Eurogamer: Hast du denn in absehbarer Zeit auch Pläne, Musik ohne Spiele-Kontext zu komponieren und auch zu veröffentlichen?

Nobuo Uematsu: 2010 habe ich eine CD mit dem Titel "Uematsu Nobuo no 10 shōto sutōrīzu" (10 Kurzgeschichten von Nobuo Uematsu) veröffentlicht. Die Musik darauf hat nichts mit Videospielen zu tun und ich habe alle Stücke und Texte selbst geschrieben. Wenn möglich, würde ich dieses Projekt gerne zu einer Serie ausbauen. Ich habe außerdem eine neue Band namens "Earthbound Papas" gegründet. Mit dieser Band spiele ich zwar auch Musik aus Videospielen, aber wir haben auch vor, zusammen einige Stücke zu schreiben, die nichts mit Videospielen am Hut haben.

Eurogamer: Kannst du kurz den Weg einer Komposition skizzieren? Beginnen alle deine Stücke an Klavier oder Keyboard? Welche spezielle Hard- und Software wie Sequencer, Synthsizer oder Plugins benutzt du?

Nobuo Uematsu: Ich folge beim Komponieren eigentlich keinem besonderen Ansatz. Ich klimpere einfach ein bisschen auf dem Keyboard herum und brüte über jedem Stück, bis alles passt. Meine technische Ausstattung ist sehr bescheiden: Als Master Keyboard benutze ich ein GEM Promega 3, ich arbeite mit dem Programm "Vision" auf einem Mac und als Soundmodul verwende ich ein Roland SC-8850. Und das ist auch schon alles!

Eurogamer: In den 80er Jahren hast du große Werke mit einfachen Soundchips mit bestenfalls fünf Stimmen geschrieben, heute hast du quasi völlige Freiheit. Inwiefern hat das denn deine Arbeitsweise beeinflusst?

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Das Wii-Rollenspiel The Last Story fuhr in Japan dicke Wertungen ein, auf eine West-Ankündigung warten wir bislang aber vergeblich.

Nobuo Uematsu: Die moderne Technik hat meine Arbeitsweise nicht großartig beeinflusst. Ich versuche einfach, den Umständen und der Situation entsprechend das bestmögliche Resultat zu erzielen.

Eurogamer: Du arbeitest ja schon seit Jahren sehr erfolgreich mit Hironobu Sakaguchi zusammen, auch wenn ihr beide mittlerweile eigene Firmen habt und euch nicht mehr den Arbeitsplatz teilt. Wie beeinflusst das eure Zusammenarbeit?

Nobuo Uematsu: Wir arbeiten nicht nur für unterschiedliche Firmen, sondern wohnen auch an völlig anderen Orten: Herr Sakaguchi hat seinen Wohnsitz in Hawaii, während ich mein Dasein in Japan friste. Aus diesem Grund verständigen wir uns inzwischen fast ausschließlich per E-Mail. Wir sehen einander eigentlich nur noch sehr selten. Das bringt aber nicht nur Nachteile mit sich! Sicher, auf der einen Seite sieht man einander leider nicht mehr so oft wie früher, aber auf der anderen Seite ist dafür auch die Anzahl der Abende, an denen wir zusammen dem exzessiven Alkoholkonsum frönen können, deutlich gesunken. Was die Gesundheit angeht, ist die Distanz also gar nicht mal so übel!

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Wenn Musik von Nobuo Uematsu gespielt wird. kann man fest davon ausgehen, dass die Konzertsäle bis zum letzten Platz besetzt sind.

Eurogamer: Das nächste große Spiel mit deinen Kompositionen wird Mistwalkers The Last Story sein. Kannst du uns dazu ein wenig was sagen? Wie bist du an das Projekt herangegangen? Gibt es bestimmte Einflüsse für deine Musik zu The Last Story?

Nobuo Uematsu: Die ersten drei Stücke, die ich für das Spiel komponiert habe, waren das Haupt- und das Kampfthema sowie die musikalische Untermalung für eine Stadt. Alle drei wurden abgelehnt. Danach habe ich nach dem Trial-and-Error-Prinzip viele verschiedene Ansätze ausprobiert. Nach einigem Hin und Her habe ich schließlich versucht, mich am Klang großer Hollywood-Soundtracks zu orientieren.

Eurogamer: Bislang hast du stets für japanische Produktionen komponiert. Hättest du auch einmal Interesse daran, Musik für eine westliche Produktion zu schreiben?

Nobuo Uematsu: Oh ja, das würde ich gerne mal versuchen! Für so etwas wäre ich auf jeden Fall zu haben! Bitte, liebe Entwickler, macht mir ein Angebot! Oder sagen wir besser: Wo bleiben die Angebote?! Gebt mir Arbeit! Ich warte!

Und während Meister Uematsu noch wartet, haben wir noch eine gute Nachricht für euch: Wir verlosen vier Karten für das Konzert am 7. Juni in Leverkusen. Hinterlasst einfach ein "Ich will" in den Kommentaren, um mit etwas Glück zwei davon zu gewinnen! Und glaubt mir, mitmachen lohnt sich!

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Über den Autor:

Thomas Nickel

Thomas Nickel

Autor

Fest in der 16Bit-Ära verwurzelt, lehrt der freie Autor Spielegeschichte an der Frankfurter Games Academy. Wird eher selten vor Ego-Shootern gesichtet.