Ob es nun einige Animationen, die auf Konsolen langen Ladezeiten, deutlich schwächere Texturen sowie Effekte, einige Pop-Ups oder ein übermäßiger Blur-Einsatz bei Hintergründen sind, das geht mit der Unreal Engine 3 mittlerweile deutlich besser - auf dem PC sieht das alles zumindest etwas hübscher und schärfer aus. Aber das ist wohl der Kompromiss, den Gearbox Software für dieses Spiel eingehen musste. Um wirklich alles komplett zu überarbeiten und es technisch auf den aktuellen Stand zu bringen, hätte man wahrscheinlich nochmal deutlich mehr Zeit und Geld in dieses Spiel investieren müssen. Kein Beinbruch, aber natürlich macht das insbesondere Grafik-Fetischisten alles andere als glücklich.

In der getesteten Xbox-360-Version kam es zudem regelmäßig zu kleineren Slowdowns, besonders im Zusammenhang mit Explosionen und ähnlichen Effekten. Insgesamt läuft die Fassung für Microsofts Konsole laut unseren Kollegen von Digital Foundry etwas instabiler als die PS3-Version. Kein echter Game-Breaker, DNF bleibt stets spielbar. Aber in entsprechenden Situationen ist eben eben schon leicht spürbar und angesichts der Qualität der Effekte beziehungsweise der gesamten Optik fragt man sich, wieso es überhaupt leicht ruckelt. Ebenso soll die 360-Ausgabe des Spiels Digital Foundry zufolge unter teils extremem Tearing leiden, was aber zumindest ich selbst auf meinem Fernseher nicht bestätigten kann. Auch das ist wohl noch ein Relikt der langen Entwicklungszeit, da das Spiel augenscheinlich noch auf einer sehr alten UE3-Version basiert.

Abschließend noch zwei Dinge. Erstens: Der Multiplayer. Einfache Standardkost, nichts Besonderes. Mit Deathmatch, Team-Deathmatch, King of the Hill und Capture the Babe hat man vier Modi im Programm. Moderne Spielereien wie etwa Perks gibt es nicht, Charakterklassen ebenso wenig. Für Levelaufstiege bekommt ihr nur andere Kostüme und weitere optische Gimmicks. Allzu groß dürfte die Langzeitmotivation daher nicht ausfallen. Alle Waffen und Gadgets aus der Singleplayer-Story stehen natürlich auch hier zur Verfügung.

Zweitens: Die Synchronisation. Ja, ihr lest richtig, 2K hat dem Spiel eine deutsche Übersetzung spendiert. Startet ihr die hiesige Fassung, hört ihr erstmal John McClane alias Manfred Lehmann aus den Boxen plaudern. Passt ja in dem Sinne auch irgendwie zum Duke, aber im Vergleich mit der ebenfalls verfügbaren englischen Sprachausgabe (einfach die Konsole auf Englisch stellen oder via Steam umschalten) kommt das Ganze doch nicht ganz so gut rüber, wirkt auf Deutsch einfach anders.

Dukes Original-Sprecher Jon St. John erledigt seinen Job einwandfrei und bei ihm hat man wirklich in jeder Sekunde das Gefühl, dass er mit Herz und Seele bei der Sache war. Lehmann leistet zwar insgesamt ganz gute Arbeit, doch manchmal hat man einfach den Eindruck, dass er nicht ganz so viel Begeisterung dafür zeigt. Und ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber Sätze wie zum Beispiel "Its time to kick ass and chew bubble gum, and I'm all out of gum" auf Deutsch zu hören, ist dann doch etwas gewöhnungsbedürftig.

Es ist keine Revolution, keine Evolution und sicherlich auch kein Meisterwerk. Schlussendlich haben wir hier einen richtigen Oldschool-Shooter mit vielen Dingen, die man in moderneren Vertretern des FPS-Genres kaum mehr zu Gesicht bekommt. Eine Story, die ganz sicher keinen Oscar verdient (Hauptsache Aliens in den Arsch treten), ein Held, die sich selbst nicht ernst nimmt, aus dem Vorgänger bekannte Level-Interaktionen und markige Sprüche, die nicht immer ins Schwarze treffen. Für einige mag das veraltet sein und natürlich kann sich auch nicht jeder mit dieser Art von Humor anfreunden, aber schlecht? Nein, das ist Duke Nukem Forever nicht. Selbst wenn man ohne Zweifel zugeben muss, dass dieses Spiel ohne seinen Hauptdarsteller eher Durchschnittskost wäre.

Doch auch wenn die Technik veraltet ist und der Held an Relevanz eingebüßt hat, könnten die Fans des blonden Alien-Ass-Kickers hier durchaus auf ihre Kosten kommen. Ob man Duke Nukem Forver wirklich veröffentlichen musste? Darüber kann man sicher streiten, aber ein fertiges Duke Nukem Forever im Regal... wer hätte das noch vor ein paar Jahren gedacht? Ich nicht, aber es hat doch irgendwas Nostalgisches an sich. Ich bin jedenfalls froh, dass ich es spielen konnte und hatte in den rund zehn Stunden immer wieder Spaß. Und das ist doch schlussendlich das, was zählt.

Aber: Die Wurzeln des Spiels liegen klar in der Vergangenheit. Die Technik ist gerade auf Konsolen immer mal wieder unterirdisch. Das geht mit den mäßigen Effekten los, setzt sich mit niedrig aufgelösten Texturen fort, endet mit extrem langen Ladezeiten und Tearing. Im Vergleich zur sauberen PC-Version gibt es deshalb einen Punkt Abzug. Doch zu behaupten, dass der Duke selbst nicht in die heutige Zeit passt, halte ich für falsch. Gearbox hat die Rechte daran und kann sich nun voll und ganz auf die Zukunft konzentrieren, was hoffentlich heißt: Keine ganz so lange Wartezeit mehr. Und beim nächsten großen Duke-Spiel dürfte es dann wohl ganz bestimmt auch mit der Technik klappen.

PC:

7 /10






PS3/Xbox 360:

6 /10

Duke Nukem Forever ist für PC, Xbox 360 und PlayStation 3 erhältlich.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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