The Witcher 2: Assassins of Kings

Das ist es

Hinweis: Braucht ihr Hilfe beim zweiten Abenteuer des Hexers? Schaut in unsere Komplettlösung zu The Witcher 2: Assassins of Kings.

Steigern viele verschiedene Möglichkeiten, ein Spiel zu lösen, in einzelnen Situationen über mehrere Wege an eine Situation heranzugehen zu können, den Wiederspielwert? Natürlich. Was für eine dumme Frage. Man kann ja beim nächsten Mal anders entscheiden, dem Bösewicht doch keine Gnade erweisen oder es lieber mal mit Diplomatie als mit Kampf probieren. Das Problem, das ich damit habe, ist, dass sich bei guten Spielen dieser Art, die mit einer festen Figur arbeiten, beispielsweise Mass Effect, nach dem ersten Durchgang ein für mich fertiger Charakter herausschält, den ich eigentlich nicht noch einmal verändern oder neu erleben möchte.

Sicher, nicht alle seine Entscheidungen waren die besten, manche würde man lieber zurücknehmen, aber eine Figur soll ja nicht nur makellos sein. Die Wege, die Shepard ging, wurden gewählt und an diesem Punkt reizt es mich nicht, zurückzugehen und auszutesten, was hätte sein können. Ein weiterer Durchgang, nur um zwanghaft die anderen Pfade der Story anzugucken, würde für mich die Erfahrung dieses Spiels eher schmälern.

Das heißt aber in keiner Weise, dass ich die vielen möglichen Wege, die daraus resultierenden Situationen und Entscheidungen, die den Charakter formen, nicht schätzen würde. Ganz im Gegenteil. Ohne sie gäbe es ja gar keinen Charakter, den man selbst bestimmt, sondern eine definierte Romanfigur. Darin sehe ich den Wert dieser zahllosen Wege, die durch ein gutes Rollenspiel führen und, würde man diesen Wert in Gold aufwiegen, dann könnte sich The Witcher 2 als Fort Knox entpuppen.

Praktisch jeder Dialog und jede Szene wird vom Spiel bemerkt, analysiert und ändert mal ein klein wenig, mal drastisch die Richtung, in die der Plot um Königsmörder und vermeidliche Rassenkonflikte führt. Wie steht ihr als Geralt zu dem König? Wie und mit welchen Mitteln entkommt ihr aus einem Gefängnis? Beseitigt ihr einen aufständischen Adligen oder versucht ihr es mit Diplomatie? All das entscheidet sich schon im bisher gezeigten Prolog und im ersten – sehr umfangreichen – Kapitel. Was Geralt im Detail für eine Figur ist, wie seine Umwelt zu ihm steht und auf ihn reagiert und welche Möglichkeiten sich ihm später in schwierigen Situationen bieten. Ich habe noch kaum ein Spiel erlebt, das sich so viel Mühe gibt, dem Spieler im wahrsten Sinne des Wortes das Heft in die Hand zu geben und ihn einfach machen zu lassen. Ich möchte gar nicht wissen, wie viel Arbeit in einer dermaßen kompetenten Umsetzung eines solchen Konzepts steckt.

Aber nicht nur das, auch die Art, wie es präsentiert wird, kann schon in einem Build, der die Worte „Dies ist nicht final!" stets oben am Rand prangen lässt, ohne Wenn und Aber begeistern. The Witcher 2 ist bereits jetzt das schönste Rollenspiel, das ich bisher gesehen habe. Punkt. Da ist nichts, was derzeit auch nur in die Nähe käme. Es mag ein paar Spiele geben, die von einem rein technischen Standpunkt aus gesehen noch mehr Aufwand betreiben, aber die kann man an einer Hand abzählen und aus seinem eigenen Genre kann nichts Witcher 2 das Wasser reichen. Vielleicht in Zukunft ein Skyrim, aber das ist noch weit weg. Und selbst wenn, bin ich doch sicher, dass es zumindest ein knappes Duell werden dürfte. Sowohl die Belagerung einer Festung, die sich dank der visuellen Umsetzung auch wirklich nach einem epischen Ereignis anfühlt, wie auch der folgende Halb-Dschungel voller Ruinen oder die mittelalterliche Stadt strahlen in kräftigen Farben, genießen ein stimmiges Design und zelebrieren ihre Pracht im Großen wie auch in den kleinen, feinen Details einzelner Blätter und Mauersteine.

Die Orte sind aber nicht nur statisch eine Pracht, es steckt auch mehr Leben in jedem Einzelnen davon als in im kompletten Dragon Age 2. Bewohner ziehen durch die Straßen, haben häufig ein paar Worte zu sagen, der Wald atmet förmlich in seinem wogenden Laub, seinen Tümpeln und die Schreie der Kämpfenden auf den Burgmauern hallen über die Schlacht. Diese Welt ist glaubhaft, nicht nur eine Kulisse in einem Kammerspiel, und man fühlt sich nicht als Nabel ihrer, weil der Rest eh tot ist, sondern als Besucher in bestimmten Bereichen, die ein Leben hatten, bevor man kam, und in denen es weitergeht, nachdem man wieder von dannen zog. So muss eine Rollenspiel-Welt aussehen und sich anfühlen. Es ist verblüffend, wie viel sich an dem Spiel getan hat, seit ich vor nicht mal ein paar Monaten einen früheren Build sehr zweifelnd ansah und mich fragte, ob dieses Rollenspiel-Jahr wirklich so gut wird wie es erst aussah. Von diesen Zweifeln lässt zumindest der Anfang von The Witcher 2 erst einmal nichts mehr übrig.

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Über den Autor:

Martin Woger

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