2 Cents: inFamous 2

inFamous? Nö. inFamous 2? Oh ja!

Heute kam ja auch der Test zu inFamous 2 und dem, was Alex euch darin so erzählt, will ich gar nicht groß widersprechen. Auch wenn ich scheinbar mal wieder zu den Glückskindern gehöre, die beim Spielen nicht von kleineren Bugs oder Questhängern überrascht wurden. Meine eigene Meinung weicht nicht groß ab, meine Wertung würde nicht anders aussehen. Warum also habe ich das Bedürfnis, auch noch etwas zu dem Spiel zu sagen?

Weil es mich komplett überrascht hat, wie viel Spaß ich damit hatte. Ich konnte inFamous 1 frei heraus gesagt nicht leiden. Weder das Design der Stadt noch die Missionen, mal wieder eine Super-Helden-Origins-Story durchleiden zu müssen, reizte mich. Noch dazu stehe ich Open-World eher skeptisch gegenüber. Ich liebe das gelegentliche Spiel in der Richtung, vergöttere bis heute Vice City und die beiden Just-Cause-Titel, aber Prototype oder eben inFamous ließ ich nach zwei oder drei Stunden gelangweilt links liegen. Wäre in der Redaktion nicht zufällig ein inFamous 2 übrig geblieben und wäre ich am Samstag nicht ein wenig gelangweilt gewesen, ich hätte es nicht einmal versucht. Und hätte damit wirklich etwas verpasst.

Ich kann nicht einmal genau sagen, was dieses Spiel hat, aber für mich hat es dieses gewisse Etwas definitiv. Das Szenario in dem leicht umbetitelten New Orleans reizt weit mehr als die üblichen Hochhaus-Auswüchse. Dreckig, bunt, optisch ansprechend umgesetzt, gedrungen, aber doch einladend präsentiert sich diese Spielwiese und sie zu erkunden weckte unendlich mal mehr Interesse in mir als es jeder Wolkenkratzer tat.

Die Figuren in dieser Stadt, die Charaktere von Freund und Feind präsentieren sich kohärent, zeigen sich kontinuierlich, aber nicht aufdringlich. Man macht sein Ding, aber sie geben einem trotzdem das Gefühl, dass man genau das richtige Tempo trifft und die Geschichte trotz Nebenmissionsausflügen im genau gedachten Tempo voranschreitet. Für ein Open-World-Spiel ist das meines Wissens nach keine zu verachtende Leistung.

Ich weiß, dass Alex so seine Problemchen mit der Mechanik des Erklimmens der Wände hatte. Hier ist ein kleiner Punkt, in dem ich ihm widersprechen würde und es zumindest leicht anders sehe. Er merkt völlig zu Recht an, dass jedem Sprung an der Hauswand ein Tastendruck vorausgeht und das können schon mal zehn bis 20 sein, bis man oben ankommt. Am Ende ist es aber die konsequente Umsetzung der Fähigkeiten der Figur. Seine Macht ist Elektrizität und nicht das Fliegen. Er war aber Parcours- und FreeRunner. Also hangelt er sich in kleinen Sätzen über eine Fassade. Damit hat Alex genauso wenig Probleme wie wahrscheinlich jeder andere, aber die Umsetzung über das wiederholte Button-Bearbeiten kann nerven.

Ich selber empfand es als passend und mochte das mehr an Freiheiten einer weniger automatisierten Mechanik. Mehr noch als in dem sehr gradlinigen Klettern eines Assassins Creed könnt ihr in inFamous 2 leicht und elegant die Richtung an der Fassade wechseln, zu anderen Vorsprüngen und Fenstern hangeln und so auch geschickt Gegner auf dem Dach flankieren, was ich die ganze Zeit über tat, während Alex auch wunderbar ohne diese Strategie auskam.

Damit hängt es vielleicht ein wenig von der Spielweise ab. Wer sich gerne als Fassadenkletterer versucht, der auch nach links und rechts die Wände erkundet und damit die Möglichkeiten des Systems ausnutzt, den wird das Tastendrücken nicht stören. Wer einfach nur nach oben will und das grundsätzlich, wird es als umständlich empfinden. Eine Frage des Herangehens.

Auch ist es ein Spiel, das einen in einer relevanten Story absetzt, aber nicht hetzt. Einfach mal ein wenig herumhüpfen, ein paar Bad Guys mit den netten Kräften plätten, die Rails grinden und sinnlose – immer noch etwas abwechslungsarme – Moral-Missionen erledigen, es ist eine kleine, entspannte Auszeit für eine halbe Stunde. Oder ihr startet in einer längeren Runde einen epischen Run durch einen ganzen Satz an Missionen. inFamous 2 kann beides und das in fließenden Wechseln, ganz wonach einem grad der Sinn steht.

Aber am Ende kann ich nicht hundertprozentig erklären, warum mich diese Dinge in inFamous überhaupt nicht reizten, während ich den zweiten Teil durchaus lieben lernte. Es passt hier einfach alles besser zusammen, die Spielbarkeit in Form von Klettern und Kräften mit dem Setting. Auch der Fakt, dass die Origins-Geschichte abgehandelt wurde und man nun gleich in medias res geht. inFamous 2 spielt sich für mich einfach rund. Etwas, das ich über Teil 1 nie gesagt hätte und so kann ich jedem, dem es damals auch so ging, nur raten, es mit diesem hier auf einen neuen Versuch ankommen zu lassen – und sei es zum Start nur in der Videothek oder in Form der Demo. Vielleicht ergeht es euch ja auch wie mir und ihr habt viel Spaß mit etwas, von dem ihr das ganz sicher nicht erwartet habt. Es gibt halt auch mal schöne Überraschungen in diesem Geschäft.

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Über den Autor:

Martin Woger

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