderung ein, würden nicht ständig im Hintergrund Kampfhubschrauber vorbeifliegen und Maschinengewehr-Salven auf feindliche Stellungen abgeben. Doch während sich dieser Eindruck auf dem PC weiter festigt, werden die Mängel der Konsolen-Fassung schon nach wenigen Minuten sichtbar. Durch die niedrige Auflösung verschwimmt in der Entfernung jedes Detail. Objekte ploppen in das Sichtfeld und der magere Bewuchs wirkt vorsintflutlich. Okay, die Vorschau-Version lief beim Event auf wirklich miesen LCD-Screens, trotzdem wird Red River auf dem PC deutlich besser aussehen.

Doch zurück zur ersten Mission. In einem Dorf haben sich ein paar Terroristen verschanzt, sonst ist es menschenleer. Die Einwohner sind vor den Kampfhandlungen geflohen. Codemasters versucht damit weiterem Konfliktpotential aus dem Weg zu gehen, die Atmosphäre wird dadurch aber auch etwas steriler. Euer Trupp schwärmt aus und bezieht auf dem Dach einer Lehmhütte Stellung. Kaum seid ihr angekommen, stürmt ein Trupp Tadschiki-Taliban auf euch zu. Ein paar der Freischärler suchen verzweifelt Deckung, der Rest bleibt recht dämlich auf offenem Feld stehen und nimmt euch mit Kalaschnikows unter Feuer. Sowas ist man ja von Ballerbuden á la Call of Duty gewohnt, aber bei einem Taktik-Shooter?

„In den ersten Missionen geht es gegen undisziplinierte Freiheitskämpfer, da darf man nicht allzu viel erwarten", erklärt uns der anwesende Associate Producer die künstliche Dummheit. Später, wenn die Chinesen eingreifen, soll das Ganze deutlich anspruchsvoller werden. Na schön, Taliban umgemäht, wieder ein halbes Dutzend Sprüche ertragen und weiter geht es mit dem Humvee in Richtung des nächsten Auftrags. Hier gilt es erstmal, eurem Team Befehle zu erteilen. Auf der anderen Flussseite haben sich feindliche Kämpfer in einem Dorf verschanzt. Das Überqueren des ausgetrockneten Flussbetts ist ohne Unterstützung nicht möglich. Also gegnerische Stellung anvisieren, den entsprechenden Befehl im schön übersichtlichen Radialmenü auswählen und unter der Deckung eurer Kameraden vorrücken.

Die eigentlichen Feuergefechte sind ganz gut gelungen. Die Waffen sorgen mit ihrem satten Rückstoß und ihrem guten Sound für ein „realistisches" Feuergefühl. Ihr könnt euch hinknien und hinlegen, müsst euch bei Verwundung mit einem Verbandskasten heilen und werdet von einem Kopfschuss sofort flachgelegt. Diverse Orientierungs- und Spielhilfen können Operation Flashpoint: Red River ganz nach Bedarf entweder in einem simplen Taktik-Shooter oder aber in eine zumindest halbwegs reale Militär-Simulation verwandeln.

Links zu Angeboten und Anbietern auf dieser Seite können sogenannte Affiliate-Links sein. Mit einem Kauf über einen dieser Links unterstützt ihr Eurogamer.de. Wir erhalten vom Anbieter eine kleine Provision.

Zu den Kommentaren springen (28)

Über den Autor:

Kristian Metzger

Kristian Metzger

Freier Redakteur

Weitere Inhalte

Weitere Themen

Kommentare (28)

Die Kommentare sind nun geschlossen. Vielen Dank für deine Beiträge!

Verstecke Kommentare mit niedrigen Bewertungen
Sortierung
Threading