Virtua Tennis 4 • Seite 2

SEGAs Return

Was Virtua Tennis 4 ausnehmend gut gelingt, ist der umfangreiche Karriere-Modus. Ihr erstellt einen Spieler, den ihr dann mithilfe zufällig ausgewürfelter Flugtickets über ein Weltkarten-Spielbrett zu verschiedenen Events zieht. Ihr verdient euch dabei Sterne, um an immer größeren Turnieren teilnehmen zu können und verbessert die Werte eures Racketschwingers in den serientypisch verrückten Mini-Spielen, die auch im Party-Modus zu viert begangen werden dürften. Diese sind zwar ziemlich durchgeknallt, vermitteln die Basics der Engine aber ausgezeichnet und machen tatsächlich euch und euren Schützling zu besseren Spielern.

Mein Favorit ist der Modus, in dem man zufällig auf dem Court verteilte Eier durch drüberlaufen zum Ausschlüpfen bringt und die Küken-Polonaise zur Henne geleiten muss – ohne dass die Tierchen von den Ballmaschinen erschossen werden. Nach und nach schaltet ihr auch neue Schwierigkeitsgrade frei, wodurch die Spiele tatsächlich ziemlich motivierend werden.

Während ihr über die Map reist, müsst ihr dabei stets eure Kondition im Auge behalten, die sich im Laufe von Spielen, Trainings oder Promo-Aktionen immer weiter reduziert. Wer im Finale eines wichtigen Turniers auf dem Zahnfleisch geht, der hat Pech gehabt. Tankt also regelmäßig eure Energie auf speziellen Hotel-Feldern wieder auf oder tauscht verdientes Geld im Shop gegen eine Instant-Erholung. Insgesamt die frischere Karriere-Laufbahn der beiden Tennis-Titel.

Eine Enttäuschung ist hingegen die neue Bewegungssteuerung der PS3- und Xbox-360-Ausgaben. Die Behauptung "Besser mit Kinect", die oben auf der Schachtel der Microsoft-Version prangt, provoziert nicht mehr als einen nervösen Lacher: Die wackelige, unpräzise und willkürliche Erkennung der Schläge taugt bestenfalls als optisch interessant untermaltes Aerobic.

Die kompetente Umsetzung der Schläge mit Move ärgert hingegen eher, weil sie nur im Einzelspiel- und im Party-Modus genutzt werden kann. Auch wenn es sich hierbei nicht um das beste aller bewegungsgesteuerten Tennisspiele handelt – das glücklose Grand Slam von EA machte vor zwei Jahren auf der Wii mehr Spaß –, wäre zumindest die Option ganz nett gewesen, auch in der Karriere die Eistüte zu schwingen. So bleibt es ein Gimmick, mehr nicht. Übrigens trifft dieses Urteil auch die Wii-Version, die vornehmlich mit quer gehaltener Remote und deren Mini-Steuerkreuz gespielt werden muss. Der Classic-Controller wird nicht unterstützt. Warum auch immer.

Dass Virtua Tennis das bewährte, auf Arcade-Sticks groß gewordene Gameplay nicht gegen eine Motion-Control-Variante eintauschen würde, war zu erwarten. Insofern ist dies kein Beinbruch. Immerhin hat das Spiel in den entscheidenden Disziplinen durchaus zugelegt. Vor allem in Sachen Optik können Spieler und Ausleuchtung eine ordentliche Atmosphäre erzeugen. Die Animationen und deren Übergänge sind in ihrer Vielfalt und Lebensnähe allerdings eine Stufe unter dem, was Top Spin 4 zu bieten hat. Auch auf den Sound trifft diese Einschätzung zu. Das hohle Tappern der Schritte der 24 lizenzierten SEGA-Profis könnte auch aus der Dreamcast-Version stammen und das Publikum gibt sich nordisch-unterkühlt.

Trotzdem: Gute Argumente gibt es für beide Spiele. Geist und Esprit des Sportes sind hüben wie drüben intakt und die augenzwinkernde Gelassenheit, mit der Virtua Tennis 4 den etwas trockenen Tenniszirkus auf den Bildschirm bringt, geht dem 2K-Produkt doch ziemlich ab. Allerdings kommen Fans des Sports nicht umhin, das ebenfalls überraschend einsteigerfreundliche Top Spin 4 als das insgesamt rundere Paket zu identifizieren. Wie man sich dort mit der Zeit in jeden einzelnen Schlag förmlich hineinlegt, das kommt dem Sport einfach am nächsten und vermittelt eine Spieltiefe, die ein VT4 schlicht nicht kennt.

Wer Virtua Tennis 4 kauft, entscheidet sich für die spannendere Karriere, Action ohne Schnörkel und Tenniswahnsinn in höchst gelungenen, sachdienlichen Mini-Spielen. Gleichzeitig sollte man sich aber auch bewusst sein, dass man diesen Titel schon lange zu den Akten gelegt haben wird, während auf dem 2K-Court nebenan noch unermüdlich das gelbe Filz hin und hergestöhnt wird.

7 /10

Virtua Tennis 4 ist ab sofort für Xbox 360, PlayStation 3 und Wii erhältlich. Die PC-Version erscheint am 10. Juni.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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