DiRT 3

Nahe an der Perfektion

Wenn Ken Block mit seinem Ford Fiesta "Ken Block" 4WD über die Ghymkhana-Strecke rast, scheint er die Gesetze der Physik außer Kraft zu setzen. Fast schwerelos gleitet er über die Schotterpiste, durch enge Haarnadelkurven und wahnwitzige Metallkonstruktionen, zwingt das über eine Tonne schwere Fahrzeug in unglaubliche Drehungen und hüllt die Zuschauer in Dreck und verbrannten Gummi. Angelehnt an die spezielle Disziplin beim Dressur-Reiten ist diese Form des Rally-Sports eine wirklich beeindruckende Demonstration von fahrerischem Können und hervorragender Technik. Mein persönlicher Höhepunkt bei Ghymkhana 3: Ein Dutzend Drehungen um einen fahrenden Segway herum. Wirklich unglaublich.

Die Popularität dieser Show hat nun sogar dafür gesorgt, dass ihr im nächsten DiRT entsprechende Karten und Herausforderungen finden werdet. Dazu passend hatte man zum Battersea Power Plant in London geladen, wo nicht nur Ghymkhana 4 aufgenommen wurde, sondern man auch erstmals die dazu passende Strecke anspielen konnte. Ken Block bei seiner Arbeit zuzuschauen, war übrigens weniger spektakulär es den Anschein hat. Die vielen Versuche, die schicken Kameraeinstellungen und die Tricks im Innenbereich konnten wir leider nicht einsehen. Trotzdem sorgten allein die Kulisse mit dem beißenden Sound seiner aufgemotzten Rally-Schleuder und die wilden Drifts für die perfekte Stimmung, um DiRT 3 anzuspielen, das übrigens in diesem Jahr auf den Zusatz Colin McRae verzichtet.

Dabei fällt sofort ins Auge, mit wie viel Liebe zum Detail das stillgelegte Elektriziätswerk in Pixel und Polygone umgesetzt wurde. Jedes Haus steht an der richtigen Stelle, die Metro fährt im Hintergrund vorbei und sogar die Lichtstimmung passt perfekt zu diesem überraschend sonnigen London-Tag. Es ist viel Platz auf der Karte. Ein großes Außenareal und ein verwinkelter Innenbereich laden zum Ausprobieren ein. Hier kann man sich digital so richtig ausleben und das Rally-Spiel fast als eine Art Tony-Hawk mit Turbo-Motor erleben.

Ihr brettert Rampen hoch, unter LKWs hindurch, um eng gesteckte Drift-Areale herum und sammelt dabei kräftig Punkte. Im Trainings-Modus noch ohne besondern Anspruch, verwandelt sich dieses Element in der Karriere in eine beinharte Aufgabe. Hier gilt es, gesteckte Ziele und Aufgaben zu erfüllen. Hier muss man gerade in puncto Drift-Steuerung mit den zickigen Ghymkhana-Fahrzeugen eine erstklassige Arbeit hinlegen. Alternativ zu der London-Variante könnt ihr euch noch an anderen Locations austoben, zum Beispiel in Monaco oder im LA Coliseum.

Doch die ausufernden Areale dienten nicht nur als Trick-Strecke, sondern lieferen auch die Grundlage für den neuen Multiplayer. Dieser besteht aus Acht-Spieler-Gruppenfights, die ganz bewusst auf Spaß getrimmt wurden. Wie in einem Online-Shooter muss man in „Transporter" zum Beispiel Flaggen zu einem Zielort bringen. Die Aufgabe des generischen Teams ist es, euch diese abzunehmen und selbst zu punkten. Alternativ müsst ihr in „Invasion" Papproboter umfahren und in „Outbreak" infizierten Spielern davonfahren. Wie es sich für einen vernünftigen Multiplayer gehört, gibt es diverse Varianten und Einstellungsmöglichkeiten. Ihr könnt die Aufgaben in unterschiedlich großen Teams bestreiten, Zielzeit und Zielpunkte festlegen. Echte Rally-Fahrer werden zwar mit diesem Party-Modus wenig anfangen können, als spaßiger Zeitvertreib ergänzt es aber den deutlich verbesserten Karriere-Modus.

Das Codemasters-Team hat diesmal wirklich auf die Fangemeinde gehört und gleich mehrere Wünsche in die Realität umgesetzt. Neben Schnee und Eis dürften vor allem Nachtfahrten und Regenrennen gestandene Rally-Fans begeistern. Letztere basieren auf der Engine von Formel 1 2010 und verpassen dem schmuddeligen Zeitfahren eine neue, taktische Tiefe. Die Wahl der Reifen und vor allem die entsprechenden Einstellungen bekommen so eine vollkommene neue Bedeutung. Außerdem wird die Anzahl der „richtigen" Rally-Rennen deutlich erhöht. 60 Prozent der Zeit werdet ihr auf staubigen Straßen, in malerischen Bergregionen und breiten Schotterpisten unterwegs sein - viel mehr in Europa. Nur ihr, die Uhr und euer Computer-Beifahrer. Allein ein jederzeit einblendbarer Geist begleitet euch hier bei euren millimetergenauen Drifts, brutalen Sprüngen und knackigen Zeit-Etappen.

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Kristian Metzger

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