NeverDead

Arm ab, Kopf ab, Spaß ab?

Seit Jahren suchen die japanischen Videospiel-Riesen nach einem Konzept, wie sie ihren langsamen Bedeutungsverlust aufhalten können. Anfangs wurde in Japan für den westlichen Markt produziert. Mit mal mehr (Lost Planet 1), mal weniger großem Erfolg (Lost Planet 2). Dann wurden diverse westliche Studios aufgekauft und an neue Projekte (Dark Void) beziehungsweise alte Marken (Bionic Commando) gesetzt. Auch hier war die daraus resultierende Qualität eher durchwachsen.

Nun hat Konami scheinbar die richtige Formel gefunden: Man nehme japanische Produzenten und Kreativteams und vermische sie mit Entwicklerstudios, die sich mit dem Geschmack der Westeuropäer und Amerikaner auskennen. Das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit, Castlevania: Lords of Shadow, war zumindest qualitativ ein voller Erfolg. Das spanische Team hat zusammen mit den Kojima Productions viel erreicht. Mit insgesamt knapp einer Million Verkäufen war der finanzielle Erfolg zwar eher durchwachsen, aber das Konzept steht.

Das nächste Projekt dieses ungewöhnlichen Joint-Ventures: NeverDead. Während sich die Japaner um die kreativen Bestandteile kümmern, arbeitet der britische Entwickler Rebellion an der technischen Umsetzung. Meiner Meinung nach eine gute Aufteilung, schließlich hat das Studio in der letzten Zeit nur wenig einfallsreiche Titel produziert, sondern eher Dünnpfiff. Und dabei war Aliens vs. Predator noch eines der besseren Projekte. NeverDead wirkt da schon auf den ersten Blick deutlich runder.

Im Zentrum des Gameplays steht ein interessanter Kniff. Der Held der Geschichte, der Dämonenjäger Bryce Boltzmann, ist unsterblich. Nichts, aber auch gar nichts kann ihn erledigen. Der gute Mann wurde von einem Dämonen verflucht, nachdem er dessen Frau umgebracht hat. Bryce soll bis in die Unendlichkeit an dieses schmerzhafte Erlebnis erinnert werden. Kein Wunder, dass der Untote einen ausgewachsenen Alkoholismus mit sich herumträgt und auf den ersten Blick eher mitleids- denn furchterregend wirkt. Zum Glück tritt ihm 500 Jahre später seine aktuelle Partnerin, Arcadia, kräftig in den Hintern und verschafft ihm einen Job bei der AGA, einer Agentur zur Beseitigung von Dämonen. Also Drecksarbeit.

Und natürlich fragt ihr euch jetzt, wo denn die Herausforderung liegt, wenn Bryce unsterblich ist? Ganz einfach, er hat ja schließlich Arcadia an seiner Seite, die sehr wohl sterblich ist. Sobald sie den Löffel abgibt, heißt es dann dementsprechend Game Over. Ein Kniff, der schon bei Knight's Contract ganz gut funktioniert hat. Die eigentliche Spielmechanik ähnelt in etwa einem Third-Person-Shooter. Die beiden Abzüge sprechen den entsprechenden Arm samt Waffe an. Wenn ihr wollt, könnt ihr euch das Körperteil aber auch abreißen und als Granate benutzen. Regeneriert wird das Ganze durch Drüberlaufen oder -rollen. Oder aber durch das Gedrückthalten eines weiteren Knopfes.

Die dazu passenden Dämonen haben es dementsprechend auch auf eure Gliedmaßen abgesehen. Wenn ihr nicht aufpasst, beißen euch fiese Höllenhunde nach und nach euren gesamten Bewegungsapparat ab und ihr rollt nur noch mit dem Kopf durch die Gegend. Auch hier steht klar im Vordergrund, euch aus dem Gefecht zu nehmen, um an eure Partnerin heranzukommen. Manchmal wollt ihr aber auch nur noch mit dem Kopf durch die Gegend rollen. Dieser nimmt nämlich die Eigenschaft von Feuer und Wasser an. So löst ihr kleine Puzzles, indem ihr zum Beispiel euch von einer Wasserfontäne in ein Feuer schleudern lasst und es so auslöscht. Auch die Boss-Fights sollen entsprechend abwechslungsreich ausfallen. Mal lässt sich ein Gegner nur mit den explosiven Armen erledigen, mal schlicht mit den Waffen oder eurem brennenden Kopf.

Und natürlich hat Konami noch einen Multiplayer-Modus angekündigt. Dabei wird es neben Bryce verschiedene Charaktere mit Spezialfähigkeiten geben, die in den Gefechten Erfahrungspunkte sammeln und so immer stärker werden. Neben diversen Versus-Varianten wird es auch einen Koop-Modus geben. Wie dieser aussieht, wollten die Japaner noch nicht verraten. Ich bin gespannt, ob das wieder in einem 08/15-Mehrspieler-Modus endet oder ob es ausnahmsweise gelingt, wenigestens für ein paar Wochen die Fans bei der Stange zu halten.

Aktuell spielt sich das Ganze noch etwas chaotisch und verwirrend. Trotzdem wird schnell klar, wie viel Potential in dem Konzept steckt. NeverDead spielt sich schlicht anders, unverbraucht und liefert einen herrlich überzogenen Anti-Helden. Und das Spiel sieht auch überraschend gut aus. Besonders das Charakter-Design überzeugt und macht klar, wer bei der Entwicklung die Hosen an hat. Konami drückt dem Konzept den japanischen Stempel auf, liefert aber genug Third-Person-Shooter-Standards, um auch die westliche Fangemeinde zufrieden zu stellen. Ich persönlich erwarte von NeverDead keinen richtigen Blockbuster oder einen Überraschungshit á la Castlevania: Lord of Shadows. Aber mit etwas Glück und der japanischen Führung dürfte es aber der beste Rebellion-Titel seid einer langen, langen Zeit werden. Ich drücke ausnahmsweise mal die Daumen. Schließlich hat das britische Team mit Aliens vs. Predator 1999 einen echten Klassiker produziert. Und ich liebe Comebacks.

NeverDead erscheint im Winter 2011 für Xbox 360 und PS3.

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Kristian Metzger

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